The Social Network, Facebook-Film, David Fincher, Rezension

Nicht nur in der StartUp-Szene wurde er heiß diskutiert – „The Social Network“, David Finchers Film über die Entstehungsgeschichte von Facebook, ist in aller Munde. Gründerszene wollte wissen, was dran ist an den Geschichten über den Film und so ist Ende letzter Woche gleich die ganze Redaktion im Kinosessel gelandet. Eine Rezension.    

Darüber, dass Facebook eine der Geschäftsideen des neuen Jahrtausends ist, dürfte sich der Großteil der Gründerszene-Leser einig sein. Für alle Skeptiker hier eine einzige Zahl: 535.241.640. Fünfhundertfünfunddreißig Millionen. So viele User hat das soziale Netzwerk heute. Dass sich mit so einer Anhängerschaft auch Geld verdienen lässt, scheint fast selbstverständlich. Erst kürzlich hat Mark Zuckerberg, der 26-jährige Gründer und Vorstandsvorsitzende von Facebook, auf der Liste der 400 reichsten US-Amerikaner den Apple-CEO Steve Jobs überholt – mit einem Privatvermögen von 6,9 Milliarden US-Dollar. Damit ist er der jüngste Milliardär der Welt.

Und trotzdem: Über Dell oder Apple gab es bisher auch keinen Film, geschweige denn zu Google – bietet Facebook genug Futter für einen Kinoerfolg? Allein der Name dürfte hier sicherlich ziehen und mit David Fincher („Fight Club“, „Alien 3“) ist auch nicht irgendwer im Regiestuhl zu finden. Was kann also der Facebook-Film?

Bietet das Leben eines 26-jährigen Milliardärs genug Stoff für 121 Minuten Film?

Die Vermutung liegt nahe, dass man eine abgedroschene Aufstiegsstory eines beinahe-noch-Teenagers, gewürzt mit viel Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll aufgetischt bekommt. Weit gefehlt. David Fincher hat es geschafft, aus der Story einen Film zu machen, der über zwei Stunden tatsächlich spannend bleibt. Die Handlung ist schnell erzählt (Achtung Spoiling-Gefahr):

Im Jahr 2003 ist Mark Zuckerberg noch ein 19-jähriger Student an der Harvard University. Ein Nerd, ein Nobody, der zusammen mit seinem einzigen Freund Eduardo Saverin davon träumt, in einem der legendären Final Clubs von Harvard aufgenommen zu werden. Nach einem ziemlich verpatzten Date mit einem Mädchen sitzt Zuckerberg vor seinem Rechner im Wohnheim und programmiert wie im Wahn die Website „Facemash“, auf der das Aussehen von Studentinnen verglichen und bewertet werden kann – anhand von gehackten Daten vom Harvard-Server.

Dieser Racheakt bringt Zuckerberg neben viel Ärger auch die Aufmerksamkeit der Brüder Cameron und Tyler Winklevoss ein, Sprösslinge einer reichen amerikanischen Familie, ebenfalls Studenten in Harvard und viel versprechendes Duo im Ruderteam. Die zwei wollen zusammen mit ihrem Geschäftspartner Divya Narendra eine Plattform für Studenten schaffen, „HarvardConnection“, die es erleichtert online miteinander in Kontakt zu treten, vor allem um zu flirten.

Zuckerberg willigt ein und gibt vor, sich an die Arbeit zu machen. In einem 40-tägigen Marathon programmiert er dann eine ähnliche Plattform, „The Facebook“, mit eigenem Quellcode und angepasst an seine Vorstellungen. Die eigentlichen Auftraggeber hält er mit Ausreden hin, und so müssen diese erstaunt dabei zusehen, wie The Facebook nach wenigen Wochen an den Start geht – und ein voller Erfolg wird. Zuckerberg holt seinen besten Freund mit an Bord und kauft mit dessen Geld weiteren Serverplatz, dafür wird dieser mit 30 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt und soll zukünftig die Monetarisierung der Plattform voran bringen.

