Die gut geölte Marketingmaschinerie von HelloFresh hat mich in den vergangenen Wochen verfolgt. Ein Stand am Berliner Hauptbahnhof, Gutscheine bei Bestellungen im Netz und überall Online-Werbung. Und dann lief auch noch die Nachricht der neuen Finanzierungsrunde über den Ticker. Es folgte eine ausgiebige Berichterstattung über das Rocket-Venture mit der Milliarden-Bewertung.

Über die Abo-Boxen selbst konnte ich in dem Nachrichtenrauschen dagegen wenig lesen. Aus meinem Freundeskreis kenne ich auch niemanden, der sich das abgepackte Essen nach Hause schicken lässt. So krame ich einen HelloFresh-Gutschein aus der Schublade – und lege los.

Die Anmeldung

Nach einer unkomplizierten Anmeldung entscheide ich mich für die Veggie-Box. Von Dienstag bis Freitag kann ich mir das Essen liefern lassen. Alle Änderungswünsche für die kommende Woche muss ich mit einer halben Woche Vorlauf vermerken – ansonsten gibt’s keine Box.

Das Essen

Am nächsten Dienstagabend öffne ich also meine erste Abo-Box: Unzählige Verpackungen mit Paprika, Tomaten, Möhren, Fetakäse fallen mir entgegen. Wie in einem Baukasten sind genau die Zutaten für drei Gerichte à zwei Portionen enthalten. Sogar die Gewürze sind extra in Grammtüten verpackt, den Parmesan-Käse gibt es in einer 20-Gramm-Portion.

Für die Zutaten liegen drei Rezepte im Paket: Grünes Clubsandwich mit selbstgemachtem Hummus, gefüllte Ofen-Paprika mit Kräuter-Couscous und Fettucine mit Brokkoli-Pesto. Alles Gerichte, die nicht in meinem eingeschränkten Koch-Repertoire enthalten sind.

So sahen die Zutaten und fertigen Gerichte am Ende aus.

Die Zutaten haben eine gute Qualität. Ein paar der Produkte wie der Kefir-Joghurt tragen sogar ein Bioland-Siegel. Andere Produkte aus der Box sind dagegen nicht biologisch herstellt. Mir persönlich ist das nicht so wichtig, deswegen stört mich der Mix nicht. Etwas inkonsequent ist die Zusammenstellung aus Bio-Produkten und herkömmlichen Lebensmitteln allerdings schon.

Es hat mir Spaß gemacht, mit den Zutaten von HelloFresh zu kochen, obwohl ich mich nicht als besonders leidenschaftlichen Koch bezeichnen würde. Ich stelle mich sonst nicht in die Küche und mache Hummus selber. Oder Pesto aus Brokkoli. Also hat HelloFresh seinen Job gut erledigt – wäre da nicht der Preis.

Der Preis

Ohne einen Gutschein kostet die Box 39,90 Euro, das sind etwa sieben Euro pro Portion. Geht es um die Preise, ist das Paket eine Blackbox. Ich frage mich: Ist das jetzt viel oder wenig, billig oder teuer? Das Startup selbst kommt schnell zu dem Schluss, dass sich die Preise „durchaus sehen lassen können“, wie es auf seiner Homepage schreibt. Dafür haben die HelloFresh-Leute ihre Produkte in einem Supermarkt nachgekauft. So kam heraus – Überraschung! – HelloFresh ist mit 40 Euro günstiger.

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Schlecht schnitt der Supermarkt Kaiser’s ab. Die Waren seien dort mehr als zehn Euro teurer, schreibt das Startup. Um dem Marketing nicht auf den Leim zu gehen, habe ich die Produkte meiner Box ebenfalls nachgekauft. Beim Kaiser’s um die Ecke. Das Ergebnis hat mich dann doch etwas stutzig gemacht hat. Trotz größerer Packungen kam ich beim Einkauf auf etwa 50 Euro. Sobald ich die Produktpreise auf ihre jeweiligen Größen herunter gerechnet hatte, kam ich auf einen Preis von etwas mehr als 20 Euro. Hier habe ich den Preisvergleich aufgeschlüsselt.

Mir ist klar, dass bei HelloFresh Lieferkosten anfallen und kleinere Portionen im Durchschnitt teurer sind. Es kostet auch Geld, die Rezepte zu entwickeln. Doch mir die Box als große Ersparnis zu verkaufen, ist schon frech. Natürlich, meine Berechnung bezieht sich nur auf eine Box. Aber die Beispielrechnung von HelloFresh ebenfalls. Ich fühle mich als Verbraucher hintergangen.

Der Abfall

Nach den drei Gerichten packe ich den Müll wieder in den Karton, er ist randvoll. Die Umwelt schone ich mit dieser Kiste auf jeden Fall nicht. Was natürlich auch an den vielen kleinen abgepackten Zutaten liegt. Zumindest bietet das Startup an, das Kühlmaterial wie Wolle oder Kühlakkus kostenlos zurückzuschicken. Dafür muss sich allerdings erst der Abfall von fünf Boxen ansammeln.

Das Fazit

Ich kann mir vorstellen, irgendwann noch einmal mit HelloFresh zu kochen. Über die Homepage kann ich den Service bequem kündigen oder pausieren lassen. Um es mir jede Woche zu bestellen, ist mir der Service einfach zu teuer – und das Gemüse, wie etwa die Bohnen in meinem Paket, werden zu schnell schlecht.

Dass sich HelloFresh selber als günstige Variante im Vergleich zum Supermarkt um die Ecke präsentiert, finde ich ein Unding. Wenn das Startup so eine Beispielrechnung auf seine Seite stellt, müssen die Werte bei jeder Lieferung ungefähr übereinstimmen. Zum Glück habe ich durch meinen Gutschein nur etwa 20 Euro bezahlt.

So sahen die Zutaten und die fertigen Gerichte aus – und der Müll:

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Die Lebensmittel für die „herzhaft gefüllte Ofen-Paprika mit Kräuter-Couscous und Harissa-Kefirsoße“. Schwierigkeitsstufe: zwei von drei. Geplante Kochzeit: 40 Minuten.

Bilder: Caspar Tobias Schlenk, Michael Berger