Tiadora, Tante, Patentante, Onlineshop, Neffe, Nichte

Die eigene Geschäftsidee vor potenziellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Tiadora (www.tiadora.de).

Wer seid ihr und was macht ihr?

Tiadora ist die erste deutsch-sprachige Community-Plattform für Tanten und Patentanten, die eine liebevolle Beziehung zu ihren Neffen und Nichten auf- und ausbauen wollen. Was kann ich Sinnvolles zur Geburt oder zum Geburtstag schenken? Was könnten wir zusammen unternehmen? Welche Rolle habe ich als Patentante und was macht mich einzigartig? Tiadora gibt auf alle Tanten-Fragen Antwort und ist damit ganz neu, ganz anders und in Deutschland bisher einzigartig.

Die Online-Plattform tiadora.de besteht aus drei Bereichen: Einem hochwertigen Online-Geschenke-Shop mit ausgefallenen und Zielgruppen-gerechten Geschenken sowie einem praktischen Geschenkefinder, einem quicklebendigen Magazin mit spannenden Erfahrungsberichten über das Verhältnis zwischen Tanten, Nichten und Neffen. Hier gibt es auch zahlreiche Tipps für kurzweilige und inspirierende Freizeitaktivitäten. Hinter dem Magazin steht die Tiadora-Chefredaktion, beständig auf der Suche nach Experten, um praktische Anregungen und lesenswerte Unterhaltung zu bieten. Und einem Forum zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch untereinander. Auch hier dreht sich vieles um für Tanten relevante Themen. Das Forum ist ein Ort für Interaktion und erstklassige Anregungen.

Wir sind Tina und Jens Kottmann, im Leben und im Beruf ein eingespieltes Team. Mit viel Leidenschaft und Begeisterung haben wir Tiadora im Oktober 2010 gegründet und sind seit Ende 2011 mit der neuen Plattform online. Hinter Tiadora steckt die WestfaliCum GmbH & Co KG (wir kommen aus und leben in Westfalen), die Tiadora als Marke betreibt.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf eure Idee gestoßen?

Uns trieb die Idee an, den Weg in die Selbständigkeit einzuschlagen. Nach über zwölf Jahren Managementerfahrung in Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann war es an der Zeit, diesen Schritt zu gehen. Zunächst haben wir zwei andere Modelle beleuchtet, diese nach Machbarkeitsstudien aber ad acta gelegt. Tina stieß dann auf savvyauntie.com, eine US-amerikanische Seite mit ähnlicher Ausrichtung. Nach eingehender Analyse haben wir deutliche Anpassungen für den deutschsprachigen Raum vorgenommen: Wir fokussieren uns beispielsweise nicht nur auf kinderlose Tanten, und die Onkel dürfen selbstverständlich auch bei uns einkaufen. Und wir vermitteln potenzielle Käufer nicht an Affiliates, sondern verkaufen selbst.

Sehr spannend in der Recherche-Phase waren die Brainstorming-Runden, die wir im Freundeskreis aber auch mit uns unbekannten Freunden von Freunden durchgeführt haben. Um die Sicht der Kinder, Nichten, Neffen mit aufzunehmen, gab es auch spezielle Brainstorming-Runden für Kids und Teens. Dabei entstand Tiadora – schon fast in der heutigen Version. Der Name ist übrigens eine Verbindung aus dem spanischen „tia“ für „Tante“ und dem griechischen „doron“ für „Gabe, Geschenk“.

Unsere Vision: Wir möchten Tiadora mittelfristig als Marke etablieren, zu der die Kundinnen Vertrauen aufbauen und die sie als langjährige Begleiterin betrachten. So wie die Neffen und Nichten mitwachsen, wachsen auch wir mit der Beziehung der Tante mit. In Zukunft ist zum Beispiel ein Katalog nicht ausgeschlossen. Im nächsten Schritt können die Kundinnen und Kunden dann auch Produkte für sich selbst entdecken.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Gegründet wurde Tiadora von Tina und Jens Kottmann, wie schon gesagt, im Leben und im Beruf ein eingespieltes Team. Tina hat sich nach ihrem Studium (Sport und Biologie) zunächst um ihre Tochter gekümmert. Der liebevolle Umgang mit Kindern und ihrer Begeisterungsfähigkeit für sportliches Engagement ließ sie in unterschiedlichsten Formen für Kinder in Schule und Sport arbeiten. Als Chief Excitement Offizier ist sie ständig auf der Suche nach den besten Geschenkideen und verantwortet die Content-Sparte innerhalb der Tiadora-Site. Jens ist der Fels in der Brandung der weiblichen Team-Übermacht. Aufbauend auf einem BWL-Studium bringt er umfangreiche Management-und Führungs-Erfahrung aus mehr als zwölf Jahren in einem Medien-Konzern in den Aufbau von Tiadora ein. Er setzt die strategische Ausrichtung um, schafft kaufmännische Strukturen und sorgt für optimierte Abläufe.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Neu an Tiadora ist, dass wir Frauen speziell in ihrer Rolle als Tante oder Patentante sehen. Wer Tante ist, weiß, wie besonders das Verhältnis zu Neffen und Nichten ist und wie viele Gedanken und Überlegungen man anstellt, um dieser Rolle gerecht zu werden. Genau diese Zielgruppe findet auf Tiadora sorgfältig recherchierte und journalistisch gut aufbereitete Inhalte (wie Ratschläge, Empfehlungen und Hilfen). Parallel dazu finden die User(innen) mit Liebe und Sorgfalt ausgesuchte Produkte. Das Angebotsportfolio, das im Moment stark ausgebaut wird, bietet einen bunten Strauß aus bekannten, prestigeträchtigen sowie besonderen, Design-orientierten und kleineren Manufaktur-Marken.

