TodayTickets Team

Gleb Tritus, Michael Jäger und Christian Miele

TodayTickets startet Expansion mit Medienreichweite

Last-Minute-Angebote haben einen gewissen Charme. Nicht nur sparen sie kurzentschlossenen Kunden den einen oder anderen Euro. Sie helfen auch den Anbietern, zuvor nicht verkaufte Flugreisen, Hotelzimmer oder – hier scheint sich ein Trend abzuzeichnen – Veranstaltungstickets an den Mann oder die Frau zu bringen. In letzterem Segment haben Gleb Tritus, Michael Jäger und Christian Miele vor Kurzem das Berliner Startup Todaytickets gestartet und sehen sich einem respektablen Markt gegenüber: Allein in Deutschland bleiben etwa 40 Prozent aller Tickets unverkauft, das entspreche einem Transaktionsvolumen von etwa zwei Milliarden Euro.

Mit Konkurrenten wie 50 Hours von TabTicketBroker in Deutschland und YPlan in London und New York arbeitet auch TodayTickets nicht in einem Wettbewerbs-Vakuum. Hinzu kommen dem Vernehmen nach einige weitere Startups, die bereits an vergleichbaren Angeboten basteln, aber noch nicht offiziell gestartet sind. Dennoch sieht man sich mit der Medienstärke des Inkubators Epic Companies aus dem Hause ProSiebenSat.1 und einer Millionenfinanzierung gut gerüstet. In den kommenden Monaten ist die Internationalisierung geplant, die weltweit 50 größten Städte hat das Berliner Startup im Visier. Im Fokus steht dabei die Smartphone-App, die seit wenigen Wochen verfügbar ist.

Ihr habt gerade eine neue App gelauncht. Was kann die, das andere nicht können?

Gleb: In erster Linie kann sie für heute in Köln, Hamburg oder Berlin eine gute Auswahl an Veranstaltungstipps geben. Andere behaupten das zwar auch von sich. Wenn man aber alle verfügbaren Apps vergleicht, hat Todaytickets das breiteste Angebot.

Geht es für den Nutzer allein um die Anzahl der Events?

Gleb: Das Modell steht und fällt jedenfalls nicht im ersten Schritt mit Design oder der Technologie: Wer die besten Event-Deals auf der Plattform hat, überzeugt beim Kunden. Mittlerweile haben wir einen guten Draht zur Veranstaltungswirtschaft, und das ist die Grundvoraussetzung, um weiterhin den umfangreichsten Content liefern zu können.

Christian: Dass heißt nicht, dass die Technologie gar keine Rolle spielt. Wir werten jetzt schon genug Daten aus, um dem Nutzer gezielt interessante Events ausspielen zu können. Eine umfangreiche Verknüpfung mit Facebook etwa wäre ein möglicher nächster Schritt. Das Feature wird in der App sicherlich zunehmend prominent werden.

Habt Ihr Euch einen Fokus gesetzt, was die Veranstaltungsarten angeht?

Christian: Unsere Kategorien sind Sport, Musik, Nicht-Musik, Freizeit und Kultur. Insgesamt richten wir uns aber nach den Kunden. Wir machen immer wieder Umfragen, um besser einschätzen zu können, in welche Bereichen wir mehr machen müssen. Zudem können wir ja auch sehen, welche Events gut laufen und welche nicht. Wir sind sehr Test-getrieben.

Michael: Wir konzentrieren uns nur auf Events, zu denen Tickets verkauft werden. Reine Veranstaltungstipps machen wir nicht.

Weil damit kein Geld verdienen kann.

Michael: Weil wir einen Mehrwert bieten wollen. Wir bieten einen Deal an, weil die Tickets deutlich unter den Vorverkaufspreisen abgegeben werden.

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Was macht das Ticketing-Geschäft eigentlich so interessant? In den letzten Monaten sind in dem Segment ja recht viele Startups gestartet…

Gleb: Es ist ein riesiger Markt, der bislang noch unbearbeitet war. In Deutschland bleiben etwa 40 Prozent aller Tickets unverkauft, das ist ein Transaktionsvolumen von etwa zwei Milliarden Euro.

