Ein Beitrag von Dennie Liemen, Versicherungsexperte bei VersicherungsCheck24.

Startups arbeiten auf viele Baustellen: von der Finanzierung über die Personalbeschaffung und Produktentwicklung bis hin zum Vertrieb. Was oft vernachlässigt wird, ist die Absicherung des Unternehmens im Falle von Schäden durch Dritte oder an Dritten.

Neben der wichtigen Betriebshaftpflicht- oder der Geschäftsinhaltsversicherung gibt es noch diese drei Versicherungen, von denen jeder Gründer zumindest gehört haben sollte.

Die Cyber-Risk-Versicherung

In Zeiten vermehrter Hackerangriffe auf Firmen und Institutionen ist die Absicherung der eigenen IT sehr wichtig. Vielen Startups ist nicht bewusst, welche Risiken in der eignen IT-Infrastruktur stecken. Vor allem Jungunternehmen, die mit Kunden- und Bezahldaten hantieren, sollten dieses Thema auf ihrer Agenda nach ganz oben stellen. Abgesichert sind in der Versicherung nicht nur Hacks, sondern auch andere Datenpannen – zum Beispiel eine solche wie im Falle von Kreditech, wo Unbekannte einen Weg zu den vertraulichen Daten fanden, ohne das System direkt zu infiltrieren.

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Nicht erst seit das neue IT-Sicherheitsgesetz in Kraft getreten ist drohen Unternehmern horrende Bußgelder. Sobald bei einem Cyber-Angriff Zahlungsdaten betroffen sind, sieht das Bundesdatenschutzgesetz eine Informationspflicht bezüglich der Datenpanne vor. Kommt man dieser nicht oder verspätet nach, ist ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro möglich.

Braucht jedes Startup diese Versicherung?

Vor allem für Startups, die mit Nutzer- und Bezahlungsdaten arbeiten, empfiehlt sich eine Absicherung gegen Cyber-Risiken. Die Versicherung bietet in diesem Fall nicht nur finanziellen Schutz, sondern unterstützt auch mit dem Wissen von Experten – sei es durch Krisenmanager, IT-Forensiker oder Juristen. Auch durch Betriebsunterbrechung entstandene finanzielle Ausfälle werden durch die Versicherungen abgedeckt.

Ab wann ist diese Versicherung nützlich?

Es muss je nach Unternehmen geprüft werden, ob ein Abschluss sofort notwendig wird. Ein treffender Vergleich, der in der Branche häufiger geäußert wird, lautet: „Die Cyber-Risiken sind die Feuerrisiken des 21. Jahrhunderts.“ Lieber absichern, anstatt auf dem Schaden sitzen zu bleiben.

Die D&O-Versicherung

Die Directors&Officers-Versicherung ist vorrangig für Führungskräfte eines Unternehmens gedacht. Damit sind nicht nur Entscheider auf C-Level, also CEO oder CFO gemeint, sondern auch Abteilungsleiter mit eigenständigen Entscheidungskompetenzen.

Entscheidungen auf Unternehmensebene sind oft von großer finanzieller Bedeutung. Das gilt vor allem für junge Unternehmen, die mit disruptiven Geschäftsideen häufiger risikofreudige Entscheidungen zu treffen haben. Im Schadensfall können die beteiligten Personen mit ihrem privaten Vermögen haftbar gemacht werden. Dieses Wissen hindert Mitarbeiter in Leitungspositionen oft daran, wichtige Entscheidungen zu treffen, die mit finanziellem Risiko behaftet sind.

In Deutschland gibt es circa 84.000 Rechtsvorschriften, die sich mit Unternehmungen beschäftigen. Da einen Überblick zu behalten, ist kaum möglich. Schnell können also Schäden nach Entscheidungen entstehen, die anders hätten getroffen werden müssen oder bei deren Findung Fehler begangen wurden, die hätten vermieden werden können. In diesen Fällen fordern betroffene Unternehmen immer häufiger Schadensersatzzahlungen von ihren Managern oder Partnern.

Es gibt zwei Arten zur Absicherung: Entweder versichert das Unternehmen seine Führungskräfte – oder die Führungskraft versichert sich individuell. Jeder Arbeitnehmer mit eigenständigen Entscheidungskompetenzen kann sich unabhängig vom Arbeitgeber mit einer persönlichen D&O-Versicherung absichern.

Braucht jedes Startup diese Versicherung?

Mit einer D&O-Versicherung im Rücken fällt es Führungskräften leichter, Entscheidungen zu treffen. Zudem wirkt sich eine Absicherung mittels Managerhaftpflicht positiv auf das Risikomanagement aus.

Ab wann ist diese Versicherung nützlich?

Im Optimalfall sollte die D&O-Versicherung zur Gründung der Unternehmung abgeschlossen werden. Somit können vorvertragliche Schäden mit abgesichert werden. Fehlverhalten, welches während der Gründungsphase unwissentlich stattfand und im späteren Verlauf dem Startup schadet, wäre somit abgedeckt.

Die M&A-Versicherung

Bei der Mergers&Acquisitions-Versicherung handelt es sich um die in Deutschland noch am wenigsten bekannte der hier erwähnten Versicherungen. Vor allem große Konzerne sichern so ihre Unternehmenskäufe und -verkäufe ab. Die M&A-Versicherung kann als Ergänzung zur D&O verstanden werden. Jeder Exit oder jede Fusion birgt ein gewisses Haftungs- und Schadensrisiko. Erst nach dem Signing zeigen sich zum Teil unternehmensgefährdende Risiken, wie zum Beispiel bei nicht eintretenden Steuervorteilen.

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Braucht jedes Startup diese Versicherung?

Diese Versicherung sollten Startups im Gedächtnis behalten, die gezielt auf einen Exit hinarbeiten. Eine M&A-Versicherung ist keine Langzeit-Absicherung wie die Cyber-Risk-Versicherung. Sie wird für jeden Einzelfall anhand zusammengetragener Informationen gezielt entworfen, geprüft und abgeschlossen.

Ab wann ist diese Versicherung nützlich?

Die Mergers&Acquisitions-Versicherung wird erst notwendig, wenn der Verkauf des Unternehmens so gut wie in trockenen Tüchern ist. Vor allem Käufer äußern in der Regel den Wunsch nach einer Absicherung des Kaufvertrages. Daher wird erst in diesem Fall die Due-Diligence-Prüfung veranlasst und ein entsprechender Versicherer gesucht. Im Vergleich zu den anderen Versicherungsangeboten muss diese auch nicht gekündigt werden, da sie nach einer vereinbarten Laufzeit ausläuft.

Fazit

Der Versicherungsmarkt ist groß, das Startkapital in der Regel schmal. Dennoch sollten die einzelnen Versicherungen gut durchdacht sein. Der finanzielle Schaden eines Cyber-Angriffs oder die Schadensersatzansprüche eines Kapitalgebers lassen sich in den seltensten Fällen ohne Probleme wegstecken.

Bild: erhui1979 / Getty Images