Unister Razzia Lufthansa

Unister: 70 Mitarbeiter unter Verdacht

Alle Jahre wieder? Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die Ermittler des Landeskriminalamts beim Leipziger Portalbetreiber Unister vor der Tür standen. Nun wurden die Büroräume erneut durchsucht, meldet die Leipziger Volkszeitung über DNN Online. Es gehe um Betrug bei mehr als 60.000 Lufthansa-Flügen, die unrechtmäßig auf Unister-Seiten wie Fluege.de überteuert verkauft wurden, heißt es in dem Bericht. Den Angaben zufolge stehen mehr als 70 Mitarbeiter unter Verdacht, ermittelt werde auch wegen Steuerhinterziehung.

„Man hat sich nicht als Buchungsportal ausgegeben, sondern als Reiseveranstalter und ist durch unwahre Angaben an günstigere Tarife gekommen“, erklärt Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, die Durchsuchungen gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Die angebotenen Billig-Tickets seien für Pauschalpakete mit Hotels vorgesehen – nicht jedoch, um sie als Einzel-Flugscheine weiterzuverkaufen. Bei Lufthansa habe man bereits Maßnahmen ergriffen, um diese Art der Buchungsmanipulation zu verhindern, heißt es von der Airline.

Update: Gegenüber Gründerszene erklärt Unister knapp: „Auch wir haben großes Interesse an der Rechtsfindung in den relevanten Fragen und unterstützen die Aufklärung konstruktiv. Wegen des laufenden Verfahrens können wir in der Sache nicht Stellung nehmen.“

Weitere Verdachtsmomente

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„Im Zuge unserer Ermittlungen, bei der Auswertung bereits beschlagnahmter Daten, sind weitere Verdachtsmomente wegen Computer- und Steuerbetrugs aufgekommen“, wird der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft weiter zitiert. Etwa bestehe der Verdacht, dass Unister teilweise keine Umsatzsteuer für eingenommene Serviceentgelte bezahlt habe.

Bereits bei der ersten Razzia vor einem Jahr war das Unternehmen, das Seiten wie Fluege.de und Ab-in-den-urlaub.de betreibt und mit Michael Ballack oder Reiner Calmund prominent bewirbt, wegen angeblichen Steuerbetrugs ins Visier der Staatsanwaltschaft gerückt. Die Anschuldigungen damals: vermeintlich illegale Reiserücktrittsversicherungen und nicht gezahlte Versicherungssteuern. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen – und auf eine strittige Rechtsauslegung verwiesen. Vorübergehend festgenommene Unister-Manager kamen wieder auf freien Fuß. Anfang des Jahres hatte Gründer Thomas Wagner den Chefposten geräumt, später wurde die Unternehmensführung umgebaut.

Bild: elenathewise (Elena Elisseeva)