Falk Wolsky

Im folgenden das Original-Interview von Seedmatch mit Falk Wolsky. Nur Teile, in denen es um Dritte geht, wurden entfernt oder anonymisiert.

Seedmatch: Hallo Falk, es ist nun leider offiziell: Die Insolvenz von VibeWrite konnte nicht mehr abgewendet werden. Was ist seit Dezember passiert und warum konntet ihr keinen Investoren für die Weiterführung des Unternehmens finden?

Im Dezember und im Januar hat das Entwickler-Team fast normal weiter gearbeitet. In dieser Zeit haben Daniel, Alex und ich viele Gespräche mit möglichen weiteren Investoren geführt, so zum Beispiel nochmal mit Faber Castell, Lamy oder Munich Venture Partners. Eine Mitarbeiterin hat zeitglich nochmals auf dem schriftlichen Weg knapp 30 VCs angeschrieben. Ebenso im Dezember wurden die ersten 300 Plastik-Teile für den Stift geliefert und die neueste Generation der Embedded-Computer.

In den Gesprächen ging es um die Weiterführung von VibeWrite. Tendenziell müsste man denken, dass gerade Stift-Hersteller ein großes Interesse an einem Produkt wie dem Lernstift haben sollten. Tatsächlich wurde auch Interesse ausgedrückt. Jedoch sind die Hersteller von Stiften in einem ganz klassischen Geschäftsumfeld. Computer in einem Stift ist für diese Firmen ein ganz neues “Universum”. Die damit einhergehende Unsicherheit – vor allem in Fragen des tatsächlichen Investitionsbedarfs bis zu einer Marktreife – war am Ende eine unüberwindbare Hürde.

Vergleichbares ist bei den Kontakten auf VC-Seite abgelaufen. Wie man an der Insolvenz von Tollabox sieht, sind selbst gut laufende Gespräche mit VCs keine Garantie für ein Investment. In unserem Falle war es die fehlende Marktreife bzw. fehlende zukünftige Vertriebspartner, welche z.B. bereits LOIs gezeichnet hätten um die tatsächliche Nachfrage zu untermauern. In Deutschland gibt es nur sehr wenige VCs, welche in Hardware-Themen investieren. Zudem haben wir in Deutschland ein zurückhaltendes Investitionsklima. “Wir finden Ihre Idee sehr spannend und wollen sehr gern investieren – jedoch erst, wenn der Markteintritt erfolgreich stattgefunden hat”. Das war ein häufiges Feedback. In Deutschland haben wir dank Rocket-Internet noch immer eine stark eCommerce geprägte Investitionsbereitschaft. Zu den aktuellen Trend-Themen für VCs wie “Big-Data, FinTech und IoT” passte Lernstift auch nicht richtig. Egal also wie unglaublich interessant eine Basis-Technologie wie die von VibeWrite sein mag – ohne Markteintritt – ohne klar nachweisbares Kauf-Interesse in größeren Volumen – ist VibeWrite zu “heikel” für ein Investment in der Größe, wie wir es gesucht haben. Wir haben es mit anderen Worten nicht geschafft eine gute „Equity-Story“ zu entwickeln.

Seedmatch: Wie konnte es grundsätzlich zu der Situation kommen? Was waren die Gründe dafür, dass ihr zahlungsunfähig wurdet?

Zur Zahlungsunfähigkeit ist es aus zwei wesentlichen Gründen gekommen. Zum einen wegen strategischen unternehmerischen Entscheidungen. Zum anderen wegen der Unplanbarkeit des Cashflows innerhalb der Laufzeit eines Crowdfunding-Projektes. Schauen wir uns die Planbarkeit zuerst an. Kritik wird geäußert, dass wir nicht richtig geplant hätten. Solange wir allein durch Crowdinvesting – also auch über Seedmatch – Finanzmittel für das Unternehmen bekamen, war eine Planbarkeit nicht gegeben! Es muss allen bewusst sein, dass bis zum Abschlusstag des Seedmatch-Projektes unklar war, wie viel Investment wir durch Seedmatch letztlich bekommen werden! Wie soll man dies auf Monats- oder Quartals-Ebene planen? Es blieb uns in den Monaten Mai bis Oktober nichts anderes übrig als täglich auf die Entwicklung bei Seedmatch zu schauen und zugleich parallel weitere Investoren zu suchen.

