Es gibt zwei Möglichkeiten, in einen Markt vorzudringen: Entweder in ein bestehendes Unternehmen eintreten, indem man in es investiert oder es kauft, oder aber selbst gründen. Der Bereich der Partnervermittlung ist in diesem Fall jedoch bereits nahezu abgegrast. Nicht umsonst sagte Prof. Dr. Klaus Nathusius in seinem Interview auf Gründerszene, dass die Welt eigentlich kein weiteres Flirtportal benötigt. Damit ist man schon bei einer ersten notwendigen Unterscheidung angelangt, denn Flirten ist nicht gleich Flirten: Partnervermittlung wird von Portalen wie PARSHIP, Elitepartner oder Be2.de betrieben. Das bedeutet, die User melden sich mit einem Profil an und können dann komplexe Eignungstest ausfüllen, um sich über ihr soziales Profil klar zu werden, dem sich dann ausgefeilte Matching-Verfahren zur Partnersuche anknüpfen. Partnervermittlungsportale funktionieren also im Prinzip wie Vermittlungsagenturen, nur dass der Matching-Vorgang automatisiert und durch wissenschaftlich ausgearbeitete Fragebögen vereinfacht wird. Plattformen wie neu.de, meetic, FriendScout24 oder Flirtcafe sind hingegen Flirt- bzw. Datingplattformen, bei denen die User Profile anlegen und direkt miteinander kommunizieren, ohne dass ein fundierter Matching-Algorithmus einen Einfluss ausüben würde.

Gleichzeitig lässt sich mit dem Partnerbegehren der Deutschen aber auch gutes Geld verdienen, wie bereits existierende Ansätze beweisen. Im Jahr 2007 haben allein Online-Singlebörsen bundesweit einen Umsatz von 65,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Dabei gestaltet sich der Markt der Partnervermittlung derzeit so, dass drei große Player das Feld dominieren: Der erfolgreichste mit gut neun Millionen Mitgliedern ist PARSHIP, der durch seinen wissenschaftlich fundierten Persönlichkeitstest einen Großteil des Markts erschloss. Verdient wird über eine Premium-Mitgliedschaft sowie über Gebühren für die Erstellung des Persönlichkeitstests. PARSHIP wird durch die PARSHIP GmbH geführt, welche zum Großteil Holtzbrinck Networks und Holtzbrinck Ventures sowie der Trojanika GmbH und dem Zeitverlag gehört. Die Trojanika GmbH mit Sitz in Köln ist eine Gesellschaft ohne direkte Anbindung an das übrige European Founders Fund-Imperium und gehört allein Alexander Samwer. Daneben hat es Be2.de zu großem Erfolg, zirka zwei Millionen Mitgliedern und zuletzt guten Bewertungen gebracht. Last but not least stellt Elitepartner das entsprechende Pendant zu PARSHIP aus dem Hause Burda dar. Um genau zu sein, wird Elitepartner durch die EliteMedianet GmbH geführt, welches ein Unternehmen der TOMORROW FOCUS AG ist. Dieses wiederum gehört mehrheitlich zur Hubert Burda Media. Elitepartner hat rund 1,5 Millionen aktive Mitglieder und weist ebenfalls einen spezialisierten Matching-Algorithmus anhand sozialer Daten auf.

Über ihre PARSHIP-Beteiligung mit der Trojanika GmbH konnten die Samwer-Brüder schon einen guten Eindruck vom Partnervermittlungsbusiness gewinnen und es ist augenscheinlich, dass sowohl PARSHIP (Holtzbrinck) als auch Elitepartner (Burda) als langfristige Investments, die hohe Gewinne abwerfen und daher nicht zum Verkauf stehen, fest in Konzernhand sind und bleiben. Be2.de hingegen hat in letzter Zeit massiv an Wert zugelegt, sodass eine Beteiligung teures Geld kosten würde. Der Einstieg in den Markt für Partnervermittlungsportale gestaltet sich dementsprechend schwer. Die zwei Alternativen lauten sich teuer bei be2.de einkaufen oder selbst eine neue Plattform gründen. Genau diesen Ansatz verfolgen die Samwer-Brüder nun zurzeit mit ihrem neuen Portal „eDarling“. Ein Blick in den Handelsregisterauszug der offiziell von der „Jade 853. GmbH“ geführten Plattform zeigt, dass 87% von Jade der Rocket Internet GmbH gehören. Rocket selbst gehört als Tochter der European Founders Fund GmbH & Co. KG und somit wiederum dem EFF-Imperium an. Rocket ist der Inkubator der Jamba-Brüder, mit dem sie sich unter dem Radar an jungen Unternehmen beteiligen und auch aktives Team Building betreiben. Geschäftsführer von eDarling ist Frank Biedka, ein Senior in der Branche, der bereits bei iLove und MyVideo tätig war. Man darf gespannt sein, wie sich eDarling in Konkurrenz zu den anderen Portalen entwickelt. Zumindest ist ja entsprechendes Knowhow bereits vorhanden.