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Die Unu-Gründer Elias Atahi, Pascal Blum und Mathieu Caudal

Das Berliner Startup Unu hat für seinen elektrischen Roller erneut Kapital erhalten. Bei der jüngsten Finanzierung seien 7,5 Millionen Euro zusammen gekommen, sagt Gründer Pascal Blum gegenüber NGIN Mobility. Die Runde wurde von Capnamic Ventures und dem französischen VC Iris Capital angeführt. Auch US-Investor Michael Baum hat sich erneut beteiligt, sowohl privat als auch mit seiner im Silicon Valley ansässigen Beteiligungsfirma Founder.org.

Neu hinzu gekommen sind die NRW.Bank sowie einige Privatinvestoren aus der Automotive- und Consumer-Electronics-Branche. Das 2013 von Elias Atahi, Pascal Blum und Mathieu Caudal gegründete Unternehmen Unu hatte zuletzt 2015 rund 1,5 Millionen Euro eingesammelt.

Neue strategische Investoren seien bewusst nicht an Bord geholt worden, sagt Blum, „obwohl wir einige Angebote hatten“. Das junge Unternehmen wolle sich ungern von den Strukturen großer Automotive- oder Technologie-Konzerne abhängig machen, so der Gründer. „Die ganze Zuliefererkette ist ein komplexes Thema, wir machen das ähnlich wie Mercedes oder VW, nur eben digital und viel automatisierter.“ Dadurch könne das Startup sehr viel schneller agieren, erklärt Blum.

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Das Berliner Startup hat einen eigenen E-Roller entwickelt und lässt einen Großteil der Komponenten in China produzieren. Der Vertrieb erfolgt online, wodurch Händlermargen entfallen. Für Probefahrten schickt das Startup Mitarbeiter, auch Pioniere genannt, zu den potenziellen Kunden. Neben der reinen Hardware hat Unu ein deutschlandweites Netzwerk an Partnerwerkstätten aufgebaut, um bei Reparaturfällen Unterstützung vor Ort bieten zu können.  

Unu expandiert in zwei weitere Märkte

Ein Teil des frischen Kapitals werde für die Überarbeitung des Fahrzeugs aufgewendet, so der Gründer. Außerdem solle massiv in Frankreich und die Niederlande investiert werden. Mit weiteren 50 Partnerwerkstätten seien dort bereits Verträge geschlossen worden. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Ende des Jahres die Hälfte unseres Umsatzes in den neuen Märkten machen werden“, so der Gründer. Die Nachfrage sei schon jetzt vorhanden.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Startup eine Wachstumsrate von 725 Prozent. Wie viele Kunden es bereits mit einem Roller versorgt hat, möchte Blum nicht verraten. Nur so viel: „im guten einstelligen Tausender-Bereich.“ Neuerdings ist Unu auch im B2B-Geschäft tätig. So werde beispielsweise das Münchner Startup Personio mit Rollern beliefert, die allen ihren Mitarbeitern Fahrzeuge zur Verfügung stellen, erzählt der Gründer. 

Wann Unu ins US-Geschäft einsteigt, werde derzeit evaluiert, so Blum. Die amerikanischen Investoren hätten zwar bereits starkes Interesse signalisiert, doch gleichzeitig weise der Markt noch einige Hürden auf. Zum einen sei in manchen Staaten noch ein zusätzlicher Führerschein für Roller erforderlich – anders als hierzulande, wo jeder mit einem Autoführerschein auch einen Roller mit bis zu 50 ccm fahren darf. Zum anderen spiele auch die derzeitige politische Lage ein Rolle: Solange nicht klar ist, ob die USA höhere Import-Zölle verlangen wird, werde Unu noch abwarten.

Erste Details zum neuen Unu-Roller

Der Rest des Investment werde zur Weiterentwicklung neuer Produkte verwendet, sagt Blum. Unu plant, seine neue Roller-Generation ans Internet anzuschließen. „Mit vernetzten Fahrzeugen lassen sich ganz andere Geschäftsmodelle fahren, etwa beim Sharing, wenn der Zugang zum Fahrzeug über die Software gesteuert wird“, sagt der Gründer. Vor 2018 sei mit dem neuen Modell nicht zu rechnen.

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Ein Wettbewerber ist Gogoro, dessen Roller auch vom Leihservice Coup genutzt werden. Trotz allerhand Sensoren sind dessen Roller nicht mit dem Internet verbunden. Der von Bosch auf die Beine gestellte Leihservice Coup hatte anfänglich Probleme bei der Kompatibilität mit unterschiedlichen Android-Betriebssystemen.

Grund hierfür war die Bluetooth-Verbindung, um die Roller freizuschalten. Dieses Problem könnte Unu mit einem vernetzten Roller von vornherein anders angehen – mit einer Verbindung übers Internet und nicht über Bluetooth.

Wir waren bei Unu zu Besuch, haben mit dem Gründer gesprochen und uns den E-Roller erklären lassen:

 

Bild: Chris Marxen/Gründerszene