Obwohl Berlin als Startup-Hauptstadt Deutschlands gilt, hinkte die Stadt im europäischen (und internationalen) Vergleich bislang etwas hinterher. Doch das ändert sich offenbar. Die Berliner Szene kann auf ein Jahr ernst zu nehmender Investitionen zurückschauen: In der deutschen Hauptstadt konnten Startups 2014 mehr als zwei Milliarden US-Dollar einsammeln.

Anderthalb Milliarden Dollar Risikokapital wurden hingegen in London investiert. Das hat eine von der Zeitung Die Welt in Auftrag gegebene Studie des Branchendienstes DowJones VentureSource herausgefunden.

Vor vier Jahren sah das noch anders aus: Damals fanden Venture-Capital-Investitionen in einer Höhe von knapp 175 Millionen Dollar statt. In London waren es fast 400 Millionen Dollar mehr.

Auch das erste Quartal dieses Jahres offenbart beeindruckende Zahlen: Während in London 850 Millionen Dollar investiert wurden – zweieinhalb Mal mehr als vor einem Jahr –, kam die Szene in Berlin auf 840 Millionen Dollar. Das ist mehr als dreimal so viel wie im ersten Quartal 2014.

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Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 115 Investitionen in Berliner Startups, ein Jahr zuvor waren es noch 101. Zwar liegt London bei der Anzahl der Finanzierungen immer noch vorn. Aber der Abstand zwischen beiden Hauptstädten wird geringer. Im vergangen Jahr wurden in London 175 Startups finanziert, in dem Jahr zuvor waren es fünf mehr. Vor vier Jahren fanden in beiden Städten noch deutlich weniger Venture-Capital-Investitionen statt: Damals waren es 111 in London – und nur 31 in Berlin.

In London ist das gesamte Kapital offenbar besser auf viele Startups verteilt. In Berlin dagegen gibt es einige wenige Unternehmen, die große Stücke der Investments an sich reißen, wie zum Beispiel Delivery Hero. Allein 2014 sammelte der Berliner Lieferdienst 525 Millionen US-Dollar ein.

Die Berliner Branchen, die am meisten Geld abbekamen, sind wenig überraschend: Laut Studie floss mehr als eine Milliarde in Startups aus dem Segment Consumer-Dienstleistungen. Die andere Milliarde floss in den Bereich Geschäfts- und Finanzdienstleistungen. In London floss 2014 680 Millionen Dollar in das gleiche Segment. Der Ruf der Stadt als europäisches Finanzzentrum sowie die Offenheit der Regierung gegenüber neuen FinTech-Lösungen sei für London als FinTech-Hub ausschlaggebend, sagt Eileen Burbidge vom Risikokapitalgeber Passion Capital gegenüber Die Welt. Außerdem: Viele Banker, die nach der Finanzkrise ihren Job verloren haben, gründeten daraufhin selber. Oft mit dem Ziel, Probleme zu lösen, die sie aus ihrer Zeit bei Finanzinstitutionen kannten.

Bilder: RICOWde / Getty Images und Peter Zelei Images / Getty Images, Montage: Gründerszene, Grafiken: Die Welt. Disclaimer: Die Welt ist Teil des Axel-Springer-Verlags. Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com