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Urlaubsguru-Gründer Daniel Krahn und Daniel Marx (von links)

Das Startup Urlaubsguru ist eigentlich der Inbegriff eines Digitalunternehmens. Das Portal vermittelt Schnäppchen-Reisen – analog war die ersten Jahre an dem Geschäftsmodell des jungen Unternehmens nichts. Doch seit einiger Zeit berät Urlaubsguru nun auch Kunden vor Ort – persönlich und nicht digital.

Wieso geht das Startup offline? Immer wieder seien Kunden in der Niederlassung der Firma in Holzwickede bei Dortmund aufgetaucht, erzählt Mitgründer Daniel Krahn im Gespräch mit Gründerszene. Das führte dazu, dass das Startup vor einem Jahr begann, Kunden offiziell vor Ort zu beraten.

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„Wir liegen mit unserem Büro in einem abgelegenen Industriegebiet, aber trotzdem kommen immer wieder Menschen zu uns, die ihre Reise persönlich buchen wollen“, erklärt Krahn. „Das waren überwiegend etwas ältere Kunden, mit ihnen haben wir uns dann an einen Schreibtisch gesetzt und ihre Reisen gebucht.“ Einige der Kunden reisten gar aus dem etwa eineinhalb Stunden entfernten Köln an.

Nun geht Urlaubsguru noch einen Schritt weiter – und eröffnet im April ein Reisebüro in der Stadt Unna im Ruhrgebiet. Acht Mitarbeiter werden in den Laden übersiedeln, wo sie künftig Kunden beraten und Buchungen vornehmen. Sollten sich keine Reiseinteressierten im Laden befinden, werden die Mitarbeiter wie zuvor auch Onlineanfragen bearbeiten.

„Bei uns findet man keine verstaubten Kataloge, sondern VR-Brillen“

Gründer Krahn betont, er sehe den Urlaubsguru-Laden nicht als typisches Reisebüro. Das Offline-Geschäft biete lange Öffnungszeiten, etwa von neun Uhr morgens bis 21 Uhr abends, damit Berufstätige Zeit für einen Besuch haben. Und: „Bei uns findet man keine verstaubten Kataloge, sondern VR-Brillen.“ Krahn sagt, Urlaubsguru sei nicht an Veranstalter gebunden und könne den Kunden somit objektiv bei der Reisesuche helfen. Auch das unterscheide sein Unternehmen von branchenüblichen Reisebüros, sagt er.

Dass Urlaubsguru ausgerechnet einen Shop eröffnet, ist bemerkenswert. Denn jahrelang wurde den Reisefilialen das Aussterben nachgesagt, auch aufgrund der Online-Konkurrenz. Doch seit einiger Zeit sprechen Medien plötzlich von einem Comeback. So schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung etwa, dass die Zahl der Reisebüros im Jahr 2015 leicht anstieg. Nutzten Kunden die stationären Anbieter, sei dies oft für Pauschalreisen, die neben dem Flug zum Beispiel auch den Hotelaufenthalt beinhalten.

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Wie Urlaubsguru so erfolgreich wurde

120 Angestellte, Standorte in vier Ländern und seit dem Start gebootstrappt. Wie die Urlaubsguru-Gründer Daniel Krahn und Daniel Marx das geschafft haben.

Darauf ausgelegt Geld zu verdienen, sei das Ladenkonzept von Urlaubsguru nicht, sagt Krahn. „Wir müssen nicht den Angeboten mit der höchsten Marge hinterherjagen, weil wir die Kosten des Stores mit anderen Einnahmen ausgleichen können.“ Stattdessen wolle man die Kundenzufriedenheit erhöhen und diese dazu bewegen, zu Urlaubsguru zurückzukehren, wenn sie ihre nächste Reise buchen wollen. Seit dem Start vor fünf Jahren arbeitet das Startup profitabel, Geld von Investoren haben die beiden Gründer nie aufgenommen.

Läuft der Test erfolgreich, sind weitere Läden geplant

Doch wieso eröffnet das Reisebüro ausgerechnet in der Stadt Unna? Die beiden Gründer Daniel Krahn und Daniel Marx kommen beide aus der Stadt und auch der Urlaubsguru-Firmensitz ist im nahe gelegenen Holzwickede. Die Marke sei in der Region bekannt. „Die Stadt wird unser Test sein, um Erfahrungen zu sammeln. Bei einem positiven Ergebnis, werden wir auch woanders Stores eröffnen.“

Neben Urlaubsguru betreiben die Gründer gemeinsam mit ihren 150 Mitarbeitern noch Plattformen wie Schnäppchenfee sowie Prinz Sportlich. Neben der Hauptzentrale in Holzwickede betreibt das Startup Büros in Wien und Rio de Janeiro, ein weiteres in Polen musste das Team vor Kurzem schließen, weil die Seite dort nicht funktionierte. Genau wie die portugiesische wurde sie nach einem Jahr stillgelegt. „In Polen hatten wir zwar viele Besucher auf der Seite, doch wenige Buchungen“, erzählt Krahn. „Viele von ihnen waren wegen der niedrigen Preise skeptisch, sie glaubten, da lief etwas falsch.“ Aktiv ist Urlaubsguru nun in zehn Ländern.

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Hier entsteht das Reisebüro von Urlaubsguru

Bilder: Uniq; Hinweis: Der Artikel wurde nach der Veröffentlichung am 21. Februar um 18 Uhr einige Zeit offline genommen, um die Infos zu Urlaubsgurus Beratungen im Büro in Holzwickede angepasst und aktualisiert.