TutoryGruender

André Herrn (Entwicklung), die Zwillingsbrüder Stephan (Entwicklung) und Thomas Hoyer (Produkt) und Thomas Haubner (Marketing) haben Tutory gegründet.

Es gibt Lehrer, die ihre Schüler Jahr für Jahr dieselben Arbeitsblätter bearbeiten lassen. Und es gibt Lehrer, die ständig das neueste Material verwenden möchten. Ersteren wird selbst das innovativste Startup nicht helfen können, um letztere möchten sich die Gründer von Tutory kümmern.

Mithilfe des Leipziger Startups können Lehrer in einem browserbasierten Editor Arbeitsblätter erstellen. Das funktioniert per Drag and Drop. So lassen sich Elemente wie Bilder oder kurze Texte einfügen, Linien für offene Antworten oder Multiple-Choice-Aufgaben einbauen. „Mit Tutory geht das schneller als mit anderen Textverarbeitungsprogrammen“, wirbt Tutory-Mitgründer Thomas Haubner. Der Editor ist eine Eigenentwicklung des Startups.

Die Inhalte, auf die über Tutory zugegriffen werden können, entstammen den sogenannten Open Educational Resources (OER). Das sind freie Lern- und Lehrmaterialien mit offener Lizenz, darunter Creative Commons. Sie sind kostenlos und beliebig veränderbar – ohne zeitliche Begrenzung.

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Um diesen Zugriff zu ermöglichen, will Tutory seinen Editor möglichst bald an Creative-Commons-Datenbanken – zum Beispiel Wikimedia – anbinden. Die Nutzer sollen einzelne Bausteine dann direkt aus dem Programm in ihr Arbeitsblatt einbauen können. Inklusive automatischer Übernahme der richtigen Lizenz. „Wenn sie vorhandene Materialien nutzen oder bearbeiten, wollen Lehrer aus der rechtlichen Grauzone herauskommen. Tutory automatisiert die Lizenzverwaltung, wo es möglich ist, und unterstützt den Nutzer damit beim Eingeben der richtigen Quellenangaben“, so Haubner.

Hinter dem Wunsch der Lehrer, Quellen transparent anzuzeigen, steht offenbar nicht nur die Angst, selbst dafür belangt werden zu können: „Lehrern ist es wichtig, ihren Schülern in Sachen Medienkompetenz ein Vorbild zu sein“, erklärt Haubner. Urheberrechtsverletzungen sollen sich die Schüler schließlich nicht abschauen.

Langfristiges Ziel sei es, dass die Nutzer ihre mit eigenem Material erstellten Arbeitsblätter unter offener Lizenz mit der Community teilen. Das ist aktuell bereits auf Seiten wie 4teachers möglich. Haubner sieht hier allerdings eine intrasparente Lizenz-Lage. Lehrerheld aus Deutschland und das US-amerikanische Teachers Pay Teachers sind Plattformen, auf denen Lehrer eigenes Unterrichtsmaterial verkaufen können.

Auf Tutory ist die Erstellung und das Teilen von Dokumenten kostenlos. Geld verdienen will das Startup etwa über ein Premium-Abo, das Lehrern erlaubt, Arbeitsblätter gemeinsam mit Schülern digital zu bearbeiten. Generell würden Schul- und Landeslizenzen angestrebt.

Neben Thomas Haubner arbeiten die Zwillingsbrüder Stephan und Thomas Hoyer und André Herrn seit Februar 2015 an Tutory. Alle vier sind Familienväter. Der Hauptinitiator des Projekts, Thomas Hoyer, studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt, machte aber nie sein Referendariat. Aus dieser Zeit stammt die Idee, Online-Unterrichtsmaterial zu individualisieren. Unterstützung gab es für Tutory bislang vom Leipziger Social Impact Lab und in Form einer Exist-Förderung. Von der sächsischen Aufbaubank hat Tutory ein Technologiegründerstipendium erhalten.

Bild: Tutory