Wir hatten das Ziel zwischen 500tsd. bis 1 Mill. EUR zu erreichen. Dazwischen kann Erfolg oder Misserfolg des ganzen Projekts liegen. Schaut man sich die im Businessplan (im April) vorgelegten Zahlen genau an, so gehen wir in dem Cashflow-Plan von 750tsd. EUR aus, die wir mit Seedmatch erreichen wollten. Spätestens ab Juli wäre bei genauer Prüfung der von uns vorgelegten Zahlen durch die Investoren die die Frage nach dem Cashburn offensichtlich gewesen. Solche Fragen haben wir jedoch erst nach dem Ende des Projektes im Oktober von drei der 600 Investoren erhalten. Oder anders formuliert: Die zu große Abhängigkeit des Cashflows vom Crowdinvesting-Projekt war offenbar den Investoren trotz vorgelegtem Cashflow und Businessplan nicht bewusst oder wurde nicht beachtet.

Die Lehre für uns und andere Startups: Führe nie ein Crowdinvesting durch, von dessen Ausgang deine Finanzplanung während deiner Geschäftstätigkeit abhängig ist. Oder anders: Führe nur ein Crowdinvesting durch, wenn es sich um „zusätzliche“ Mittel handelt, von denen das Unternehmen NICHT abhängig ist. Damit kommen wir zu einer der wichtigen unternehmerischen Entscheidungen: Ich hatte strategisch entschieden, den Finanzbedarf des Unternehmens, den ich für mich auf etwa 2Mill. EUR (bis Marktreife) geschätzt hatte zu einem möglichst großen Teil durch Crowdinvesting zu realisieren. Das war mir deswegen wichtig, weil es sehr häufig vorkommt, dass Business-Angels, die bereits investiert haben, ein Hemmnis bei der Folgefinanzierung darstellen. Diese strategische Entscheidung machte es mir über die gesamte Dauer des Projektes unmöglich eine Finanzplanung mit realistischem Cash-Flow aufzustellen, die weiter reichen würde als 4-8 Wochen! Das bedeutet, dass wir von Anbeginn des Startups immer an der Zahlungsunfähigkeit „entlang geschrammt“ sind. Mit anderen Worten hätte ich ohne Risiko – also mit den kühlen Augen eines Controllers gearbeitet – hätte ich nie Mitarbeiter einstellen, oder z.B. Hostingverträge abschließen dürfen!

Die zweite unternehmerische Entscheidung, die Anteil an der Insolvenzanmeldung durch die IHK hat – ist eine Abwägung der Prioritäten! Was ist aus Sicht des Unternehmens und aus Sicht der Investoren bei einem Startup das Werthaltigste? Korrekt: Das Team. „Team first“ war meine unternehmerische Entscheidung. Ich habe sämtliche Gelder die zur Verfügung standen immer in folgender Reihenfolge verwendet: 1) Mitarbeiter, 2)Technische Dienstleister, 3) Buchhaltung & Rechtsberatung, 4) Sozialversicherungs-Abgaben & Steuer. Denn: Ohne Team kein Startup. Ohne Technik kein Produkt. Ohne Rechtsberatung und Buchführung „werden Probleme kommen“. Diejenigen, welche am wenigsten direkt von einem Zahlungsverzug betroffen sind – bei denen also der Schaden – kurzfristig gesehen – am geringsten ist – sind Krankenkassen und Finanzämter, welche Milliarden-Überschüsse einfahren. Bevor ich also auch nur einen einzigen Mitarbeiter entlassen muss, habe ich zunächst den Zahlungsverzug ggü. Krankenkassen riskiert. Denn mit jedem Mitarbeiter, der gehen müsste ist nicht nur der Team-Zusammenhalt und Motivation in Gefahr – sondern auch das Wissen und die Lösungen, in welche die Investoren eigentlich investiert haben. Ich hatte eine alternative Lösung diskutiert – die Gehälter aller Mitarbeiter um z.B. 1/3 zu reduzieren. Damit hätten wir im Sinne einer „VibeWrite Family“ handeln können. Jedoch konnte ich diesen Ansatz nicht durchsetzen.

