Ein Fachbeitrag von Dennie Liemen, Versicherungsexperte bei VersicherungsCheck24.

Ein großer Schritt in der Gründungsphase ist die Suche nach den richtigen Versicherungen. Wichtig ist vor allem die Krankenversicherung. Selbständige können zwischen dem Eintritt in die private oder in die gesetzliche Krankenversicherung (PKV oder GKV) wählen. Dabei ist nicht immer entscheidend, wie viel Gehalt am Ende des Monats übrig bleibt, sondern viel mehr die berufliche Situation, der eigene Gesundheitszustand oder auch die Familienplanung.

Bevor Gründer mit ihrem Anliegen zu einem Berater des Vertrauens gehen, können sie selbst einen unverbindlichen PKV-Vergleich machen und danach Kosten und Leistungen der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber stellen.

Gesetzliche Krankenversicherung für Gründer

Meist sind Unternehmer vor der Gründung gesetzlich versichert. Es kann sich anbieten, dort versichert zu bleiben, da besonders die ersten Gründungsjahre mit erhöhtem finanziellen Risiko behaftet sind. Egal, ob das Startup eigen- oder fremdfinanziert ist: Einbußen und finanzielle Engpässe sollten eingeplant werden, springt beispielsweise ein Investor ab. Schließlich möchten die Krankenkassen weiterhin ihre Beiträge erhalten.

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Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung wird der Monatsbeitrag für die GKV auf Basis des einheitlichen Beitragssatzes von 14,6 Prozent des reellen Einkommens, beziehungsweise basierend auf der Beitragsbemessungsgrenze berechnet (zuzüglich eines krankenkassenindividuellen Zusatzbeitrags). Für 2016 beträgt der Höchstbetrag der Bemessungsgrenze 4.237,50 Euro und der Mindestbetrag 2.178,75 Euro. Verdient man als Gründer weniger als den Mindestbetrag, kann unter Umständen die Bemessungsgrenze auf 1.452,50 Euro reduziert werden. In jedem Fall muss das Einkommen mittels Steuerbescheid nachgewiesen werden, sonst nimmt die Krankenkasse den Höchstbetrag der Grenze als Berechnungsgrundlage.

Verzichtet man auf den Anspruch auf Krankengeld, kann der Beitragssatz von 14,6 Prozent auf 14 Prozent gesenkt werden. Auch hier kommt zu dem Beitragssatz noch ein krankenkassenindividueller Zusatzbeitrag. Ohne Anspruch auf Krankengeld sollten Gründer oder Selbstständige eine zusätzliche Krankentagegeld-Versicherung in Betracht ziehen, um für den finanziellen Ausgleich bei krankheitsbedingtem Verdienstausfall zu sorgen.

Dank des Solidarprinzips spielen die gesundheitliche Vorgeschichte oder chronische Erkrankungen keine Rolle. Sind Kinder in Planung oder hat man schon die eigene Familie gegründet, kann der Nachwuchs und unter Umständen auch der Ehepartner kostenlos in der Familienversicherung mitversichert sein.

Private Krankenversicherung für Gründer

Entscheiden sich Gründer für den Eintritt in die private Krankenversicherung, werden folgende Faktoren für die Höhe ihres Beitrages berücksichtigt: Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und individuelle Leistungswünsche. Ist man also jung, gesund und rechnet mit einem guten Einkommen, bietet die PKV Vorteile für Gründer. Die Leistungen lassen sich individuell an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anpassen, die Versicherungstarife sind zumeist niedriger als in der GKV, besonders für junge und gesunde Neukunden.

Aber: Jahr für Jahr stehen Beitragserhöhungen in der PKV an, unter anderem bedingt durch gestiegene medizinische Kosten. Hier haben Versicherte die Möglichkeit ihren Tarif intern bei gleichbleibenden Altersrücklagen und ähnlichen Leistungen anzupassen oder auch die Versicherungsgesellschaft komplett zu wechseln. Bei einem Wechsel steht zunächst wieder die Gesundheitsprüfung an und eventuell entstehen erste finanzielle Einbußen, da Altersrücklagen entweder gar nicht oder nur zum Teil übernommen werden.

Fazit

Die Wahl der Krankenversicherungen sollte gut durchdacht werden. Der Wechsel aus der gesetzlichen in die private Versicherung ist jederzeit möglich. Der Wechsel von der PKV zurück in die GKV hingegen ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Junge und gutverdienende Gründer sind meist in der privaten Krankenversicherung besser aufgehoben. Wer aber Kinder und Familie versorgen muss, sollte vorher gut überlegen und vergleichen, welche Leistungen zu welchen Kosten gebraucht werden. Als Faustregel gilt, besonders in der PKV, seinen Vertrag alle fünf Jahre genau zu prüfen. Denn mit Wachstum des eigenen Unternehmens oder dem familiären Zuwachs entstehen neue und andere Bedürfnisse, für die auch neue Versicherungstarife existieren.

Bild: Gettyimages/Tom Merton