Die Gründer Felix Ilse (links) und Michael Decker

„In Deutschland wird Tee noch als verstaubtes Produkt behandelt“

Felix IIse und Michael Decker gründeten schon in der siebten Klasse ihr erstes gemeinsames Unternehmen: einen Pizza-Lieferservice. Mit dem Fahrrad lieferten die Schulfreunde selbstgebackene Pizzen in ihrer Heimatstadt Göttingen aus. Für das Studium trennten sich dann ihre Wege – erst vor wenigen Monaten trafen sie sich in Berlin wieder. Dort gründeten sie Teatox (www.teatox.de), ein Startup für funktionale Wellness- und Lifestyle-Tees.

Wie seid ihr darauf gekommen, ein Startup ausgerechnet für Wellness-Tee zu gründen?

Decker: Tee ist ein sehr spannendes und vielseitiges Produkt, das viel bewirken kann. In Deutschland wird Tee aber immer noch als ein sehr langweiliges und verstaubtes Produkt behandelt. Felix und ich haben unsere Leidenschaft für Tee während unseres Studiums entdeckt: Felix war für ein Auslandssemester in Argentinien, wo die Menschen viel Matetee trinken und Tee fester Bestandteil des Alltags ist. Ich bin nach Taiwan gegangen, wo Tee ebenfalls ein sehr wichtiger Teil der Kultur ist. In diesen Ländern haben wir gesehen, was Tee neben reinem Genuss noch für eine Rolle spielen kann. In Deutschland wird die Wirkung von Tee meistens mit Krankheit – Erkältung, Kopfschmerzen oder Durchfall – in Verbindung gebracht. Was uns fehlte, war die positive und unterstützende Wirkung, die Tee auf den Körper haben kann und das Getränk als Lifestyle-Produkt positioniert.

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Es gibt doch schon einige stylische Teemarken wie beispielsweise Kusmi Tea aus Paris.

Ilse: Tee schön zu verpacken, ist tatsächlich nicht wirklich innovativ. Was uns von diesen Marken unterscheidet, ist unser funktionaler Ansatz. Wir wollen Wellness-Tee für bestimmte Momente und Bedürfnisse verkaufen. Deshalb geben wir zu jedem Tee spezielle Ratschläge und Tipps, die man auf unserer Seite kostenlos herunterladen kann. Begleitend zu dem Daily Balance Tee empfehlen wir beispielsweise Yoga- und Meditationsübungen, der Detox Tee kommt mit einem Ernährungsplan und Fitnessübungen. Mit unserem Matcha Tee kann man auch backen, kochen oder einen Drink mixen – dafür liefern wir die Rezepte. Bei Teatox geht als also um einen gesunden Lebensstil. Unser Tee ist kein Wundermittel, aber wenn unsere Kunden zusätzlich etwas Einsatz zeigen, können sie viel bewirken.

Ihr verkauft beispielsweise einen Skinny Detox Tee, der beim Abnehmen helfen soll. Wie geht ihr bei der Entwicklung eurer Tees vor?

Decker: Wir definieren zunächst ein Bedürfnis, das Kräuter unterstützend erfüllen können. Dann setzen wir uns mit unserem Expertenteam zusammen, das aus unseren Ernährungswissenschaftlern, einem Heilpraktiker und unserem deutschen Teeproduzenten besteht. Anschließend werden die Zutaten ausgewählt und verkostet – denn viele Kräuter oder Gewürze wirken zwar, schmecken aber nicht. Da probieren wir dann lange hin und her.

Ihr konntet früh Investoren von eurer Idee überzeugen. Wer ist bei euch beteiligt und wie viel Geld konntet ihr bisher einsammeln?

Ilse: Die Investoren von Cherry Ventures und Berlin Ventures haben investiert, weil sie früh von der Idee begeistert waren, ein vermeintlich banales Produkt wie Tee neu zu positionieren. Auch die Business Angels Frank Riedel und Sebastian von Johnston sind beteiligt. Bisher konnten wir einen niedrigen sechsstelligen Betrag einsammeln, der uns dabei helfen wird, Teatox weiter auf dem Markt zu etablieren. Der große Vorteil an unserem Modell ist, dass wir von ersten Tag an Umsätze generiert haben.

Decker: Der Start hat uns sehr überrascht. Gerade in den Wintermonaten wurde uns der Tee förmlich aus den Händen gerissen. Wenige Wochen nach dem Launch im November waren wir zum ersten Mal ausverkauft.

Wie viele Bestellungen habt ihr monatlich?

Ilse: Wir verkaufen im Monat mehrere tausend Tees.

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Klingt nach einem guten Start. Was sind eure Pläne für dieses Jahr?

Decker: Wir wollen vor allem unsere Produktpalette erweitern. In den nächsten Wochen bringen wir zwei neue Tees raus – einen Schöne-Haut-Tee und einen weiteren Detox Tee, der diesmal auch die männliche Zielgruppe anspricht. Für den Vertrieb wollen wir neben unserem Online-Shop ein Netzwerk mit ausgewählten Läden aufbauen, die unseren Tee vertreiben.

Ilse: Außerdem wollen wir im Herbst einen Pop-Up-Store eröffnen, eine Art Tee-Lounge.

Seht ihr die großen Tee-Firmen wie Milford oder Meßmer als direkte Konkurrenten?

Ilse: Die Gefahr, dass große Unternehmen den Lifestyle-Trend mitmachen wollen, ist natürlich da. Diese traditionellen Unternehmen profitieren hier vor allem von ihren Vertriebskanälen. Was ihnen jedoch fehlt, ist die Marke, die das Thema Lifestyle auch verkörpern kann. Davon sind die großen deutschen Teeunternehmen meiner Meinung nach weit entfernt.

Bild: Teatox