Eine weitere unternehmerische Entscheidung war „Speed“. Ein „Dach-Patent“, das der Natur nach nicht „stark“ ist, hilft dem Startup nicht in den ersten kritischen 2-3 Jahren. Es ist natürlich wichtig Patente anzumelden und dann jeweils den neuen erreichten Technologie-Stand z.B. innerhalb des Dachpatentes aufzufüllen. Jedoch ist eine der wirksamsten Strategien für den Erfolg „Speed“. Nur wenn man sehr schnell im „time to Market“ ist, hat man eine Chance, sein Produkt als Leader zu platzieren. Aus diesem Grund habe ich eine Strategie gewählt, die auf Geschwindigkeit in der Entwicklung setzt und zeitgleich einen Markteintritt vorbereitet. Geschwindigkeit in der Entwicklung hieß bei VibeWrite 6 Mitarbeiter in den zentralen Wissens-Gebieten, welche von der gleichen Anzahl Werksstudenten unterstützt werden. Jede Verkleinerung des Teams hätte zugleich einen zeitlichen Verlust bedeutet, der es Konkurrenten möglich machen würde ein ähnliches Produkt schneller zu entwickeln.

Seedmatch: Was viele Investoren fragen: Wie konnte das Kapital in so kurzer Zeit verbraucht werden.

Das Kapital wurde nur scheinbar in so kurzer Zeit verbraucht. Es ist ganz einfach eine falsche Annahme, welche hinter dieser Vermutung steckt. Die Investoren haben das Gefühl, dass die Seedmatch-Gelder nach Abschluss des Projektes zur Verfügung stehen. Tatsächlich haben wir aber seit Mai in Tranchen die Gelder bereits verwendet. Die Rechnung sieht in Wirklichkeit ganz anders aus… Wir hatten das besondere Glück durch private Investoren insgesamt 1.2 Mill. EUR an Mitteln zu erhalten. Dies haben wir im Zeitraum von November 2012 bis November 2014 im Sinne der Investoren und der Produkt-Entwicklung ausgegeben. Das bedeutet, dass wir 1.2 Mill. EUR in 24 Monaten ausgegeben haben – also einen durchschnittlichen Cashburn von 50tsd. EUR hatten. Das ist für ein Hardware-Startup absolut realistisch. Weil nicht nur Mitarbeiter Kosten erzeugen, sondern auch Rechtsberatung, Patent- und Marken-Aufbau sowie vor allem die Kosten der Hardware-Entwicklung selbst.

Seedmatch: Wofür wurde das eingesammelte Kapital eingesetzt?

Das Kapital wurde zum überwiegenden Teil für die Mitarbeiter eingesetzt. Die Entwickler haben insgesamt knapp 3GB an Sourcecode- und Test-Daten realisiert. Das Software-Umfeld ist im Rahmen von Handschrifterkennung sowie den komplexen mathematischen Berechnungen überaus umfangreich. Ich kann nur ausdrücken, dass man sich das Entwickeln der Anwendung des Lernstift viel zu einfach vorstellt.

Die Ausgaben haben sich monatlich wie folgt verteilt:
Salaries 67%
Marketing 3%
IT 1%
Office, Orga & Expenses 7%
Legal / Accounting 7%
Product Development 7%
Product Licenses 4%
Patent & Brand 4%

Seedmatch: Die Crowd wirft dir vor, dass du ihre Gelder nicht dem Vertragszweck entsprechend eingesetzt hast und dass Du deine Quartalszahlen aus diesem Grund zurückhältst – es wird auch von Betrug gesprochen. Was sagst Du dazu?

Ich wundere mich über diesen Vorwurf im Sinne der Tatsache, dass ich bereits mehrfach den Grund dafür dargelegt hatte. Den ersten Quartalsbericht konnte ich nicht in der korrekten Zeit erstellen lassen, weil die Buchhaltungs-Kanzlei unserem Projekt anscheinend eine sehr geringe Priorität hat zukommen lassen. Ich habe sehr häufig die nötigen Unterlagen angemahnt, geliefert und via eMail und Telefonaten nachgefragt – jedoch nicht erhalten. Durch die Insolvenz macht nun die Kanzlei von Ihrem Zurückhaltungs-Recht Gebrauch und verlangt eine „Vorausbezahlung“ aller Aufwände bevor auch nur ein Bericht deren Haus verlässt. Ich hatte den Insolvenzverwalter ebenso mehrfach um die Berichte gebeten – dieser hat jedoch außer der Übergabe der Lohnbuchhaltungs-Daten keinen weiteren Leistungen zugestimmt. Ich lade die Investoren gern ein das benötigte Geld aufzubringen, um sich die Berichte erstellen zu lassen.