Christian: Auf der Business-Seite ist es vor allem deshalb attraktiv, weil es keine teure Logistik oder Vorfinanzierungen braucht – es geht ja eigentlich (fast) nur um Gutscheincodes. Und das Ganze ist „social“ – wer geht schon alleine und nur auf eine einzelne Veranstaltung. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Warenkörbe aus: Durchschnittlich werden 2,4 Tickets verkauft. Außerdem gibt es keine Rückgaben, Tickets sind per Gesetz von Retouren ausgeschlossen.

Wie viel verdient Ihr im Schnitt pro Ticket-Verkauf?

Gleb: Dazu können wir im Detail gegenwärtig keine Auskunft geben. Ich kann lediglich sagen, dass es deutlich über dem Schnitt der gängigen Vollpreis-Ticketingsysteme liegt.

Wären Dienstleistungsmodelle wie die von Eventbrite oder Amiando/Xing Events als zusätzlicher Geschäftsbereich für Euch interessant?

Christian: Nein, wir fokussieren uns technologisch auf den Big-Data- und Discovery-Bereich, und werden entsprechende Schnittstellen für die Veranstalter zur Verfügung stellen.

Nun mal zu Epic Companies. Wie unterstützt Euch der ProSiebenSat.1-Inkubator, welche Leistungen könnt Ihr „abrufen“?

Christian: Neben finanziellen Mitteln unterstützt uns Epic auf vielen Ebenen beim Unternehmensaufbau, vor allem durch starke bestehende Netzwerke und tiefes funktionales Wissen. Wir sind als externes Unternehmen zum Inkubator gekommen, so dass die Umsetzung bei uns liegt und wir Epic eher als Beirat oder Berater verstehen mit punktuellem Involvement. Wenn wir Unterstützung benötigen, sind die Kommunikationswege auch zum Management sehr kurz und der Umgang ist sehr freundschaftlich und produktiv.

Gleb: Weil wir als externes Team zu Epic gekommen sind, nehmen wir eine gewisse Sonderrolle ein. Normalerweise wird beim Inkubator alles von klein auf aufgebaut.

Kommen bald also auch TV-Werbespots?

Gleb: Das ist natürlich naheliegend. Allerdings wäre das derzeit nicht zielführend, weil wir noch nicht die notwendige regionale Abdeckung haben. In den nächsten drei Monaten werden weitere Ballungszentren hinzu kommen. Ab dann werden TV-Werbespots ein Thema.

Könnt Ihr etwas zu den Nutzerzahlen sagen?

Christian: Zum Ende des Jahres werden wir bei einer hoch fünfstelligen bis niedrigen sechssteligen Download-Zahl angekommen sein, wenn der aktuelle gute Trend anhält. Auf Veranstalterseite konnten wir bislang mit etwa drei Vierteln der Kontakte letztendlich einen Vertrag unterzeichnen.

Gleb: Was beides deutlich über unseren Erwartungen liegt. Die App hat mittlerweile eine größere Reichweite als die Website, was von uns auch angestrebt war.

Vor Kurzem erst habt Ihr eine siebenstellige Finanzierung bekommen. Stimmt es, dass Ihr trotzdem schon eine neue Finanzierungsrunde plant?

Gleb: Dazu können wir uns aktuell nicht äußern. Wir haben allerdings ambitionierte Expansionspläne.

Und mit dem neuen Geld wird es dann internationaler?

Christian: Genau. Wir schauen uns derzeit zahlreiche Großstädte unter verschiedenen Gesichtspunkten an, auch im Ausland.

Gleb: Natürlich nicht alles in 2014.

Christian: Das Konzept funktioniert natürlich nur, wenn ausreichend Veranstaltungen und potenzielle Kunden vorhanden sind. Allerdings tummeln sich immer mehr Teams in dem Segment, wir müssen uns also schon beeilen.

Macht Ihr das von Deutschland aus?

Michael: Ja, allerdings mit Muttersprachlern. Sonst fehlt uns die nötige Glaubwürdigkeit. Mit ganz großen Veranstaltern muss man sich natürlich auch persönlich treffen, um gute Beziehungen aufzubauen. Lokale Teams sind nicht zweckmäßig, da wir nach ein paar Monaten die wichtigsten Beziehungen aufgebaut haben und nicht mehr so viele Leute brauchen. Hinzu kommt, dass es pro Land in der Regel ohnehin nur wenige relevante Städte gibt.

