Das Lohnniveau bei Tesla Grohmann Automation liegt etwa 25 bis 30 Prozent unter dem Tarifgehalt

Dem amerikanischen Elektroautobauer Tesla droht ein Streik bei der vor wenigen Monaten übernommenen Automatisierungssparte Tesla Grohmann Automation im rheinland-pfälzischen Prüm. Die Gewerkschaft IG Metall hatte die Aufnahme von Tarifverhandlungen gefordert. „Wir haben vom Unternehmen eine nicht zufriedenstellende Antwort bekommen“, sagte Patrick Georg von der zuständigen IG Metall Trier der „Welt am Sonntag“.

Tesla spiele auf Zeit. „Wir prüfen nächste Woche, ob Streiks möglich sind“, sagte Georg. Die in Deutschland gefertigten Maschinen sind wichtig für die Produktion des geplanten Model 3, die im Juli anlaufen soll.

Die IG Metall fordert die Übernahme des Tarifvertrages für die Metallindustrie sowie einen „Zukunftssicherungsvertrag“. Derzeit liege das Lohnniveau bei Tesla Grohmann Automation etwa 25 bis 30 Prozent unter dem Tarifgehalt, sagte der Vorsitzende des Betriebsrates, Uwe Herzig. Ein Angebot von Tesla, den Lohn aller Mitarbeiter um 150 Euro monatlich zu erhöhen, reiche nicht aus.

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Der Firmengründer ging überraschend

Zudem seien viele Mitarbeiter verunsichert, weil Tesla entgegen früherer Zusagen alle Aufträge anderer Kunden abgebrochen habe, sagte Betriebsrat Herzig. Künftig soll in Prüm ausschließlich für Tesla gefertigt werden. „Was ist, wenn die Wette auf das Elektroauto schiefgeht?“, fragte Herzig im Gespräch mit der Zeitung.

Die Arbeitnehmer vermuten, dass auch der Gründer Klaus Grohmann das Unternehmen wegen dieses Strategiewechsels entgegen früherer Ankündigungen verlassen hat. „Ich kann mir gut vorstellen, dass er diesen Weg nicht mitgehen wollte“, sagte Herzig.

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„Angesichts der Veränderung, sich ausschließlich auf Tesla-Projekte zu konzentrieren, haben wir einvernehmlich entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt ist, um die nächste Management-Generation führen zu lassen“, teilt Tesla auf Anfrage der Welt am Sonntag mit. Grohmann war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Tesla will auch mit Aktien entlohnen

Tesla teilte mit, dass man an guten Beziehungen zu den Mitarbeitern interessiert sei. „Wir wollen in Prüm signifikant wachsen und verstehen, dass wir wettbewerbsfähige Löhne zahlen müssen, um das zu erreichen.“ Man arbeite daran, „dass jeder bei Tesla Grohmann Automation fair und wettbewerbsfähig über dem Branchenniveau bezahlt wird“.

Dafür wolle man die Mitarbeiter neben ihrem Gehalt mit Aktien entlohnen. Tesla sei davon überzeugt, „dass es wichtig ist, eine offene direkte Beziehung zu unseren Mitarbeitern zu haben“.

Tesla hatte im vergangenen November angekündigt, Grohmann Engineering vollständig zu übernehmen. Zum Kaufpreis war Stillschweigen vereinbart worden. Nach Informationen der Welt am Sonntag zahlte Tesla 150 Millionen Dollar für das deutsche Unternehmen. Das geht aus inzwischen veröffentlichten Börsendokumenten hervor.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Gettyimages / Spencer Platt