Egal, mit welchem Experten man spricht, man bekommt immer die gleiche Antwort. Dem Elektromotor gehört die Zukunft. Die Frage, was den E-Motor antreibt wird sich klären. Der Verbrennungsmotor dient vielleicht noch ein paar Jahre zur Reichweitenverlängerung, aber mehr auch nicht. Das dachte sich vermutlich auch die Bundeskanzlerin, als sie 2010 das Ziel von einer Millionen E-Autos auf deutschen Straßen im Jahr 2020 ausgab. Stand 1. Januar 2015 rollen laut Kraftfahrtzeugbundesamt gerade einmal 18.948 rein elektrische Autos lautlos über die Strassen. Dagegen stehen: 29.837.614 Benziner und 13.861.404 Diesel-Fahrzeuge. Auch beim Anteil der Neuzulassungen sieht es schlecht aus. 2014 betrug der Anteil alternativer Antriebe nur 1,4 Prozent. Und da waren die ganzen Hybride schon mitgerechnet.

Es ist aber auch schwer. Wo soll sie denn herkommen, die viersitzige, geräumige, schnelle Limousine mit reinem E-Antrieb, die über eine einigermaßen vernünftige Reichweite verfügt? Ach so, die ist ja schon da. Tesla hat mit dem Model S ein solches Auto im Programm. Zugegeben, recht happige 75.800 Euro kostet das Einsteigermodell Tesla S, aber das scheint nur wenige zu stören. 2014 verkaufte Tesla ohne vernünftige Händlerstruktur in Deutschland 817 Autos. Zum Vergleich: Ferrari setzte 652 Wagen ab, Infiniti 1015 und Lexus 1328. Und BMW verkaufte von der gesamten 7-er Reihe 2.143 Stück. Tesla ist schon längst auf dem deutschen Markt angekommen und klaut den etablierten Herstellern die Early Adopter mit dicker Geldbörse.

Das ist ziemlich peinlich für die deutsche Autowirtschaft. Da kommt ein Mensch, der keine Ahnung vom Autobau hat, und baut innerhalb von 12 Jahren ein Auto, dem man nichts, aber auch wirklich gar nichts entgegen zu setzen hat. Denn mal ehrlich, wer will für einen VW e-Golf mit 150 Kilometer Reichweite in der Basisversion 35.000 Euro ausgeben, wenn man den Akku nicht mal schnell laden kann?

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Elon Musk baut eine hübsch anzusehende Limousine und bei den deutschen Herstellern kann man sich zwischen irgendetwas Golf-artigen oder den nur als schrecklichen Design-Unfall zu verstehenden BMW i3 entscheiden. Letzterer verkauft sich so schlecht, dass BMW ihn jetzt in die DriveNow-Flotte abschiebt. Das hätte man ahnen können, denn wenn man sich nur ein bisschen in der Geschichte des Automobils auskennt, dann weiß man, dass revolutionäre Technik sich auch nur dann verkauft, wenn man sie gut verpackt. Die Amis haben Tesla, wie den i3. Eigentlich ein No-Brainer, aber offenbar nicht so in München.

Immerhin – der BMW i8 ist ein stilistisches Highlight. Aber er ist eben nur ein schlechter Hybrid mit 30 (!) Kilometer reiner E-Reichweite (der Passat GTE hat 50km), einem 3-Zylinder Motor und Fahrleistungen, über die Tesla S P85D Fahrer nur lachen können. Dafür zahlt man bei BMW dann aber auch 150.000 Euro, also rund 50.000 Euro mehr, als für das Spitzenmodell von Tesla. Demnächst soll dann der neue Audi R8 e-tron kommen. Schneller als der Tesla, 450 Kilometer Reichweite, dafür aber nur zwei Sitzplätze und sicherlich nicht für einen Preis von unter 200.000 Euro.

Es ist komplett unverständlich. Wie kann Elon Musk ein solches Auto bauen und wie kann die gesamte deutsche Autoindustrie seit 2012 daran scheitern, den Tesla wenigstens zu kopieren? Die Hersteller können noch froh sein, dass es nicht eine bekannte und etablierte Marke ist, die da auf den Markt drängt. Kaum auszudenken, wenn Jaguar für den Type F den Antriebsstrang von Tesla einkauft. Oder wie wäre es mit einem Ford Mustang Cabrio mit dem Antrieb des Tesla für 45.000 Euro? Vielleicht fehlt aber auch genau dieser Druck, damit die deutschen Hersteller endlich mal aufwachen. Zeit wird es jedenfalls.

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Der neue Audi R8 e-tron soll dem Tesla Model S Konkurrenz machen. Die Reichweite von 450 km stimmt schon mal. Bild: Audi AG

Bild: Audi AG, BMW AG, VW AG, Tesla Motors, Gründerszene