Seedmatch: Wie stehst Du zu dem Vorwurf von einigen Investoren, dass Ihr schon zu Fundingbeginn falsche Zahlen präsentiert bzw. bestehende Verbindlichkeiten verschwiegen hättet?

Dieser Vorwurf ist nicht nachvollziehbar. Ich hatte sowohl für die Verbindlichkeiten als auch für die laufenden Kosten einen guten Überblick, als ich die Cashflow Planung mit der Controlling-Beratungs-Firma zusammengestellt hatte. Die Zahlen sind im Tausender-Bereich korrekt. Es gibt die öffentliche Aufstellung, wie wir die Mittel verwenden. Dieser Aufstellung sind wir gefolgt! So wurde eine Agentur aus Hamburg z.B. mit der Erstellung eines Branding und Webshop-Konzepts beauftragt. Dieses liegt zum großen Teil auch bereits vor, kam aber nie zur Anwendung. Ebenso wurden die Gelder bestimmungsgemäß für den Ausbau des Handelsvertriebs-Netzes verwendet. Eine unserer Mitarbeiterinnen hat sich bis zu Kündigung im November ausschließlich darum gekümmert und wir waren auf wichtigen Veranstaltungen in London, München, Hamburg und Berlin anwesend.

Seedmatch: Hättet ihr früher die Reißleine ziehen und eure Ausgaben minimieren können? Vor dem Hintergrund ist für einige Investoren wichtig, zu erfahren, wie du als Geschäftsführer persönlich mit der schwierigen finanziellen Lage umgegangen bist, d.h. ob du deine eigene Vergütung angepasst hast und was du getan hast, um die Kosten im Zaum zu halten?

Diese Frage ist mit der vorher beschriebenen strategischen Abwägung von mir im Prinzip schon beantwortet. Ja, man hätte weitere Kosten reduzieren können. In der Tat haben wir seit Juni bereits viele nötige Ausgaben vermieden! Auf Seite der Mitarbeiter habe ich jedoch entschieden eher weitere Werks-Studenten einzustellen um mehr Entwicklungs-Geschwindigkeit zu erreichen. Kosten im Bereich Patent, IT, Marketing sowie Rechtsberatung haben wir vermieden – was sich zum Beispiel damit rächt, dass wir die errungenen technologischen Neuheiten noch nicht zum Patent angemeldet haben!

Seedmatch: Du sagst, dass Du selbst keinen Einblick in Deine Zahlen hast und entsprechend deinen Reportingpflichten nicht nachkommen konntest. Wie kann das sein? Der Insolvenzverwalter wird doch sicher eure Zahlen vorliegen haben.

Trotz wiederholter Nachfrage beim Insolvenzverwalter und Beauftragung (ab Sommer 2014) beim Dienstleister liegen mir bis heute tatsächlich keine Zahlen vor. Schlimmer noch – alle Unterlagen sind physisch in Berlin beim Dienstleister. Auf die inzwischen gekündigten Firmenkonten habe ich ebenso keinen Zugriff mehr. So irrealistisch es klingt – ich habe keine exakten Zahlen und Berichte vorliegen. Es gibt jedoch Konto-Auszüge in elektronischer Form bis November. Jedoch habe ich weder das Fachverständnis noch die zeitliche Möglichkeit diese Kontoauszüge in sinnhafte Berichte zu verarbeiten. Ich hatte in die Investoren-Crowd nach Hilfe für Buchhaltung gefragt – jedoch keine Rückmeldung dazu bekommen…

Seedmatch: Bislang konntet ihr euren Investoren noch keine Quartalszahlen liefern. Der Insolvenzverwalter wird doch aber sicher eure Zahlen vorliegen haben. Könnt ihr diese nicht für eure Crowd aufbereiten und damit erheblich zur Klärung der Ereignisse beitragen?

