TV Kritik 2M2M 1. Folge

Business Angel Michael Altrichter probiert Produkte eines pitchenden Startups aus

Tränendrüsen und Wahnsinn – darauf setzt die erste Folge der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“, die gestern Abend auf dem österreichischen Privatsender Puls 4 (und auf Gründerszene) lief. Das Pendant von „Shark Tank“ und „Höhle der Löwen“ befriedigt durchaus voyeuristische Gelüste, innovativer Unternehmergeist ist während der 75 Minuten allerdings kaum zu spüren. Immerhin: Drei der vier Gründer sichern sich trotzdem Cash oder Media-Investments.

Damit sind die österreichischen Investoren zunächst offenbar deutlich spendabler als ihre Kollegen von „Höhle der Löwen“: Bei der deutschen Show bekamen regelmäßig höchstens zwei der sechs oder acht Startups pro Folge Geld.

Bei der zweiten Staffel 2M2M werden insgesamt wieder mindestens eine Million Euro Kapital und eine Million Euro Media-Volumen bei der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Puls 4 vergeben. Geld bekommen die Gründer, die die Investoren-Jury mit ihrer Unternehmensidee beeindrucken können.

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Als erster Kandidat stellt sich Kartonmöbel-Unternehmer Alexander Mann der Jury. Mit seiner Firma The ThinKing produziert er Hocker, Regale und Betten aus Karton. Das soll besonders günstig und vielseitig sein, zudem praktisch, da Käufer weder Kleber noch Schere für den Zusammenbau benötigten. Die Idee überzeugt Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner und Müsliriegel-Produzent Heinrich Prokop: Beide geben jeweils 50.000 Euro für je 13 Prozent der Unternehmensanteile. Damit übertrifft Mann sogar sein Finanzierungsziel. Er wünschte sich ursprünglich 70.000 Euro für 17 Prozent der Anteile.

Der Versuch, Alexander Manns Gründungsgeschichte emotional aufzubereiten, geht allerdings ziemlich in die Hose. Erst wird erzählt, dass der Gründer „am Hungertuch“ nage. Doch der berichtet etwas später, dass er kein Geld für Möbel habe, weil er in einer teuren Wohnung in Klagenfurt lebe – denn in die habe er sich verliebt.

Mit ähnlicher Effekthascherei geht es weiter. Die meiste Sendezeit werden dem Unternehmer Wolfgang Pirker eingeräumt, der Zahnimplantate revolutionieren will und vor allem durch seine Unhöflichkeit auffällt. Gegenseitiges Unterbrechen, laute Diskussion und hochgezogene Augenbrauen sorgen für einige anstrengende Minuten. Dem Zuschauer wird schnell klar, dass ein Unternehmer, der Investoren Unwissenheit vorwirft, wenig reißen kann. Die Jury bleibt bemerkenswert ruhig, nur Promi-Winzer Leo Hillinger kann sich ein „Das ist ein Wahnsinniger!“ nicht verkneifen.

Aber: Nicht alle fünf Investoren lehnen Pirkers Idee per se ab. Hans Peter Haselsteiner blickt offenbar auf zwei schmerzhafte Zahnimplantats-Operationen zurück und möchte zumindest zu einem späteren Zeitpunkt in Begleitung eines Experten mit Pirker sprechen, um den potenziell revolutionären Wert des Produkts besser einschätzen zu können.

Happy End à la Hollywood

Ein bisschen bunter wird die Sendung dann durch Christoph Schantls Feierei-Startup Party Boxes. Investieren möchte allerdings niemand aus der Jury in den Online-Versandhandel, der Pakete mit Zubehör für Themenpartys verschickt. Seven Ventures, der Beteiligungsarm von ProSiebenSat.1 Puls 4, sieht jedoch Potenzial und vergibt 400.000 Euro Werbebudget – für 25 Prozent der Anteile. Eigentlich wollte Schantl nur zehn Prozent für 350.000 Euro abgeben, die Zusage gab der sichtlich aufgeregte Gründer dennoch.

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Die Show schließt hollywoodgleich mit einem Happy End: Zur Gründerin des sozialen Mode-Startups Joadre möchte niemand Nein sagen. CEO Joana Reiterer baut in Nigeria eine nachhaltige Modemarke und -produktion auf. Frauen werden ausgebildet und sollen einmal Franchise-Filialen führen. Damit sollen sie genug Geld zum Leben verdienen und nicht mehr auf die Versprechen von Menschenhändlern hereinfallen. Insgesamt unterstützen die vier Männer der Jury Joandre mit 80.000 Euro – ohne dafür Anteile zu nehmen. Marie-Hélène Ametsreiter bietet ihre Beratung an – und Puls 4 sagt zwei Beiträge im Frühstücksfernsehen zu.

Zwar freut sich der Zuschauer mit der Gründerin des Social Enterprises, allerdings kommt auch das Ergebnis wenig überraschend daher. So plätschert der Auftakt von 2M2M etwas dahin, nur unterbrochen von einem Eklat und einigen Emotionen, bietet sympathische Investoren, aber wenig hartes Business. Das dürfte die Gründer dann in der Reality abseits des TVs erwarten.

Eindrücke der ersten Folge gibt es in der Bildergalerie:

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Auf dem Podium: die Juroren Leo Hillinger, Marie-Hélène Ametsreiter, Heinrich Prokop, Michael Altrichter und Hans Peter Haselsteiner (von links). Rechts am Rand: Daniel Zech von SevenVentures.

Titelbild: Nick Albert