Torsten Oelke Immobilienscout You Is Now

Torsten Oelke, Initiator des Immoscout-Inkubators You Is Now.

„Wir wollen an der Innovationsgeschwindigkeit teilhaben.“

Vor einigen Wochen lieferte sich der Immoscout-Inkubator You Is Now (www.youisnow.de) eine öffentliche Schlammschlacht mit seinem Startup Deskwanted. Jetzt startet er sein Accelerator-Programm. Was Gründern dort geboten werden soll und warum immer mehr Accelerator-Programme entstehen: ein Interview mit Torsten Oelke, dem Initiator von You Is Now.

Jetzt ist also auch Immoscout mit einem Accelerator-Programm unterwegs. Nervt die Accelerator-Schwemme nicht manchmal?

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Es ist für viele Unternehmen durchaus sinnvoll, ein solches Programm zu starten. Die Forschungsabteilungen vieler Großunternehmen sind heute zu langsam, um mit den schnellen Entwicklungen mitzuhalten, vor allem im technologischen Bereich. Immer mehr Branchen digitalisieren sich, da sind Accelerator-Programme ein weiterer Kanal, um mit der Innovationsgeschwindigkeit mitzuhalten.

Coca-Cola hat diese Woche auch einen Accelerator angekündigt – es kommen immer mehr!

Ich glaube, dass sich dieses Format etablieren wird, weil viele Unternehmen sehen, wie innerhalb kurzer Zeit technologische Weltmarktführer entstehen – die im schlimmsten Fall die eigenen Geschäftsmodelle zerstören können.

Ein paar Startups zu unterstützen ist ja auch deutlich günstiger als teure Entwicklungsabteilungen.

Es ist nicht ausschließlich der finanzielle Aspekt. Aber klar. Ein Programm mit fünf Startups, die jeweils 25.000 Euro bekommen ist im Vergleich zur Gesamtstruktur großer Konzerne kostengünstig. Aber es gibt noch einen Vorteil: Kleine Teams sind schneller und können den Plan auch ändern, wenn es in die falsche Richtung läuft.

Warum macht Ihr Euer Programm?

Wir haben mit unserem Inkubator gemerkt, dass sich viele Startups in einer sehr frühen Phase bewerben, oft eben zu früh. Diese Teams wollen wir mit dem Accelerator abholen und ihnen helfen, bei ihrer Produkttechnologie schneller voranzukommen.

Wie ist der Deal bei Euch?

Jedes unserer fünf Startups, die wir zum Start im November auswählen, bekommt 25.000 Euro. Und wir nehmen dafür keine Anteile.

Keine Beteiligung? Ihr seid doch keine Wohltätigkeitsorganisation. Wo ist der Haken?

Gibt es nicht.

Ach komm.

Doch, ist so. Die Teams befinden sich noch in einer Lernphase, in der wir sie begleiten und mit unserem Wissen als IT-Unternehmen unterstützen können. Ich glaube: Wenn beide Seiten nach drei Monaten Zusammenarbeit im Accelerator denken, dass sie von einer Partnerschaft etwas haben, bieten wir mit unserem Inkubator You Is Now ein passendes Beteiligungsangebot für die nächste Stufe. Oder wir helfen mit unseren Kontakten bei einer Finanzierung.

Aber was versprecht Ihr Euch davon?

Wir glauben, dass es am Anfang um gute Produkte und die langfristige Entwicklung von Geschäftsmodellen geht. Der Accelerator ist daher konzeptionell nicht vergleichbar mit einem Investment-Portfolio. Wir wollen auch an der technologischen Innovationsgeschwindigkeit teilhaben. Es geht um gegenseitigen Austausch.

Ihr hattet gerade eine öffentliche Auseinandersetzung mit einem Eurer Startups: Deskwanted hat You Is Now vorgeworfen, Leistungen nicht erbracht zu haben. You is Now hätte die Gründer zuletzt wie weisungsabhängige Angestellte behandelt.

Diese Anschuldigung ist absolut haltlos. Es gibt keinerlei Grundlage für den Vorwurf.

Startups werden sich jedoch fragen: Kann ich mich bei You is Now bewerben nach der Auseinandersetzung. Was sagt Ihr denen?

Ich würde sagen: Sprecht mit den Teams, die bei uns im Programm sind oder waren. Viele von ihnen sind auf Konferenzen unterwegs. Redet mit Ihnen und fragt Euch dann, ob das Programm zu Euch passt.

Ihr kooperiert mit dem Founder Institute, warum?

Wir haben im vergangenen Jahr schon zusammengearbeitet, die Teams aus unserem Inkubator konnten an den Veranstaltungen des Founder Institute teilnehmen. Jetzt konnten wir Sascha Karstädt, der das Founder Institute in Berlin leitet, als Programmmanager für das Accelerator-Programm gewinnen. Er bringt sein Netzwerk mit ein.

Das heißt?

Youtube-Gründer Jawed Karim war etwa vergangenes Jahr da und hat uns das Pitchdeck gezeigt, mit dem er und seine Mitgründer damals um Geld bei Investoren warben. Das beste der fünf Teams aus unserem Accelerator-Programm laden wir dann im März 2014 mit dem Founder Institute in Silicon Valley ein.

Silicon-Valley-Tourismus?

Richtiges Programm. Warum nicht dorthin fahren, um von den besten zu lernen? Klar, nicht jedes deutsche Startup muss in die USA. Aber zu sehen, wie dort gearbeitet wird und was Investoren wollen, kann helfen. Darum wollen wir unser Gewinnerteam vor Ort auch auf dem Show Day vom Founder Institute pitchen lassen.

Bild: You Is Now