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Uber senkt in Hamburg und Berlin die Preise

Wer etablierte Industrien durcheinanderbringt, der muss mit Widerstand rechnen. Kaum ein Unternehmen muss sich mit dieser Startup-Binse derzeit so intensiv auseinandersetzen wie das Mobilitäts-Startup Uber. Das liegt zum einen am Geschäftsmodell, das in der Taxibranche massig Verlierer produziert. Es liegt aber auch am rücksichtslosen Vorgehen von Uber, an einem bisweilen rüpelhaften Geschäftsgebaren und dem arroganten Auftreten seiner Manager.

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Noch im September scherte sich das Startup einen feuchten Kehricht um ein Betriebsverbot, das das Frankfurter Landgericht ausgesprochen hatte – Uber ließ seine Autos einfach weiter fahren. Die einigermaßen freche Begründung: Das Gericht habe die einstweilige Verfügung „zu Unrecht erlassen“. Das passte zu einem Unternehmen, dessen CEO die Taxi-Branche als „Arschloch“ beschimpfte, das seine Fahrer angewiesen haben soll, den Wettbewerber Lyft durch Fake-Buchungen lahmzulegen, und über das Konkurrenten sagen: „Uber führt Krieg.“

Führt eine solche Brutalo-Strategie zum Erfolg? Wer provoziert, bekommt kurzfristig jedenfalls Aufmerksamkeit – und dadurch auch neue Nutzer. Aber funktioniert es auf lange Sicht? Bei Uber scheint man sich diesbezüglich nicht mehr so sicher zu sein. Das Unternehmen versucht vom Bad-Guy-Image wegzukommen, es gibt sich öffentlich konziliant und beugt sich – zumindest in Deutschland – den Vorgaben der Behörden.

Einen ersten deeskalierenden Schritt machte CEO Travis Kalanick, der gegenüber der BBC erklärte, Uber arbeite mit Regulierungsbehörden zusammen, es gebe keine aggressiven Geschäftspraktiken. Und: „Ich habe mich nie abfällig über Taxifahrer geäußert.“

In Deutschland schlug Unternehmenssprecher Fabien Nestmann erstmals Ende September mildere Töne an, nachdem Gerichte in Hamburg und Berlin Uber abstraften: „Wir respektieren selbstverständlich das deutsche Rechtssystem und arbeiten daran, unseren Service so anzupassen, dass wir uns im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen bewegen.“

Tatsächlich hat das Startup begonnen, diese Ankündigung umzusetzen. Für die UberBlack-Flotte bemühe man sich nun um eine Betriebserlaubnis, so das Unternehmen in einem Blogeintrag. Mit der Einführung von UberTaxi versucht das Startup seine härtesten Gegner aus der Taxibranche an sich zu binden.

Und: Uber senkt für den Mitfahrdienst UberPop in Berlin und Hamburg die Preise – auf ein Niveau, das unter den Betriebskosten liegt. In Zukunft, so hofft das Startup, dürften die Gerichte den Dienst damit als nicht-kommerzielle Mitfahrgelegenheit einstufen – und nicht weiter darauf bestehen, dass die UberPop-Fahrer die Auflagen für professionelle Chauffeure nach dem Personenbeförderungsgesetz einhalten. Weitere Zugeständnisse seien denkbar, sagte Uber-Sprecher Nestmann unlängst der Welt.

Fahrgäste müssen für UberPop-Fahrten in Berlin und Hamburg nur noch 35 Cent pro Kilometer bezahlen – deutlich weniger als die bisherigen etwa 1,60 Euro je Kilometer (in Düsseldorf, München und Frankfurt sind die Preise bislang auf dem alten Niveau geblieben). Die Preissenkung dürfte für das im Sommer mit 1,2 Milliarden US-Dollar finanzierte Startup problemlos zu verschmerzen sein.

Die Frage ist aber, ob sich das Chauffeur-Dasein für die UberPop-Fahrer damit in Zukunft noch lohnt. Uber selbst räumt ein, dass sie mit dem neuen Entgelt weniger als den Mindestlohn verdienen. Schon jetzt gibt es Berichte, wonach die Zahl der Fahrer in Deutschland stagniere. Laut Welt haben sich seit dem UberPop-Start im Frühjahr zwar 12.000 potenzielle Fahrer gemeldet. Doch die Wirtschaftswoche hat beobachtet, dass „die Zahl der Uber-Autos in Millionenstädten wie Berlin und Hamburg mehrere Mal am Tag bei Null liegt“. Das seien nur „Momentaufnahmen“, entgegnet Uber.

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Trotzdem: Es ist durchaus denkbar, dass Uber in Deutschland dank der Niedrigpreise zwar weiter guten Zulauf von Nutzern erhält, dem Unternehmen die Fahrer aber wegbrechen. Ohne ausreichendes Angebot werden irgendwann aber auch die Nutzer fernbleiben.

Uber sucht daher verstärkt den Weg über die Politik. Eine Petition, die fast 6.000 Menschen unterschrieben haben, soll die Verkehrsministerkonferenz umstimmen, die bestehenden Regeln Uber-freundlich anzupassen. Es sei nötig, heißt es dort, „dass wir in Deutschland eine moderne Gesetzgebung bekommen – gerade auch im Bereich der Personenbeförderung. Wir alle profitieren von mehr Wahlfreiheit und einem intelligenteren Umgang mit den Ressourcen.“

Für Uber-Verhältnisse sind das ausgesprochen diplomatische Formulierungen. Sie stehen beispielhaft für Ubers Abkehr von der Arschloch-Strategie. Man müsse versuchen, „die Herzen und Köpfe der Menschen zu gewinnen“, sagte CEO Travis Kalanick bei der Vorstellung seines neuen Cheflobbyisten David Plouffe im August. Plouffe dürfte wissen, wie das geht: Er arbeitete zuvor als Berater und Kampagnenchef für US-Präsident Barack Obama.

Bild: © panthermedia.net / Richard Laschon