Taxifahrer wehren sich gegen UberPop, Wundercar und Co.

Am frühen Morgen hatte noch die Sonne geschienen, doch am Mittag ist der Himmel grau, es fallen die ersten dicken Regentropfen über Berlin – eigentlich bestes Taxiwetter. Aber die Berliner Taxifahrer protestieren am Mittwoch ab 12 Uhr: Mehrere hundert Taxis sind zum Berliner Olympiastadion gefahren, um gegen die Mitfahr-Apps von UberPop und Wundercar zu streiken. Nicht nur die Berliner sind sauer: In der ganzen Welt – auch in London, Madrid, Chicago und São Paulo – haben sich am Mittwoch Taxifahrer für einen internationalen Aktionstag versammelt.

Unter den Streikenden in Berlin ist auch Hilde, die seit 25 Jahren mit Taxifahren ihr Geld verdient. Ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen. „Das Taxigewerbe ist an den Tarif gebunden, wir dürfen ja nicht einfach billiger oder teurer fahren. Und die sollen das dürfen?“, klagt die 56-Jährige. “Das ist eine absolute Wettbewerbsverzerrung und eine Ungleichbehandlung vor dem Gesetz, die nicht okay ist.“

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Die Rideshare-Dienste UberPop und WunderCar vermitteln Mitfahrer an private Fahrer. Da für eine Beförderung allerdings ein Personenbeförderungsschein benötigt wird, sieht beispielsweise das Modell von Wundercar vor, dass die Gelegenheitschauffeure durch ein freiwilliges Trinkgeld entschädigt werden. Die Mitfahrdienste sind somit preiswerter als eine Taxifahrt, weshalb Taxifahrer nun ihr Geschäftsmodell bedroht sehen.

Um halb zwei stehen die Taxis schließlich Reihe an Reihe vor dem Olympiastadion; die Kundgebung beginnt. Auf der Sprechertribüne auf dem Olympischen Platz spricht auch Uwe Gawehn, Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes. Er beklagt das fehlende Handeln der Berliner Politiker. Angebote wie UberPop und Wundercar seien „schlichtweg illegal“, da sie Personenbeförderung „ohne Versicherungsschutz, ohne Genehmigung, ohne Gewerbeanmeldung, ohne steuerliche Veranlagung und ohne polizeiliches Führungszeugnis“ anbieten würden. Gawehn fordert deswegen, „dass die Berliner Genehmigungsbehörde umgehend alle illegalen App-Vermittlungen und entgeltliche Personenbeförderung ohne Genehmigung verbietet und für jede Zuwiderhandlung Zwangsgelder verhängt“.

Taxiunternehmer Richard Leipold, der auch Vorsitzender der Berliner Taxivereinigung ist – und kürzlich die einstweilige Verfügung gegen UberBlack vor dem Landgericht Berlin erwirkt hatte – ist sich sicher, dass Wundercar und UberPop bald aufgeben müssen: „Wir brauchen keine Baseballschläger, weil wir das Landgericht Berlin auf unserer Seite haben, und auch das Kammergericht und den Bundesgerichtshof“, so Leipold. „Wir werden am Schluss gewinnen und Uber aus dieser Stadt treiben – und auch Wundercar und jeden, der es sonst probiert!“

Schon seit Monaten klagen die Taxifahrer in Deutschland über die neuen Angebote von UberPop und Wundercar, bisher hat der Protest unterschiedlichste Wirkung: Während Uber von der Aufmerksamkeit durch die Proteste sogar profitiert, wurde Wundercar in Hamburg in der vergangenen Woche bereits für illegal erklärt. Das Startup ignoriert das Verbot bislang allerdings und will den Betrieb in der Hansestadt fortsetzen. Der Streit geht also weiter.

Bild: Gründerszene