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Die Gründer von Tollabox: Béa Beste, Tobias Zumbült, Oliver Beste und Sarah Petzold (von links)

Das Problem: Die Kundenbindung ist nicht stark genug

Der nächste Insolvenzfall trifft die Crowd. Fast habe sich das Berliner Startup Tollabox eine weitere Finanzierungsrunde sichern können, sagt Geschäftsführer und Mitgründer Oliver Beste gegenüber Gründerszene. Über eine Million Euro hätte die Zahlungsunfähigkeit verhindern sollen, doch: Die Runde sei kurz vor Abschluss geplatzt. In den entscheidenden Verhandlungspunkten habe man sich leider nicht einigen können, so Beste. Das Startup musste vergangenen Mittwoch Insolvenz anmelden.

Das im Sommer 2012 gegründete Tollabox vertreibt im Abo Bastelkisten für Kinder. Das größte Problem, das laut Beste zur Insolvenz führte: die kurze Abo-Laufzeit. Im Schnitt hätten Eltern die Boxen für ihre Kinder nach 7,5 Monaten abbestellt. „Um schwarze Zahlen zu erreichen, hätten die Abonnenten der Tollabox durchschnittlich mindestens elf Monate die Treue halte müssen“, analysiert Beste. Offenbar konnten die Boxen die Kunden nicht lang genug mitreißen.

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Tollabox schloss im Frühling 2013 eine der erfolgreichsten deutschen Crowdfunding-Aktionen ab: Über Seedmatch sammelten die Gründer Sarah PetzoldTobias Zumbült und Béa und Oliver Beste 600.000 Euro von 599 Investoren ein. „Bisher sind die Reaktionen der Investoren überraschend verständnisvoll und anteilnehmend. Bessere Darlehensgeber als die Seedmatch-Crowd können wir uns nicht vorstellen“, sagt Beste. Die Geschäfte werden voraussichtlich erst einmal bis Ende April weitergeführt werden.

Hat Wummelkiste ebenfalls finanzielle Schwierigkeiten?

Das Geschäft scheint sich auch für Konkurrenten von Tollabox nicht richtig zu lohnen. Nach Informationen von Gründerszene entließ die Berliner Firma Wummelkiste mehrere Festangestellte und operiert nun lediglich mithilfe des Management-Teams und Praktikanten. Auf Nachfrage bestätigt Wummelkiste-CEO Gordon Thompson, dass es Entlassungen gegeben habe. Er sagt, sie seien Teil seiner strategischen Neuausrichtung als Geschäftsführer gewesen. Haben Fehlschläge in der Vergangenheit die Firma ins Wanken gebracht? Mitte 2013 musste sich das Startup beispielsweise mit seinen Bastelkisten erfolglos vom US-amerikanischen Markt zurückziehen. In dem Jahr verzeichnete das Startup einen Jahresfehlbetrag von knapp 750.000 Euro, neuere Zahlen sind noch nicht öffentlich.

Offenbar konnten deutsche Bastelkisten-Firmen ihre Geschäfte auch nicht mit Online-Shops anschieben, die Tollabox, Wummelkiste und auch die naturwissenschaftlich ausgerichtete Exploribox vor etwa eineinhalb Jahren starteten. Mit denen sollte die Abo-Hürde umschifft werden. Bastelkisten sind darüber auch einzeln zu kaufen, um sie beispielsweise zu verschenken.

Die Insolvenz fühle sich „sauschlecht“ an, schreibt Tollabox-Mitgründerin Béa Beste in ihrem Blog. Das Verfahren sei aber auch eine Chance, neue Wege zu gehen. So werde nun werde geprüft, ob das Geschäftsmodell umstrukturiert werden könne.

Bild: Tollabox