Zum Ende des letzten Jahres waren es vor allem viele Berliner Internet-StartUps, die plötzlich Cold Calls von jenseits des großen Teichs erhielten. Verschiedene größere US-Investoren machten es sich zum Konzept, Firmen proaktiv anzusprechen, um mit jenen Jungunternehmen in Kontakt zu kommen, die eigentlich kein Geld brauchen. Denn diese sind oft die besten ‚Ziele‘ aus Sicht eines VCs – kein Geld zu brauchen ist aus wirtschaftlicher Sicht ja ein hohes Gütekriterium. Die besten Firmen sind oft die, die aus eigenen Mitteln wachsen können (aber vielleicht andere Gründe zur Kapitalaufnahme haben).

Zur Umsetzung dieses Verfahrens erschaffen verschiedene internationale Player Büros mit 20 bis 30 Analysten, die nichts anderes als Kaltakquise zur Aufgabe haben. Die Mission: geeignete Investitionsobjekte finden – und von nicht geeigneten möglichst viel Informationen ziehen – und das ohne die Investment-Kriterien vorher transparent zu machen.
Ein Beispiel für einen großen US-Player, der auf ein ähnliches Verfahren setzt, ist Insight Venture Partners – ein drei Milliarden Wachstums-Equity-Investor, der sich auf das Software- und Internet-Geschäft fokussiert hat und besonders durch seine Investments in Firmen wie Twitter oder Threadless schmückt.
Klar ist es da aus psychologischer Sicht beeindruckend, wenn ein großer Geldgeber aus New York City anruft, der schon Twitter zu Geld verholfen hat. Als junger Unternehmer fühlt man sich plötzlich wichtig und geschmeichelt und opfert gerne seine Zeit und sein Wissen. Wenn es plötzlich heißt “[we] are interested in making an investment in, providing liquidity for or acquiring the business” übersieht man schnell, dass das Gegenüber womöglich einfach nur Informationen zieht, ohne die befragten StartUps darüber zu informieren, was die Investitionskriterien sind. Denn oft wird nur ein Minimum von zehn oder noch besser 20 Millionen US-Dollar investiert, vorzugsweise in Firmen mit mittleren zweistelligen US-Dollar-Umsätzen.
Klingelt demnächst also das Telefon und ein Ostküstenakzent meldet sich, sollte man zumindest Vorsicht walten lassen, was man als junger Gründer mit europäischen Erfahrungen erzählt und wie viel davon. Einem jeden US-Investor Informations-Vampirismus zu unterstellen wäre wohl zu viel des Guten, nach Transparenz hinsichtlich der Investitionskriterien und -Absichten zu fragen, kann dennoch nicht schaden.
Dabei geht es nicht nur um die Informationen, die man preisgibt, sondern auch um das höchste Gut eines Unternehmers: die eigene Zeit. Und diese opfert man oft an einen Analysten der zum Beispiel bei Insight nichts zu sagen hat, und selbst gerade frisch von der Schulbank kommt.

[...] auf: Gründerszene.de – Infos für Gründer, Unternehmer, StartUps …Weiterlesen auf: Gründerszene.de – Infos für Gründer, Unternehmer, [...]
Ach, das ist ja einmal ein überaus interessanter Artikel! Die erwähnten VCs hatten sich hier auch gerade gemeldet, allerdings per Mail & mit fixer Absage ohne großes Grübeln unsererseits. Danke für die Einordnung!
Der vorletzte Absatz ist doppelt.
LG
@Monty Berlin: Danke für den Hinweis.
VG
Matthias
Ich bin der Meinung, dass man mit allen sprechen sollte und wenn jemand richtig Kapital dahinter hat, so ist dies sicherlich interessanter als sich von den bekannten deutschen Investoren ausquetschen zu lassen. US Investoren haben in der Regel tiefere Taschen und verlangen keine Praktikantenkultur. Pauschal sollte man von daher das nicht abhandeln.
@sebastian: in der Theorie sehr richtig. In der Praxis: weisst Du von auch nur EINEM deal, den ein US VC in Deutschland gemacht hat? Bin gespannt… :)
Insight Venture Partners hat sich in Europa an http://www.privalia.com beteiligt.
@Lukasz
3i aus UK in zig Startups / TA in Ecircle…aber egal natürlich hast Du Recht. US Investoren investieren am Liebsten lokal und in Firmen, die zuerst den US Markt einnehmen und dort das Potential ausspielen. Der typisch deutsche Gründer macht sich jedoch auch oft nicht die Mühe seine Gründung international auszurichten bzw. sich an US/UK Investoren zu wenden, die er in der Regel sowieso nicht wirklich versteht.
