Thermondo-Gründer und Ex-Profi-Basketballer Philipp Pausder auf einem Berliner Freiplatz mit unserer Gründerszene-Redakteurin

Ein Schritt, ein Sprung, der Hakenwurf sitzt. „You can’t beat, what you can’t catch!“, ruft Philipp Pausder mir zu. Du kannst nicht besiegen, was du nicht aufhalten kannst. Sein Lieblingssatz war das früher beim Basketball. Er stammt aus einer Werbung für Converse-Schuhe mit NBA-Star Larry Johnson aus dem Jahr 1994.

Stimmt. Es hilft nicht, dass ich meine Arme nach oben strecke und ambitioniert auf und ab hüpfe. An den Ball komme ich nicht ran. Pausder ist zwei Meter groß, 35 Zentimeter größer als ich – ein ungleiches Spiel. Allerdings nicht nur der Größe wegen. Pausder, der 2013 das Startup Thermondo gründete, hat einige Jahre im Profi-Basketball hinter sich. Ich habe es nur bis in die Oberliga geschafft. Auf dem Freiplatz in Berlin Mitte ist Pausder in seinem Element, er brennt für den Ball. „Das letzte Mal habe ich im August im Urlaub Basketball gespielt“, erzählt der 40-Jährige. „Jetzt, wenn ich wieder auf dem Platz stehe, frage ich mich, warum ich das nicht jede Woche mache!“

Der Algorithmus heißt Manfred

Die Antwort ist einfach: Er hat keine Zeit. „Das Problem ist, dass ich gar keinen Sport mehr mache“, sagt Pausder lachend. „Meine Frau ist auch Gründerin, und wir haben drei Kinder. Ich bin froh, wenn ich zum Schlafen komme.“ Außerdem hat er in seinem jungen Unternehmen genug zu tun.

Mit Thermondo will Pausder den Heizungsmarkt digitalisieren. Über die Webseite des Startups können Kunden Angebote für neue Heizungen einholen und sie bestellen. Dafür füllen sie zunächst einen Fragebogen mit 15 Punkten aus. Aus der Datenbank mit Gas- und Ölheizungen sowie Solarthermie werden dann passende Angebote angezeigt. Bestellt der Kunde, montieren die bei Thermondo angestellten Handwerksmeister die Heizung in den nächsten zwei bis vier Wochen. „Normalerweise hat man in dieser Zeit noch nicht einmal ein Angebot bekommen“, sagt Pausder zwischen zwei Würfen.

Pausder beim Dunking

Auch für die Handwerker soll das System einiges erleichtern: Hat der Kunde bestellt, liefert ein Algorithmus die Liste mit allen notwendigen Materialien, die nur noch von einem Meister abgenommen werden muss. Das spart Zeit. Auf der Baustelle scannen die Installateure verbrauchte Materialien per App. Pausder erklärt: „So lernt die Software, und wir müssen kein Lager unterhalten. Das Bestellwesen wird angepasst, die Materialien ,in time‘ zur Baustelle geliefert.“ Der Algorithmus heißt übrigens Manfred.

Vom Online-Marktplatz zum Handwerksbetrieb

So elaboriert war Thermondo 2012 noch nicht, die Idee war zunächst eine andere: Die Firma sollte ein Online-Marktplatz für Heizungen sein. Im August des folgenden Jahres wurde das Startup dann zum Handwerksbetrieb und erweiterte das Geschäft. Mit dem neuen Konzept ist das Unternehmen schnell gewachsen: Bei der Gründung im Oktober 2012 bestand das Thermondo-Team noch aus Pausder, seinen beiden Mitgründern Florian Tetzlaff und Kristofer Fichtner sowie einem Werksstudenten. Mittlerweile hat das Startup 190 Mitarbeiter. 75 davon arbeiten in Berlin, der Rest ist auf 14 deutsche Standorte verteilt, zum Beispiel Stuttgart oder Frankfurt.

Außerhalb der Hauptstadt beschäftigt Thermondo vor allem Handwerker, die Heizungen bei den Kunden montieren. Das Startup gibt an, 2014 ein monatliches Wachstum von 30 Prozent verzeichnet zu haben. 2015 sei man insgesamt um mehr als 350 Prozent gewachsen, so Pausder. Eine riesige Vergrößerung – wie schafft man es, die zu managen? „Da knarzt es natürlich an der einen oder anderen Ecke. Bewältigen kann man das nur, wenn man die Integration des neuen Personals ernst nimmt. Sehr ernst. Schließlich sollen sich die Mitarbeiter an den anderen Standorten in Deutschland genauso zugehörig fühlen wie die Angestellten in Berlin.“

Eine weitere Herausforderung ist die für Startups unübliche tiefe, vertikale Integration. Es ist selten, dass ein Startup so viele Schritte seines Geschäfts selbst übernimmt und wie Thermondo nicht nur eine Online-Plattform baut, sondern eigens Handwerker anstellt. Ein Beispiel zum Vergleich: Das Berliner Startup Helpling, das Reinigungskräfte an Haushalte vermittelt, arbeitet lediglich mit freien Putzmännern und -frauen zusammen.

Kapital für die Entwicklung des Geschäfts hat Thermondo von verschiedenen Investoren bekommen: In der jüngsten Finanzierungsrunde im April 2015 sind sechs Millionen Euro in das Startup geflossen. Im September 2014 war von mehreren Millionen die Rede, die genaue Summe verrät Thermondo nicht. Beteiligt haben sich Geldgeber wie der Fonds „Global Founders Capital“, der dem Berliner Konzern Rocket Internet gehört, sowie der Risikokapitalgeber Holtzbrinck Ventures und der Energieriese E.on, der gleich 20 Prozent der Firma übernommen hat.

Teil 2 auf der nächsten Seite: „Jeder muss mitziehen“

Das sind die Top Ten des Gründerszene-Rankings:

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1. Platz: Das Berliner Startup KW-Commerce verkauft Elektronikzubehör. Die Studienfreunde Jens Wasel (links) und Max Kronberg haben das Unternehmen 2012 gegründet. Wachstumsrate: 2.307 Prozent.

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