NEW YORK, NY - DECEMBER 14: (L to R) Larry Page, chief executive officer of Alphabet Inc. (parent company of Google), Sheryl Sandberg, chief operating officer of Facebook, Vice President-elect Mike Pence listen as President-elect Donald Trump speaks during a meeting of technology executives at Trump Tower, December 14, 2016 in New York City. This is the first major meeting between President-elect Trump and technology industry leaders. (Photo by Drew Angerer/Getty Images)

Tech-Treffen mit Trump (r.): Alphabet-CEO Larry Page, Facebook-COO Sheryl Sandberg und Vize-Präsident Mike Pence (v.l.)

Der künftige US-Präsident hat sich im Rahmen eines Gipfeltreffens um eine Aussöhnung mit den Internet- und Technologieunternehmen des Silicon Valley bemüht. „Ich bin da, um euch Leuten zu helfen, damit es euch gut geht“, sagte Donald Trump am Mittwoch bei der Begegnung mit rund einem Dutzend Spitzenvertretern der Branche. Während des Wahlkampfs hatte sich das Silicon Valley fast geschlossen mit Trumps Rivalin Hillary Clinton solidarisiert.

Er werde dafür sorgen, dass die Branche ihre „unglaublichen“ Innovationen fortsetzen könne, versicherte der designierte Präsident. „Wir werden für euch da sein.“ Trump umschmeichelte die versammelten Branchenvertreter zu Beginn des Treffens, indem er sie als „wirklich unglaubliche Gruppe von Leuten“ bezeichnete und schwärmte: „Es gibt niemanden wie euch auf der Welt.“

Der größte Teil des Gesprächs fand dann hinter verschlossenen Türen statt. Zu den Teilnehmern gehörten die Unternehmenschefs Jeff Bezos (Amazon), Tim Cook (Apple), Satya Nadella (Microsoft), Larry Page und Eric Schmidt (Alphabet/Google) sowie Sheryl Sandberg (Facebook). Zuvor hatte sich Trump schon mit Microsoft-Gründer Bill Gates getroffen.

Anzeige

Musk könnte Trump beeinflussen

Im Zuge seiner Charmeoffensive umgarnte Trump auch den Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla sowie des Raumfahrtunternehmens SpaceX, Elon Musk. Musk, der zunächst erst gar nicht zum Treffen kommen wollte, hatte in letzter Minute doch zugesagt. Nun soll er sogar in das „Strategische Forum“ aufgenommen werden, das Trump für seine Wirtschaftspolitik konsultieren will.

Sollte Musk tatsächlich Einfluss auf Trumps wirtschaftspolitische Entscheidungen nehmen wollen, dürfte ihm in Trumps Team heftiger Gegenwind entgegenschlagen: Der neue Vorsitzende der US-Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, leugnet öffentlich den Klimawandel, und auch Trump selbst hatte den Klimawandel bereits mehrfach eine „Erfindung der Chinesen“ genannt. Musk dagegen ist ausdrücklicher Befürworter des Pariser Klimaschutzabkommens – genau jenes Vertrages, den Trump aufkündigen will.

Einen ungewöhnlichen Verbündeten dagegen könnte Musk in Trumps neuem Kandidaten für den Außenministerposten finden: Rex Tillerson, CEO des Energieriesen Exxon, ist zwar ebenfalls kein Freund der Klimaschutzverträge – doch zumindest hat er ebenso wie Musk bereits öffentlich die Möglichkeit einer Kohlendioxid-Steuer in Betracht gefasst. Ob Trump, der öffentlich für Deregulierung und die Abschaffung von Steuergesetzen wirbt, nun allerdings eine neue Klimasteuer auflegt, ist mehr als zweifelhaft.

Twitter musste draußen bleiben

Neben Musk berief Trump auch den Vorsitzenden des Fahrdienstes Uber, Travis Kalanick, in sein Strategieforum – auch wenn Kalanick bei dem Treffen im Trump-Tower nicht dabei war. Musk und Kalanick dürften zusammen die Deregulierung von Fahr- und Taxidiensten sowie selbstfahrender Autos einbringen und damit bei Trump auf deutlich mehr Wohlwollen stoßen als mit Klimathemen.

Ebenfalls bei dem Treffen anwesend war der aus Deutschland stammende Milliardär Peter Thiel, Mitbegründer des Online-Bezahldienstes PayPal und ein früherer Investor bei Facebook. Während des Wahlkampfs war er im kalifornischen Silicon Valley eine einsame Ausnahme, indem er Trump unterstützte. Der Immobilienmogul dankte Thiel zum Auftakt des Treffens und pries ihn als einen „ganz besonderen Kerl“.

Nur ein für Trumps Erfolg nicht ganz unwichtiges Unternehmen blieb außen vor: Twitter-CEO Jack Dorsey war in New York nicht dabei. Laut US-Medienberichten wurde Twitter nicht eingeladen, da das Unternehmen Trump im Wahlkampf einen Gefallen verweigert hatte: Trumps Digital-Kampagnenmanager Gary Coby hatte mit Twitter einen Werbedeal vereinbart, um während der Fernsehdebatten der US-Präsidentschaftskandidaten gezielt Nachrichten auf Twitter zu verbreiten.

Wie ein beleidigter Fan

Ein Teil dieses Deals war, dass Twitter hinter jede Erwähnung des Stichworts #crookedhillary automatisch ein speziell designtes Emoticon platziert. Die kleine Minigrafik zeigte einen Geldsack mit Flügeln. Trumps Kampagne wollte so dem Schlachtruf „crooked Hillary“, mit dem er seiner Konkurrentin Hillary Clinton Korruption unterstellte, besondere Aufmerksamkeit verschaffen.

Anzeige
Twitter zeigte sich zunächst offen für den Werbedeal, Gary Coby veröffentlichte sogar die Entwürfe für den Emoticon-Geldsack. Doch kurz vor Veröffentlichung der Funktion zog das Twitter-Topmanagement, angeblich sogar CEO Jack Dorsey selbst, die Notbremse und sagte den Deal ab. Begründung: Einzelne Personen gezielt zu diffamieren widerspricht Twitters Geschäftsbedingungen.

Dass Trump nun Twitter von seiner Tech-Gesprächsrunde ausschloss, erscheint insbesondere angesichts seiner sonstigen Twitter-Affinität wie die Reaktion eines beleidigten Fans. Trump nutzt auch nach der Wahl seinen Twitter-Account mit über 17 Millionen Followern exzessiv, um seine Entscheidungen rund um die Machtübergabe in den USA zu kommentieren oder um politische Gegner zu diffamieren.

Diverse seiner kritischen Tweets etwa zu laufenden Rüstungsprogrammen ließen die Aktienkurse bei den beteiligten US-Firmen Boeing und Lockheed schon mal abstürzen.

Trumps Berater Sean Spicer wollte das mit der beleidigten Leberwurst aber nicht stehen lassen. Twitter sei nicht dabei gewesen, weil die Firma schlicht zu klein sei. Die Anzahl der Plätze bei dem Treffen sei limitiert gewesen: „Der Konferenztisch ist nicht riesig“, sagte Spicer. Das aber hinderte Trump nicht daran, Platz für seine drei Kinder zu finden, die die Leitung seines Konzerns für die Zeit der Präsidentschaft übernehmen – und deswegen eigentlich keinen politischen Einfluss mehr nehmen sollen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Die Welt.

Bild: Drew Angerer