Bei Rocket passiert gerade viel – Führungskräfte haben die Firma verlassen, der Aktienkurs ist drastisch eingebrochen. Doch Oliver Samwer pocht darauf, dass alles läuft, wie es soll.

Auf dem Kapitalmarkttag in London hatte Rocket im vergangenen Oktober neben den Halbjahreszahlen auch die jüngsten Startups im Portfolio vorgestellt. Gründerszene erstellte eine Übersicht mit allen Neulingen, darunter Caterwings, Vaniday, Lyke und weitere. Die Zukunft des Inkubators soll im Bereich Kleinanzeigen liegen, außerdem im Mobilitätssektor und im Bereich Essen und Einkaufen, zeigte die Liste.

Doch was ist aus den Rocket-Küken geworden, die im Oktober angekündigt wurden? Wir haben nachgeschaut.

Disrupting Classifieds I: Vaniday – expandiert

Wie bei dem britischen Wahanda können auf der im Frühjahr 2015 gestarteten Plattform von Vaniday Schönheits- und Wellnessbehandlungen gebucht werden. Ende Juli hatte das von Maxime Legardez geführte Startup ein Investment über 15 Millionen Euro bekommen. Rocket bewertete das Startup daraufhin im Oktober mit 20 Millionen Euro. Mitte Dezember vergangenen Jahres verkündete das Unternehmen seinen Start in Singapur. Außerdem ist Vaniday nach eigenen Angaben bereits in Russland, Italien, Brasilien, Australien und den Vereinigten Emiraten aktiv. Die Namen der Investoren verrät Rocket auf Nachfrage nicht.

Zu den Mitarbeiterzahlen gibt Rocket Internet ebenfalls keine Auskunft – es heißt lediglich, für alle 2015 gestarteten Ventures arbeiteten mittlerweile 150 Leute. Laut LinkedIn-Seite sind bei Vaniday mindestens 50 Mitarbeiter angestellt.

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Disrupting Classifieds II: Lyke – gestartet

Das Venture Lyke ist Ende 2015 in Indonesien gestartet, bisher ist das der einzige aktive Markt. Nutzer sollen aktuelle Trends über die App entdecken und direkt bestellen. Konkurrent ist die chinesische Shopping-App Koudai, die mehr als eine Milliarde wert sein soll.

Disrupting Classifieds III: Carspring – stagniert

Das Venture Carspring kauft gebrauchte Autos und verspricht seinen Kunden einen unkomplizierten Weiterverkauf. Dafür wird laut Unternehmen jeder Wagen anhand von 200 Punkten gecheckt und anschließend zum Verkauf auf die Website gestellt. Sollte sich kein Käufer finden, verspricht das Startup, das Auto selbst zu kaufen. Bisher ist das Unternehmen, das von den Ex-McKinsey-Beratern Peter Baumgart and Maximilian Vollenbroich geleitet wird, weiterhin nur in Großbritannien aktiv. Der Start in Berlin war bereits für den Herbst geplant, es gibt aber nach wie vor keine deutsche Webseite. Zu Details gibt Rocket keine Auskunft.

Carspring würde in Deutschland mit der hoch bewerteten Auto1Group und mit dem Portal IchwillmeinAutoloswerden.de des Unternehmens Dealerdirect konkurrieren, an dem Rocket ebenfalls beteiligt ist. Carspring wurde mit drei Millionen Euro von einem unbekannten Investor finanziert.

Disrupting Classifieds IV: Sparklist – expandiert

Sparklist, ein mobiler Second-Hand-Marktplatz, ist Anfang November in Pakistan gestartet. Das Flohmarkt-Erlebnis soll wie bei Ebay Kleinanzeigen, Shpock oder Stuffle in eine App verpackt werden. Global Managing Director und Gründer von Sparklist ist Nalla Karunanithy. Khizr Imran Tajammul leitet die Geschäfte in Pakistan. Außerdem ist das Unternehmen auf den Philippinen aktiv.

Disrupting Classifieds V: Vendomo – geschlossen

Mit Vendomo wollte Rocket – wie auch andere Startups – von einer Gesetzesänderung profitieren, nach der nun meistens der Vermieter den Makler zahlen muss. Der Gedanke: die Maklergebühr sparen und die Vermittlung der Immobilien günstiger anbieten. Zu den Wettbewerbern zählten Firmen wie Immomio, Mietercasting.de und WunderAgent. Zum Jahreswechsel wurde Vendomo allerdings überraschend eingestellt. Noch Mitte Dezember priesen die beiden Geschäftsführer Erik Fasten und Sascha Meskendahl im Telefonat mit Gründerszene das Rocket-Venture an. Im Frühjahr 2016 dürfte bereits eine Finanzierungsrunde anstehen, verkündeten sie. Daraus wird nun nichts. „Mit der Schließung verbunden wurden auch fünf Mitarbeiter, die einen Vertrag bei Vendomo hatten, entlassen, um sich auf andere Themen bei Rocket Internet zu konzentrieren“, hieß es von Rocket zu dem Aus.

Disrupting Food and Groceries: Caterwings – expandiert

Caterwings ist ein B2B-Marktplatz und verbindet Caterer mit Firmen oder Privatkunden, die Gerichte für fünf bis 500 Personen benötigen. Für die Kunden sollen bei einer Buchung keine zusätzlichen Kosten anfallen. Von den Caterern verlangt das Unternehmen allerdings für jeden vermittelten Auftrag eine Provision, die flexibel verhandelt wird. Das neue Venture startete im Oktober in London. Die Expansion nach Deutschland, Österreich und Schweiz war für den November geplant.

Seit einigen Tagen ist nun deutsche Webseite von Caterwings verfügbar, dieses Jahr solle laut Rocket im deutschsprachigen Raum expandiert werden. Mitgründer Alexander Brunst, der das Startup gemeinsam mit Sebastian Kloss führt, sagt gegenüber Deutsche Startups, auch der skandinavische Markt sei interessant. Laut Bericht arbeiten heute 30 Mitarbeiter für Caterwings. Ursprünglich sollten es bis Anfang dieses Jahres 60 Mitarbeiter sein.

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Disrupting Travel I: ZenRooms – gestartet

ZenRooms, ein Portal für Budget-Hotels ist Anfang November in acht Städten in Singapur, Thailand und Indonesien gestartet. Gegründet wurde das Unternehmen von Nathan Boublil und Kiren Tanna, früher Asien-Chef von Foodpanda und CEO von Rockets Asia Pacific Internet Group. Im Juni investierten die beiden Ex-Airline-Manager Sanjay Aggarwal und Kaneswaran Avili eine Million US-Dollar.

Disrupting Travel II: DriveJoy – gestartet

Mit DriveJoy hat Rocket Anfang 2015 einen Drivy-Klon in Großbritannien auf die Straße gesetzt. Der private Carsharing-Dienst, der sich noch in der Beta-Phase befindet, hat laut Stellenausschreibungen seinen Sitz in London und wird „von Rocket Internet unterstützt“.

Titelbild: Gettyimages/KTSDESIGN