Long story short…ich bin gegen Pauschalisierungen. Die Ostküsten VC Szene ist viel zu interessant als Sie einfach so “abzubügeln”. :)
[...] aus den USA Gründerszene schreibt über mysteriöse Cold-Calls aus den Staaten. Der Beitrag äussert den Verdacht, es gehe bei Kontaktaufnahmen mindestens eines [...]
Macht es nicht gerade darum Sinn, den Herren aus Übersee eine öffentliche Kommunikationsplattform zu bieten? Ich bin mir sicher das auch diese eine große Hemmschwelle haben, hier auf dem Markt zu agieren. Das ist auch für die ein fremder Markt. Denen geht es da wie uns.
Unsere Gründer sollten früh auch den Übersee-Markt in Betracht ziehen und ebenfalls sollte man der amerikanischen VC-Szene einen Einstieg gewähren. Warum denn nicht über einen deutschen VC. Die drei lustigen Brüder machen es mit einer Bündelung von fremden Investments in Europa doch schon (fast) vor.
Sollte ich falsch liegen, es ist früh am Morgen… :-)
@lukasz Did you already forget that a US VC by the name of Accel invested in Spreadshirt, which also happens to be in Germany if I’m not mistaken. (Yes, via their UK vehicle but a US VC nevertheless!) :-)
Insight has done deals in Europe as have many other US VC’s. I was co-invested with Telesoft for example, a valley VC, on a deal in Bergisch Gladbach.
I agree with the article that digging for competitive intelligence is bullshit. Every entrepreneur should be forewarned of this information fishing. At the same time, you’re basically going to be in a similar situation when engaging any investor who needs to get details about your company in order to determine whether further analysis is necessary.
Mir wird aus dem Beitrag nicht wirklich deutlich was denn letztlich die Motive für die US VCs sein sollen? So wie ich es verstehe versuchen sie mit viel Manpower an für sie geeignete Unternehmen zu kommen. Ich sehe da kein Problem und ob es ein deutscher VC oder ein US VC ist, wachsam muss man so oder so sein.
Ich finde oftmals die hinhalte Taktik gerade auch der deutschen Investoren oftmals viel kritischer als einen solchen cold call. Dies zum Thema “Zeitverlust”
Daher mein Wunsch für einen möglichen Artikel: “Woran erkennt man ob ein Investor wirklich Interesse hat oder nicht”. Dazu würde ich mich hier sehr gerne einmal austauschen.
[...] “USA Calling” – Vorsicht vor Informationsvampiren aus der VC-Szene Zum Ende des letzten Jahres waren es vor allem viele Berliner Internet-StartUps, die plötzlich Cold Calls von jenseits des großen Teichs erhielten. Verschiedene größere US-Investoren machten es sich zum Konzept, Firmen proaktiv anzusprechen, um mit jenen Jungunternehmen in Kontakt zu kommen, die eigentlich kein Geld brauchen. Denn diese sind oft die besten ‘Ziele’ aus Sicht eines VCs – kein Geld zu brauchen ist aus wirtschaftlicher Sicht ja ein hohes Gütekriterium. Die besten Firmen sind oft die, die aus eigenen Mitteln wachsen können (aber vielleicht andere Gründe zur Kapitalaufnahme haben). Gründerszene [...]
@Andreas Ebert: die Motive sind, dass die Analysten über Märkte lernen und Unternehmen dann auf dem langfristigen Radar haben.
@Paul J.: Accel UK hat in Spreadshirt investiert. Die cross economics zwischen dem UK und dem US fund sind auf General Partner Ebene nahezu nicht vorhanden.
@Karsten S.: ja, es wäre super, wenn wir mehr US VC hätten, die hier aktiv sind.
@Sebastian: 3i ist wier dur richtig schreibst UK. TA ebenfalls.
@Jochen: richtig, privalia! Ist aber ein growth deal, kein VC sondern eher PE (wobei die Übergänge fliuessend sind und im engeren Sinne VC eine Unterkategorie von PE).
Niemand hat etwas gegen US VC’s und ich denke, wir alle sind uns einig, dass es schön wäre, wenn sie hier aktiver sind. Können wir nur alle von profitieren. Der Punkt in dem Artikel ist, dass ein Growth VC infos von early stage companies zieht, ohne denen transparent zu machen, dass er ein growth VC ist. Klar, ein sehr guter Unterehmer merkt das schnell, ohne dafür einen Gründerszene Artikel zu brauchen…