Welche Uni bringt die meisten Gründer hervor?

Auswertung der Gründerszene-Datenbank

Deutschlands Gründerszene boomt. An vielen Universitäten gibt es entsprechende Lehrstühle, und immer mehr Inkubatoren und Investoren suchen nach jungen Talenten und Ideen. Aber welche Hochschule fördert tatsächlich die meisten Gründer und Startupmitarbeiter zu Tage? Gründerszene ist die Universitäts-Abschlüsse der Entrepreneure durchgegangen und hat ein Ranking der Top-Startup-Universitäten erstellt – die WHU ist einsame Spitze, gefolgt von der Ludwig-Maximilians-Universität und der Freien Universität Berlin. Das gesamte Ranking und die Hintergründe.

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Von welcher Hochschule kommen eigentlichen die meisten Gründer und Startup-Persönlichkeiten? Dieser Frage ist Gründerszene nun nachgegangen. Grundlage für die Auswertung war dabei die einzigartige Gründerszene-Datenbank, die rund 2.500 Einträge von Personen aus der Startup-Welt umfasst – darunter Gründer und führende Mitarbeiter aus den Unternehmen selbst, aber auch private Investoren wie etwa Business Angels.

Eine tatsächlich repräsentative Studie ist auf Basis dieser Daten zwar nicht möglich, nicht zuletzt weil die Datenbank vor allem Köpfe aus dem Internetbereich enthält. Einen guten Überblick über die wichtigsten Unternehmer-Unis aber geben die Zahlen aber allemal. Gründerszene hat daher in diesem Jahr erstmals ein Ranking der Top-Startup-Unis aufgestellt.

An der WHU wirkt weiterhin der Samwer-Effekt

In Startup-Kreisen am bekanntesten sicherlich dürfte die private WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar (www.whu.edu) sein, allein weil Oliver Samwer an seiner Alma Mater bis heute ganze Hörsäle füllt. Insofern darf sich die WHU Unternehmen wie das später an Ebay veräußerte Alando oder auch Jamba! (www.jamba.de) auf die Fahnen schreiben. Und tatsächlich: Auch der Blick auf die Gründerszene-Datenbank zeigt, dass sich die WHU mit 107 Gründern und Startuplern den allerersten Rang gesichert hat.

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An der rheinländischen Hochschule machen sich laut Schätzungen rund 15 Prozent eines Jahrgangs selbstständig. Auch andere private Hochschulen können dabei auf hohe Quoten verweisen: Von der European Business School (EBS, www.ebs.edu) in Oestrich-Winkel – die sich mittlerweile EBS Universität für Wirtschaft und Recht nennt – stammen 52 der Köpfe in der Datenbank. Weitere 34 kommen von der Handelshochschule Leipzig (www.hhl.de).

Nicht zu vergessen ist, dass die privaten Universitäten typischer Weise deutlich weniger Studenten haben als die öffentlichen – und im kleinen Kreis fällt es leichter, Kontakte zu knüpfen und zu halten. Auch stehen sie aufgrund ihrer praktischen und wirtschaftlichen Orientierung verstärkt im Fokus von Investoren und Inkubatoren. Insbesondere die Samwer-Brüder rekrutieren, wie allgemein bekannt ist, gerne WHU-Abgänger.

Infografik Uni-Ranking

Öffentliche Unis lernen dazu

Zwar mag es sein, dass die privaten Hochschulen zudem eher Studenten anlocken, die aufgrund ihres finanziellen Hintergrunds eine Pleite leichter wegstecken können und daher stärker zu Gründungen neigen. Aber zumindest vom Angebot her lernen die Öffentlichen von ihnen – die Technische Universität Berlin (www.tu-berlin.de) etwa hat ihr Gründerzentrum mit Gründungswerkstatt und Seminaren zum Business-Plan und zur Finanzierung in den vergangenen Jahren neu belebt. Selbst Kooperationen mit privaten Universitäten sind längst nicht mehr Tabu, wie die Technische Universität München (www.tum.de) und die HHL es bereits vormachen.

Betrachtet man die absoluten Zahlen in der Gründerszene-Datenbank, stehen die staatlichen Hochschulen in Berlin und München im Ranking auch weit oben. Aufaddiert haben 146 Köpfe aus der Datenbank ihren Abschluss an der Freien (64), der Technischen (53) oder der Humboldt Universität (29, www.hu-berlin.de) gemacht. Mehr als 120 waren es in der bayerischen Metropole, davon 81 an der Ludwig-Maximilians- (www.uni-muenchen.de) und 40 an der Technischen Universität München (siehe Infografik).

Berlin und München sind Gründer-Hochburgen

Dass sich Berlin und München immer deutlicher als die beiden Gründer-Hochburgen in Deutschland mausern, lässt sich schon anhand der Zahl der in den beiden Metropolen ansässigen Startups nachvollziehen. Auch die Studie “Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?” der Ludwig-Maximilians-Universität München fördert ein ähnliches Ergebnis zu Tage: So führt das Ranking des Jahres 2011 unter den öffentlichen Hochschulen die beiden Technischen Universitäten in der bayerischen und der Bundeshauptstadt  jeweils auf den Plätzen eins und zwei – und damit in beiden Fällen weiter vorn als noch zwei Jahre zuvor.

