Es hat sich viel getan in den letzten Jahren. Es sind Accelerator-Programme aus dem Boden geschossen, haben sich vermehrt und verfestigt. Investitionen durch Business-Angels sind nicht nur häufiger, sondern auch finanzstärker geworden. Die Anzahl an erfahrenen Frühphasen-Investoren ist heute unglaublich. In allen Hauptstädten Europas gibt es Möglichkeiten zu Seed-Finanzierungen. London und Berlin sind dabei die neuen Hochburgen, in denen Milliarden von Euro in Startups fließen.

Was bedeutet das für Gründer? Ihr könnt mit Euren Möglichkeiten spielen und Eure Strategie entlang des Finanzierungszyklus aufbauen.

Ich richte meinen Blick hier nur auf das Fundraising, nicht auf die strategische Umsetzung. (Ich weiß, dass die am härtesten ist). Ich bin dabei absichtlich etwas unspezifisch und Ihr müsst Euch das Bild selbst ausmalen. Meiner Meinung nach ist das hier das Plain-Vanilla-Startup 2016 – Schritt für Schritt:

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Block-Bildung

Team: Wir würden mit zwei oder drei Gründern anfangen: Einem Programmierer und einem Designer/Entwickler. Ich wäre der Marketing-Mensch und Office-Manager und würde dafür sorgen, dass Geld auf dem Konto und Toilettenpapier auf dem Klo ist. Natürlich bekäme jeder den gleichen Anteil am Unternehmen.

Drei Menschen, zwei fürs Produkt, einer für den Rest.

Die Idee: Wir alle wissen, dass Ideen an sich keinen Wert haben. Wir alle haben eine Liste mit 50 großartigen Startup-Ideen zuhause und folgen der #requestforstartup-Diskussion auf Twitter. Wie auch immer. Lösungsorientierte Gründer sind die besten und wir könnten nur als Team zusammenarbeiten, wenn wir dasselbe Problem lösen wollten. Deshalb würden wir alle den ganzen Tag an dasselbe denken und könnten es nicht lassen, über dieses Eine nachzudenken, das uns reizt. Dieses. Verdammte. Problem. Nichts. Anderes.

Produkt-Design: Zwei bis drei Monate würden wir daran arbeiten, dieses Thema herauszukristallisieren. Am laufenden Band würden wir Prototypen entwerfen, alle ganz nah dran an der richtigen Lösung. Wir würden eine Menge ausprobieren und trotzdem in ein- und derselben Branche bleiben – dort, wo wir den Nutzer und die Business-Modelle verstehen und wissen, welche Probleme zu lösen sind. Zusammen mit einigen Leuten aus unserem Umfeld einmal auf den grünen Pfad gekommen, würden wir schnell den hässlichsten und schlechtesten Prototypen entwickeln, der unsere vagen Pläne erahnen ließe. Wir würden damit nach draußen gehen, um mindestens 1.000 Leute davon zu überzeugen.

Sorgt erst einmal für 1.000 Personen, die euer Produkt benutzen, bevor Ihr mit irgendwem sonst sprecht.

Angel-Finanzierung

Wir würden unser Netzwerk (und die Zeit von zwei bis drei Monaten) nutzen, um mit Investoren um uns herum in Kontakt zu treten. Wir würden sie nach Rat, Input, Kontakten und anderer Hilfestellung fragen. Das würde helfen zu spüren, mit wem wir gerne oder nicht so gerne zusammenarbeiten wollten. Wir würden Leute, mit denen wir schon früher zusammengearbeitet hätten von einer zunächst kleineren Investition überzeugen. Nur ein Einziger aus dem Team sollte fürs Fundraising zuständig sein. Das ist der größte Zeitfresser, der immer wieder unterschätzt wird.

In unserer ersten Runde sollten 100.000 bis 250.000 zusammenkommen, alles von Privatpersonen in 10.000-er- bis 50.000-er-Paketen. Wir würden Angebote für Anschubfinanzierungen und sogar VC-Finanzierungen ausschlagen, da wir Frühphasen-Investoren wollen würden, die sich um die investierte Summe Gedanken machen und die Gespräche über die nächste Runde nicht verzerren. Wir würden einen qualitativ hochwerten Accelerator in Erwägung ziehen, wenn uns das Programm zeitlich und örtlich passt.

Unsere Investoren wären aus ganz Europa, da wir beabsichtigen würden, ein national agierendes Unternehmen zu bauen. Und eine helfende Hand vor Ort ist immer gut. Wir hätten gerne einige Gründer an Bord, die ihren eigenen Exit gerade hinter sich haben und ein paar Veteranen.

Unsere Bewertung würde bei einer bis drei Millionen liegen und wir würden nicht mehr als 15 Prozent herausgeben. Idealerweise etwa zehn, um uns nicht zu sehr zu schwächen.

Eine kleine, private Investoren-Runde, kein institutionelles Kapital.

Gründung: Wir würden unser Unternehmen mit Standard-Dokumenten für wenig oder gar kein Geld gründen, zusammen mit einem freundlichen Juristen. Wir würden das in Großbritannien tun. Von dort aus kann man internationale Investoren ohne Scherereien gewinnen. Es wäre billig und einfach.

Gebt kein Geld für rechtlichen Schnick-Schnack aus. Gründet in Großbritannien.

Post-Finanzierungs-Sparsamkeit: Dann würden wir ein oder zwei weitere Entwickler einstellen und uns weiter auf unser Produkt konzentrieren. Ich würde wie verrückt herumrennen um Kunden zu gewinnen. Und wir würden alles so billig und effizient wie möglich gestalten: Wir würden unseren Nutzern den kompletten Service kostenlos anbieten und die Bezahl-Option erst dann einführen, wenn wir eine signifikante Verbesserung anbieten könnten. Wir würden entweder versuchen, kostenlose Büroplätze zu bekommen oder in Privatwohnungen arbeiten. Wir würden, sofern wir alle Single wären, an einem Ort gemeinsam wohnen und arbeiteten.

Okay, angenommen, wir wären alle erwachsen und verheiratet? Dann würden wir wir auf Kosten unserer Partner leben, so lange, wie wir könnten. Und wir würden jegliche Art von Zuwendungen und Beihilfen beanspruchen, die es gäbe.

Zusammengefasst: Das ist die Phase, in der alles billig sein muss und damit müsst Ihr Euch abfinden – für eine ganze Weile. Gebt bloß kein Geld aus, nur weil Ihr könntet. Jeder liebt angriffslustige Unternehmer und Euer Runway ist Eure Verhandlungsstrategie.

Euer Runway ist Eure Verhandlungsstrategie.

Hohe Fundraising-Ziele à la Paul Graham: Wir würden offen dafür sein, in den folgenden Monaten ein paar Investoren mehr aufzunehmen. Wir würden sie bitten, kleine Wandelanleihen mit wachsendem Wert zu machen. Wir wollten darauf achten, uns in unserer Seed-Runde nicht schon komplett zu vernichten (maximal 20 Prozent Abgaben). Die Kriterien wären dieselben wie in der ersten Investoren-Runde, aber wir könnten interessantere Teilhaber finden, da wir das Geld nicht unbedingt brauchen würden.

Konzentriert Euch nicht mehr so sehr auf Fundraising. Wenn, dann sprecht mit Menschen, die Ihr schon kennt. Es sollte schnell gehen. Geht nicht pitchen, bastelt stattdessen an euerm Unternehmen. Eure existierenden Connections und Investoren werden dafür sorgen, dass es weiter geht.

Wenn Ihr gute Angebote bekommt, nehmt sie an. Aber kontrolliert die Anteile, die Ihr herausgebt.

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