Das NavVis-Gründerteam: Robert Huitl, Sebastian Hilsenbeck, Georg Schroth und Felix Reinshagen (von links)

Das Münchner Startup NavVis bekommt 7,5 Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde, wie Gründerszene exklusiv erfuhr. Neu eingestiegen sind der VC Target Partners, der die Runde anführt, und Business Angel Don Dodge von Google. Auch die Altinvestoren Bayerische Beteiligungsgesellschaft BayBG und MIG Fonds beteiligten sich an der Runde, ebenso die ehemaligen McKinsey- und Microsoft-Deutschlandchefs Lothar Stein und Jürgen Gallmann.

Bekannte Namen, die an die Technologie von NavVis glauben. Das Startup entwickelt eine Art Google Street View für Innenräume. Es bildet Räumlichkeiten eins zu eins ab und ermöglicht mit einer browserbasierten Software die Navigation darin. Für das Deutsche Museum in München hat NavVis zum Beispiel das gesamte Innere digitalisiert und virtuelle Rundgänge erstellt, die Besucher nun vom Bildschirm zu Hause aus unternehmen können.

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Um Innenräume kartieren zu können, hat das NavVis-Team einen sogenannten Trolley entwickelt und gebaut. Die sechs hochauflösenden Kameras in dem weißen Türmchen auf Rädern (siehe Bild) nehmen 720-Grad-Fotografien des gesamten Raums auf. „Der Trolley ist so einfach zu bedienen wie ein Staubsauger“, findet Mitgründer Georg Schroth. Die Einarbeitungszeit liege bei unter einer Stunde. Kunden müssten das Gerät dann nur noch durch ihre Räume schieben, von denen sie 3D-Karten haben möchten. Die Abbilder würden automatisch erstellt.

Geld verdient NavVis mit dem Verkauf der Trolleys an Unternehmenskunden. Darin sieht Schroth einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz durch beispielsweise Google, das auch eine Indoor-Kartierungssoftware entwickelt. Denn bei NavVis blieben die Daten beim Kunden. „Ein Automobilkonzern will sicherlich nicht die Details seiner Fertigungsstrecken an Externe weitergeben“, so Schroth. „Das sind hochsensible Daten, die im Konzern bleiben sollen.“

Eine weitere Einnahmequelle sind die Kooperationen mit Partnerunternehmen wie Vermessungsfirmen. Sie erwerben die Geräte und lizenzieren die Software des Startups. So können sie Kartierung anderen Firmen oder Projekten als Teil ihrer Dienstleistung anbieten. NavVis sei schneller gewachsen als erwartet, gibt Schroth an. Das 2013 gegründete Startup, das aus einem Forschungsprojekt hervorgegangen ist, hat heute bereits 55 Mitarbeiter. Zu Geschäftszahlen äußern sich Schroth und seine Mitgründer Robert Huitl, Sebastian Hilsenbeck und Felix Reinshagen allerdings noch nicht – sie haben erst in diesem Jahr mit dem Verkauf begonnen.

Interesse für ihr Produkt bekommen die Gründer besonders aus der Industrie. Aber auch Einzelhändler, Unternehmen im Facility Management und Flughäfen nutzen die Technologie. Bei einem genauen Abbild eines Flughafens können sich Reisende beispielsweise schon vorab online ein Bild davon machen, wo genau sie hinmüssen.

So sieht eine Indoor-Karte von NavVis zum Beispiel aus:

In Umgebungen wie dem Einzelhandel, die sich häufig verändern, sei die neue Kartierung der Flächen einfach, sagt Schroth: „Man muss nur mit dem Trolley noch einmal den Raum abfahren – das war’s.“ Eine Person könne pro Tag zwischen 20.000 und 50.000 Quadratmeter kartieren.

Einen weiteren Vorteil sieht der Gründer bei der Art der Navigation. Konkurrenten setzten in Räumen beispielsweise auf Wifi und Bluetooth. Diese Infrastruktur müsse allerdings erst in die Gebäude gebracht werden. Bei NavVis hingegen soll die Navigation per App und Smartphone-Kamera erfolgen. Die Bilder, die die Handykamera aufnimmt, werden dafür mit den bereits aufgenommenen Bildern über die Software abgeglichen. So wird zugeordnet, wo sich ein Nutzer gerade befindet. Er kann dann von seinem Aufenthaltsort aus die Navigation zu einem bestimmten Punkt im Gebäudekomplex starten. Die App soll nächstes Jahr kommen.

Business Angel Dodge glaubt sogar, dass NavVis mit seiner Technologie in Zukunft hunderte neue Anwendungs- und Geschäftsfälle generieren könne. Seiner Meinung nach werden die den Alltag mehr verändern als Google Maps und Co: „Die Innenraum-Navigation wird stärkere Auswirkungen haben als Landkarten oder GPS.“

Bild: NavVis