Die Produkte im Geschenke-Shop werden hinsichtlich Qualität, Alltagstauglichkeit, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Design ausgewählt. Detaillierte Produktpräsentationen, eine durchdachte Navigation und ein spezieller Geschenke-Finder machen die Produktsuche schnell und effektiv. Egal ob zielgerichtete Suche oder interessiertes Stöbern – die Kunden bekommen ein wahres Einkaufserlebnis gepaart mit einem hohen Grad an Benutzerfreundlichkeit. Beim Geschenke-Finder kann unter anderem nach verschiedenen Persönlichkeiten von Kindern und nach pädagogischen Lernzwecken Gesucht werden.

Die Kombination aus Shop und inhaltlichem Angebot (besondere Dinge für Tanten, die Freude bereiten!) sowie deren zielgruppenspezifischer Zuschnitt stellen den Tiadora-USP dar.
In vielen Fällen wurden die Fans auf Facebook in den Entscheidungsprozess eingebunden und ihre Ideen und Anregungen aufgenommen.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Der hohen Wachstumsdynamik im Internet verschließt sich auch die Spielwarenbranche nicht. Im Gegenteil: Sie trotzt der Wirtschaftskrise und wuchs im Jahr 2009 um fünf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, was den höchsten Zuwachs seit 20 Jahren darstellt. Innerhalb dieser Branche stellt der Bereich Babyspielzeug (0 bis 23 Monate), als eines von mehreren Marktsegmenten für Tiadora, einen Markt mit großem Umsatzpotenzial dar. In Deutschland macht der Umsatz für Spielwaren der bis Zweijährigen nur rund ein Sechstel aus, in Großbritannien oder Frankreich ist dies bereits rund ein Viertel.

Darüber hinaus sind in Deutschland die Aussichten trotz rückläufiger, in den Jahren 2007 bis 2008 stagnierender, Geburtenrate im Bereich Spielwaren gut, da für jedes Kind immer mehr Geld für Spielwaren ausgegeben wird. Dies bedeutet nicht zwangsläufig ein „mehr an Produkten“, sondern eine Ausrichtung auf „Mehrwerte der Produkte“. So rücken die Qualität und die Sicherheit der Spielwaren, aber auch Aspekte der Nachhaltigkeit stärker in den Fokus der Konsumenten: Die Käufer sind sich zunehmend ihrer ökologischen und auch ihrer sozialen Verantwortung bewusst, so in Bezug auf die Herstellungsbedingungen von Spielwaren, beispielsweise in Entwicklungs- und Schwellenländern. Tiadora begegnet diesem nachhaltigkeitsgeprägten Kaufverhalten der Verbrauchen und Kunden.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Die Finanzierung erfolgt aus Eigenmitteln und einem kleineren Familiendarlehen. Um das geplante Wachstum zu finanzieren, wird ein Investor gesucht.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Neben einem Investor (siehe eben) suchen wir im Moment Unterstützung im Bereich Einkauf/Produktpflege sowie im Bereich Online-Marketing. Ein Büro haben wir Anfang des Jahres gefunden. Wir arbeiten in einer kreativen Umgebung mit Werbetreibenden, Filmproduktionen, Architekten, Fotografen und anderen.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Als Ideengeber fungiert Melanie Notkin, Gründerin von savvyauntie.com. Im Bereich Social-Media war uns Kristin Walther von Walthers Säfte eine große Unterstützung. Ansonsten sind Vorbilder für uns Menschen, die sich Problemen stellen, mit Ihnen umgehen, sie lösen und immer wieder Dinge in Frage stellen. Sogenannte kreative Unruhestifter.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Aus Deutschland gern Günter Faltin (Kopf schlägt Kapital) und Vanessa Kullmann, Balzac Coffee. Aus Amerika: Melanie Notkin.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Basierend auf einem nachhaltigen Umsatzanstieg haben wir bewiesen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert und die Kunden verstanden haben, dass wir Menschen begeistern wollen!