Auf den Positionen sieben und acht sieht es ähnlich aus, hier liegen die Freie Universität Berlin (www.fu-berlin.de), der bekannte Startups wie Chocri (www.chocri.de), PaperC (www.paperc.de), oder Teekampagne (www.teekampagne.de) entsprangen, und die LMU selbst. Beide Hochschulen konnten sich vom gemeinsamen Platz 13 des Jahres 2009 aus besser positionieren.

Immer mehr Gründerlehrstühle

Schaut man auf die reine Zahl an Entrepreneurship-Professuren in Deutschland, wie sie der Förderkreis Gründungs-Forschung e.V. Entrepreneurship Research (www.fgf-ev.dezusammengestellt hat, zeichnet sich zwar zunächst ein leicht anderes geografisches Bild ab: Hier liegt Nordrhein-Westfalen mit 17 Lehrstühlen in der Rangliste vor Niedersachsen mit zwölf Professuren. Auf Platz drei findet sich dann Bayern mit landesweit zehn Ordinariaten. Gerade einmal fünf Lehrstühle gibt es demgegenüber in Berlin, was diese theoretisch auf den neunten Rang verweisen würde. Allerdings führt eine derartige Betrachtung allein deshalb schon in die Irre, weil sie die Anzahl an Universitäten genau so wenig berücksichtigt wie die Anzahl der Studierenden.

Der genauere Blick zeigt nämlich, dass in Berlin etwa Technische, Freie und Humbold-Universität aber auch die Hochschule für Wirtschaft und Recht (www.hwr-berlin.de) allesamt über einen Gründer-Lehrstuhl verfügen. Besetzt sind diese mit bekannten Namen wie etwa Günter Faltin, der selbst als Business Angel aktiv ist. Erfreulich in jedem Fall ist, dass sich die Zahl der Lehrstühle an Universitäten in ganz Deutschland Land in den vergangenen fünf Jahren von 45 auf 97 weit mehr als verdoppelt hat.

Seit vergangenem Jahr prämiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) diejenigen zehn deutschen Hochschulen im Programm “Exist” (www.exist.de) mit der besten Gründungskultur, davon drei mit Prädikat. Aber nicht nur Ruhm bringt die Auszeichnung, sondern auch ein Preisgeld in Höhe von 2,7 Millionen Euro pro Hochschule. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (www.uni-oldenburg.de), die Hochschule für angewandte Wissenschaften – Fachhochschule München (www.hm.edu) und die Technische Universität Berlin bekamen im ersten Durchgang, neben den Fördergeldern, außerdem das Prädikat “Gründerhochschule” verliehen. Die zweite Runde läuft derzeit.

Beste Aussichten für Gründer?

Auch ist es nur noch ein marginal geringer Teil der Universitäten, so legt die LMU-Studie dar, die keinerlei oder nur sehr wenig gezielte Förderungen für ihre Studenten anbieten. Im Gegenteil: Immer mehr Hochschulen suchen nach einer Profilierung im Bereich der Unternehmensgründungen – auch außerhalb des Internets. An den 63 untersuchten staatlichen Universitäten wurden über 200 hochschulinterne (Lehrstühle, Transferstellen et cetera) und hochschulexterne Einrichtungen identifiziert, die sich im Rahmen der Entrepreneurship-Education an den Universitäten beteiligen. Spiel bietet online Roulette den Komfort, Hinzu kommen zahlreiche universitäre Beratungsstellen, die interessierte Gründer bei den ersten Schritten begleiten und studentische Gruppen, die auf unterschiedlichste Weise den Unternehmergeist an Hochschulen fördern.

Auch wenn an (fast) allen Universitäten die Voraussetzungen für die Betreuung von technologieorientierten Ausgründungen gegeben sind, gilt es allerdings, die Frage nach der Finanzierung noch zu beantworten. Den Universitäten selbst dürfte das sicherlich kaum möglich sein – auch wenn bereits erste Strukturen aufgebaut werden, wie etwa der Frankfurter Gründerfonds (www.frankfurt-school.de).

Wer fleißig die Gründerszene-News verfolgt, weiß dennoch, dass die Aussichten auf eine private Finanzierung trotz zu erwartender steigender Nachfrage noch nie so gut waren wie derzeit. Im Eiltempo, so scheint es, treten neue Company-Builder beziehungsweise Accelerator-Programme, Business Angels, VCs oder Fonds auf die Bildfläche. Und eine gute Geschäftsidee werden diese sicherlich so schnell nicht ausschlagen – egal ob der Gründer einen speziellen Abschluss hat oder nicht.

Heureka!Exklusiver Studenten-Rabatt für die Heureka!-Konferenz: Die Heureka!-Konferenz (www.heureka-conference.com) richtet sich insbesondere auch an gründungsinteressierte Studierende. Ihr seid höchst online-affin, möchtet angesagte Startups kennenlernen, mit den Größen der Webszene diskutieren und viele neue Impulse für eine mögliche eigene Gründung erhalten? Dann solltet Ihr die Heureka!-Konferenz am 07. Mai 2012 nicht verpassen. Ein paar ausgewählten Studierenden bietet Gründerszene einen exklusiven Studenten-Rabatt. Bei Interesse meldet Euch per E-Mail bei Corinna (corinna@gruenderszene.de).

Bildmaterial: Sebastian Bernhard  / pixelio.de
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