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Holidaypirates-Gründer und -Geschäftsführer Igor Simonow

Urlaubspiraten: Community im Fokus

Urlaubspiraten präsentiert seit 2011 mehrmals täglich ausgewählte Reise-Deals. Über zwei Millionen Facebook-Fans verraten, dass hinter dem naiven Blog-Layout ein ernstzunehmendes Unternehmen stecken muss.

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Holidaypirates, das Berliner Startup hinter dem Angebot und betrieben in Partnerschaft mit dem E-Commerce-Inkubator 6Minutes Media, beschäftigt nach eigenen Angaben mittlerweile 30 Mitarbeiter und verzeichnet etwa vier Millionen Unique Visitors pro Monat und über eine Millionen App-Downloads. Neben Deutschland gibt es Lokalisierungen in den USA, Großbritannien, Österreich, Italien, Niederlande, Frankreich und Polen.

Gründerszene traf den Gründer und Geschäftsführer von Holidaypirates, Igor Simonow, im Rahmen des Connected-Mobility-Programms der Hy! auf der IFA.

Igor, was macht Urlaubspiraten genau?

Wir erstellen Reise-Deals, schauen dafür im Internet mit einem unabhängigen Auge nach den besten Angeboten und präsentieren die unseren Usern.

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Könnt Ihr garantieren, dass Eure angespriesenen Deals auch wirklich so stattfinden?

Das sind alles Angebote von großen Seiten und es kann natürlich sein, dass das Angebot nach wenigen Minuten bereits ausverkauft ist.

Wenn die User mit einem externen Angebot unzufrieden sind, werden sie sicherlich trotzdem auch auf Euch zurückkommen.

Wir leben von unserer Community. Wenn sie feststellt, dass ein Angebot schlecht ist, besteht die Möglichkeit, das zu kommentieren. Wir schauen uns Kommentare ganz genau an und reagieren. Wenn ein Problem mit einem Reiseanbieter besteht, dann kontaktieren wir den Anbieter oder setzen ihn auf unsere Black-List.

Das klingt alles sehr händisch. Gibt es auch Automatismen?

Wir gehören zu der Spezies von Handwerkern im Internet. Das hat den Vorteil, dass man uns schwer kopieren kann. Wir sind eine Gruppe von Travel-Geeks, die sich tagtäglich auf dem Reisemarkt befindet und haben natürlich auch ein paar Tricks und Kniffe, die wir anwenden. Aber ansonsten ist alles noch sehr persönlich – und so soll es auch bleiben.

Was für Tricks und Kniffe?

Zum Beispiel ist es bei der Flugsuche normalerweise sehr schwer, gute Angebote zu finden. Da haben wir einen guten Erfahrungsschatz und wissen, wie man beispielsweise über Gabelflüge sparen kann.

Ihr monetarisiert Euch wahrscheinlich hauptsächlich über Affiliate, oder sind auch Kooperationen ein Thema?

Es ist vor allem Affiliate-Marketing, weil es das ehrlichste Marketing ist und man nur Geld bekommt, wenn man dem Verbraucher ein vernünftiges Angebot präsentiert hat. Klar gibt es auch Reiseveranstalter, die Kooperationen mit Geldfluss mit uns eingehen wollen. Das verstößt allerdings gegen unsere Richtlinien, da wir unabhängig bleiben wollen. Wir haben auch keine Banner auf unserer Webseite. Auf der anderen Seite haben wir bald unsere Booking Engine, mit der man selbst nach Reisen suchen kann. Die dritte Säule ist der Reisefinder, wo User kostenlos eine Reiseanfrage stellen können, von denen dann Offline-Reisebüros profitieren.

Kann man in Eurem Bereich überhaupt weiter wachsen, außer über Produkterweiterungen?

Das wichtigste ist, dass man immer am User bleibt. Wie leben davon, dass die Leute über unsere Seite sprechen. Unsere User kommen über Mund-zu-Mund-Propaganda und Social-Media-Kanäle. Wir haben also viel Potenzial nach oben.

Ihr habt mit etwa 2,4 Millionen eine enorme Anzahl an Facebook-Fans. Ist das wirklich alles organisch gewachsen?

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Diese Anzahl der Fans ergibt sich aus dem Merge aller unserer internationaler Seiten zusammen. Aber ja, das ist für den Reisemarkt eine große Anzahl an Fans. Wir haben da nicht nachgeholfen und nur normales Online-Marketing betrieben, aber auch nicht viel investiert. Wir haben immer versucht, die spannendsten Facebook-Geschichten mitzunehmen, waren beispielsweise einer der ersten, die Facebook Offers verstanden haben. Genauso sind wir immer bemüht zu verstehen, was Posts mit Bildern bringen, was Posts mit Links bringen und so weiter. Auf der anderen Seite ist es auch sehr einfach, da Reise-Content gerne geteilt wird.

Ist Facebook dann Eurer wichtigster Kanal?

Am Anfang, ja. Aber mittlerweile haben wir mehr User, die direkt auf unsere Seite kommen. Urlaubspiraten ist mittlerweile eine bekannte Marke geworden.

Das schaffen nicht viele  junge Unternehmen.

Uns geht es vorallem um den User. Wir könnten noch so viel optimieren, noch so viel mehr Einnahmen erzielen, etwa durch Banner auf der Seite oder Angebote im Newsletter. Wir könnten sicherlich 30 Prozent mehr Einnahmen erwirtschaften, aber würden damit User vergraulen. Dass die Seite zu kommerzialisiert ist, das ist nicht unser Ziel. Die User sollen sich bei uns Zuhause fühlen. Der Kunde ist König, auch online – und das haben viele Startups einfach nicht verstanden.

Ihr wollt auch kein Venture Capital aufnehmen?

Wir wollen frei sein, unsere eigenen Ideen nach vorne zu bringen. Es wäre zudem ein Problem, wenn man einem VC sagt, wir machen das hier, damit sich unsere User wohl fühlen. Es gibt keinen Wohlfühl-index, den man Investoren präsentieren könnte. Deshalb schauen wir, dass wir mit unseren eigenen Mitteln so weit kommen, wie es geht.

Hier geht es um das Thema Conntected Mobility. Wie tangiert Euch das?

Wir sind eine Art Influencer vom Reisemarkt. Wir wissen, was der Reisende will. Wir können den Mobility-Unternehmen gutes Feedback im Bereich Endkunden geben.

Wäre das nicht auch ein mögliches zweites Monetarisierungs-Standbein: Beratung im B2B-Bereich?

Nein (lacht). Das brauchen wir nicht. Wir sind voll und ganz zufrieden.

Igor, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Georg Räth / Gründerszene.de