Doch dazu kommt es nicht. Denn während Saverin in New York Klinken putzt, um Werbepartner für The Facebook zu finden, sitzt Zuckerberg im kalifornischen Palo Alto und knüpft neue Kontakte. Er lernt Sean Parker kennen, der als Gründer von Napster Ahnung von Internet StartUps hat und das Potenzial von The Facebook wittert. Der steigt mit ein, zieht den ersten Venture-Capital-Geber an Land, das „The“ im Namen fällt und mit 500.000 Dollar geht Facebook auf Erfolgskurs. Als Saverin dann dazu stößt, geht der Ärger richtig los. Nicht nur kann er Sean Parker nicht leiden, er muss auch feststellen, dass dieser ihn aus der Firma gedrängt und seine ursprüngliche Beteiligung auf 0,03 Prozent zusammengeschrumpft hat.

Wie aus Freunden Feinde werden

Letztendlich treffen im Gerichtssaal dann alle vier als Kläger auf Mark Zuckerberg, und versuchen ihm nachzuweisen, dass sie von ihm betrogen und hintergangen wurden.  Der ganze Film wird von David Fincher um dieses Ereignis gebaut: Immer wieder macht die Handlung Zeitsprünge, switcht von den Anfängen im Wohnheim zu dem Prozess zwischen Zuckerberg und den Gebrüdern Winklevoss, dann in die brummende Zentrale von dem mittlerweile groß gewordenen Unternehmen Facebook, und danach zu dem Prozess zwischen Saverin und Zuckerberg.

In den zwei Prozessen wird anhand von E-Mails und Berichten sowohl seines (ehemals) besten Freundes als auch seiner anderen Ankläger ein trauriges Bild von dem „Genie“ Mark Zuckerberg gezeichnet. Am Ende des Films nimmt man ihn als einen fast schon autistischen, aber in jeden Falle soziopathischen Kerl wahr, der – unbeliebt wie er war – in dem Projekt Facebook seine Chance gesehen hat, es allen heimzuzahlen: Den Mädels die ihn nie mochten und auch den gut aussehenden Sportlertypen, die seine Programmierfähigkeiten benutzen wollten, um ihre eigene Datingplattform aufzubauen.

Dass er dafür sogar seinen einzigen Freund hinter sich lässt, in dem er nur noch ein Hindernis für den Aufbau seines Sozialen Netzwerkes sieht, ist wohl Ironie des Schicksals. So steht Zuckerberg am Ende ziemlich alleine da, trotz großem Erfolg und sicherlich vieler virtueller „Freunde“. Einen gewissen Charme entwickelt er mit geekigem Humor dennoch und als Gründungs-affiner Mensch brennt es einem nach dem Film quasi unter den Fingern, selbst the „Next Big Thing“ im deutschen Web zu entwickeln.

„Es liegt nicht daran, dass du ein Nerd bist. Es liegt daran, dass du ein Arschloch bist.“

Ob er im wahren Leben wirklich so ein egozentrisches Arschloch ist, wie sein Date es ihm in der Anfangsszene des Films an den Kopf wirft, wissen wohl nur die wenigsten. Auffällig ist aber, dass charakterlich eigentlich niemand gut davon kommt, außer einer: Eduardo Saverin. Und auf dessen Aussagen ist zufälligerweise auch das Buch „Milliardär per Zufall“ von Ben Mezrich entstanden, das eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Drehbuchs von The Social Network gespielt haben soll.

Wer auch immer hier wem auf den Schlips getreten ist, eines steht fest – finanziell ist niemand wirklich schlecht aus der Sache rausgegangen. Mit den Winklevoss‘ und Divya Narendra hat sich Mark Zuckerberg auf einen Vergleich in Höhe von 65 Millionen US-Dollar geeinigt, und Eduardo Saverin wurden fünf Prozent der Anteile an Facebook zugesprochen – was in etwa 1,15 Milliarden Dollar entspricht und ihn damit auf Platz 356 der aktuellen Forbes 400 hieft.

Den Weg dorthin können Zuschauer unterhaltsam in 121 Minuten Celluloid-Material verfolgen: „The Social Network“ ist seit Donnerstag in den deutschen Kinos – sehenswert!

Andere spannende StartUp-Verfilmungen:

  • Zwischen Toilettenvideos und Management-Karussel – die StudiVZ-Story
  • Gegen die Wand 2 (Brands4Friends)
  • Clone Wars XI: Hire and Fire (Teil 11 der Hendekalogie zu CityDeal)
  • Nicht Auflegen 2 (Jamba!)
  • Fuckrs (Sexpartnerclub)