Wie fing bei Todaytickets eigentlich alles an?

Gleb: Die Initialzündung gab es Ende letzten Jahres. Christian und ich haben uns in Köln in der Uni kennen gelernt. Wir waren uns schnell einig, dass wir etwas zusammen gründen möchten. Ich hatte vorher schon eine Medienagentur, einen Qype-Wettbewerber und einen Shoppingclub gegründet. Christian kam von Rocket Internet. Dann haben wir gemeinsam ganz systematisch nach Ideen gesucht bis wir eine Shortlist hatten und nur noch drei Konzepte übrig waren.

Eine davon war Last-Minute-Ticketing. Damals gab es niemanden sonst, der das gemacht hat. Durch meine Eltern, die ein Symphonieorchester in Köln betreiben, kannte ich die Auslastungsproblematik sehr gut.

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Was kam nach der Idee?

Christian: Wir haben versucht, an möglichst hohe Leute aus der Branche heran zu kommen um zu überprüfen, ob das Modell überhaupt funktionieren kann. Dabei haben wir stark auf unsere bestehenden Kontakte gesetzt. In Startup-Lingo: Wenn man das Minimum-Viable-Product-Konzept zugrunde legt, haben wir auch qualitative Smoke-Tests gemacht, um die Tragfähigkeit unseres Last-Minute-Ticketing-Konzepts zu überprüfen. Lange aufhalten lassen haben wir uns dabei aber nicht. Letztendlich sind wir dann beim Funding und bei Epic Companies gelandet.

Wie seid ihr an Epic Companies „heran gekommen“?

Christian: Ich kannte [Epic-Geschäftsführer] Mato Peric bereits von Rocket Internet, es bestand also ein direkter Draht. Gleb und ich haben uns von Beginn an ein gutes Netzwerk aufgebaut. Ich glaube, dass Berlin davon lebt, dass man sehr schnell und einfach zu anderen Gründern ins Büro gehen kann. Gleiches gilt für Investoren. Mato haben wir dabei sogar zufällig in einem Starbucks getroffen. Klischee, aber es stimmt.

Vorzuweisen hattet Ihr allerdings noch nicht viel, oder?

Gleb: Nein, das war Pre-Launch, Pre-Product, Pre-Alles – außer der Idee auf etwas Papier.

Und dann?

Christian: Wir haben mit Michael als Mitgründer jemanden von JustBook gewinnen können, der dort den Bereich Sales geleitet hat und über eine Menge Erfahrung mit Last-Minute-Vertrieb verfügte. Zum Glück gibt es in der Kundenansprache vielen Gemeinsamkeiten zwischen der Hotel- und der Ticket-Branche, deswegen konnten wir viele Learnings abgreifen. Das hat uns viel Zeit gespart.

Anschließend haben wir für das Marketing noch jemanden geholt, der den Bereich Ticketing seit mehr als zehn Jahren kennt. Auch hier konnten wir also auf bestehendes Branchenwissen zurückgreifen. Um die Kosten im Griff zu behalten und die Prozesse schnell aufzubauen, haben wir auch sehr viel mit Praktikanten und Werksstudenten gearbeitet.

Wieso habt Ihr das Ticketing-Fachwissen erst recht spät ins Team geholt?

Christian: Wir haben etwa zwei bis drei Monate ohne das Fachwissen gearbeitet. Das hat aber ausgereicht, um das Produkt fertig zu konzipieren und erste Tests zu machen. Das konkrete Ticketing-Wissen spielt – bezogen auf den strategischen Prozess – eine nachgelagerte Rolle.

Und wie viele Leute arbeiten derzeit bei Todaytickets?

Gleb: Wir sind derzeit 25, davon viele in den Bereichen Entwicklung und Sales. Aber wir schreiben auch Kampagnen-Texte und bearbeiten die Bilder, damit sie größtmöglichen Impact beim Nutzer haben.

Gleb, Michael, Christian – vielen Dank!

Bild: Gründerszene