Claudine Oldengott mit ihrer Erfindung, der Velo-Easy-Fahrrad-Schließbox

Bei dieser Erfindung fragt man sich: Warum gibt es sie nicht schon lange? Eine Schließbox am Bahnhof für Fahrräder, die sich mit dem Smartphone öffnen lässt. Ungefähr so wie ein Kofferschließfach, nur größer. Seit einer Woche steht das erste Exemplar am Bahnhof Berlin-Lichtenberg, weitere Boxen in ganz Berlin sollen bald folgen. In einem Jahr könnten die Schließrondelle an Bahnhöfen in allen deutschen Städten stehen.

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Erfunden hat sie Claudine Oldengott. Dreimal während ihrer Studienzeit wurden der Berlinerin schon die Fahrräder gestohlen. Die naheliegende Idee, eine Schließbox für Fahrräder, entwickelte sie daraufhin – schon vor fünf Jahren – zusammen mit ihrem Vater, der Stahlbaumeister ist. Die Baupläne waren damals noch völlig ohne den Gedanken an eine mobile Bedienung durch das Smartphone und lagen erst einmal eine Weile in der Schublade.

So lange bis Claudine Oldengott ihren jetzigen Mitgründer und damaligen Nachbarn Marco Hinz bei einem Spaziergang kennenlernte und über die Idee sprach. Hinz, ein Gründer mit Erfahrung, war sofort begeistert von der Idee. Nur wenige Monate später, im September 2015, gründeten die beiden zusammen die Smart Urban Solutions GmbH und holten Partner an Board: Ein Stahlbauunternehmen in Brandenburg und ein Softwareunternehmen aus Berlin. Bereits im November war der Prototyp fertig.

Die erste serienreife Box wurde vor etwa einer Woche am Bahnhof Berlin-Lichtenberg aufgestellt. Den ersten Standort wählte das Startup aus, weil dort nach der Recherche der Gründerin die meisten Fahrräder in Berlin gestohlen würden: ungefähr 1.000 im Jahr, so Oldengott im Gespräch mit Gründerszene.

Die Box wird per App reserviert, geöffnet und bezahlt: Ein Euro in der ersten und 80 Cent für die zweite Stunde, drei Euro pro Tag; bald soll es auch Monatstarife für Pendler geben. Zum Vergleich: Ein großes Kofferschließfach der Deutschen Bahn kostet pro Tag fünf Euro. In der Velo-Easy-Box hat neben dem Fahrrad auch ein großer Rucksack Platz.

Seit der Eröffnung vor einer Woche kämen Anfragen aus ganz Deutschland, so die Gründerin. Zunächst werde man sich allerdings auf Berlin konzentrieren. Berlinweit seien schon Stellplätze bewilligt, in einem Jahr will Oldengott ihre Box an 300 Standorten in der Hauptstadt aufstellen. Dann könne man anfangen, die Fahrradschließfächer auch anderen Städten anzubieten.

Langfristig will Oldengott über die Landesgrenzen expandieren. Ihre Motivation und den Gründerinnengeist hat sie, so sagt sie selbst, aus dem Valley mitgebracht. Die junge Frau studierte dort in einem internationalen Master-Programm European Business Studies. Seitdem konzentriert sie sich voll auf Velo Easy. Das Unternehmen ist momentan durch Eigenkapital unter Beteiligung der Software- und Stahlbauunternehmen finanziert.

Bild: Velo Easy