Die Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter ist „ganz ok“ – jedoch sicher wegen der vielen Aufgaben des IV manchmal etwas schleppend. Ich hatte wie bereits ausgedrückt nach Berichten angefragt – jedoch keinerlei Berichte erhalten. Ob dem IV inzwischen Zahlen vorliegen weiß ich leider nicht.

Seedmatch: Kommunikativ seid ihr in den letzten Wochen auf Tauchstation gegangen. Entsprechend verärgert war und ist eure Crowd. Was war der Grund dafür, dass ihr den Kontakt zu euren Investoren erstmal abgewiesen habt? Auf Facebook warst Du ja durchaus aktiv.

Diese Frage hatte ich bereits in einem der Investoren-Updates auf der Plattform vorweg im Dezember beantwortet. Zum einen war die dringende Empfehlung und Bitte von den Anwälten und vom Insolvenzverwalter keine Informationen nach außen zu geben. Im Dezember und Januar ging es ja fokussiert darum einen Investor oder Käufer zu finden. Hier ist Vorsicht in der öffentlichen Darstellung angesagt. Zum anderen hatte ich bereits im Dezember klar ausgedrückt, dass die Vermutungen haltlos sind und auf Unwissen bzw. ungeprüften Annahmen basieren. Daher hatte ich deutlich um eine Kommunikationspause bis Ende Januar gebeten. Es gibt ein echtes „schwarz/weiß“ Gefälle in den Meinungen. Alle Investoren und Partner, die mich und uns persönlich kennen, sprechen uns Mut zu und äußern sich zwar unglücklich und unzufrieden – jedoch mit versöhnlichem Ausdruck. Wir haben es versucht! Die Risiken waren ebenso bewusst und ausgedrückt.

Viele Investoren jedoch, die uns nicht kennen – und seltsamerweise auffällig jene, die relativ wenig investiert haben – gehen mit fester Meinung von einem sehr negativen Blickwinkel aus. Betrugsvorwürfe werden laut. Bei den nun folgenden Prüfungen vor Gericht werden sich praktisch alle Vorwürfe als unbestätigt erweisen und es wird zusätzliche Energie und Geld verschwendet. Dies werde ich allerdings wohl nicht verhindern können… Die Staatsanwälte jedoch werden sowohl den Straftatbestand der Insolvenzverschleppung als auch der Nichtbezahlung von Sozialversicherungsbeträgen finden und entsprechen bestrafen.

Wegen der Durchgriffshaftung werde ich zusätzlich Schulden mit mehr als 100tsd oder vielleicht auch 200tsd EUR bekommen. Jeder sollte nun für sich abwägen, ob das Scheitern unseres Projekts, die „verlorenen 2 Jahre“, sowie die Strafverfahren und Schulden genug der Strafe sind. Psychologisch gesehen kann ich die Wandlung des Frustes, die Konzentration auf mich als einzigen Schuldigen sowie die „Reinigung des Frustes“ über Bestrafung im Grunde nachvollziehen. Mir bleibt nichts übrig als dies entsprechend zu ertragen.

Seedmatch: Was hat es mit „Curlybeans“ auf sich? Scheinbar hast Du im Dezember / Januar noch ein neues Unternehmen gegründet?

Im Gegensatz zu meinen Mitarbeitern habe ich mit Anmeldung der Insolvenz nur ein kleines Überbrückungs-Geld erhalten um die Fortführung des Unternehmens zu versuchen. Neben den zurück-gehaltenen Kosten (wie vorher beschrieben), hatte ich seit August bereits den Rotstift bei mir selbst angesetzt. Um auf Schwierigkeiten reagieren zu können, haben wir die Anstellung der drei Gründer zeitlich nach hinten

gelegt und weiter als Freelancer gearbeitet und Leistungen ggü. der VibeWrite UG in Rechnung gestellt. Ich hatte einen recht niedrigen Tagessatz (Consulting-Typisch sind 1200 EUR) von 600 EUR angesetzt und nur etwa 1/3 meiner Arbeits-Zeit in 2013 und 2014 überhaupt berechnet. Ab August 2014 habe ich dies zusätzlich sukzessive nochmals halbiert.

Bereits im Oktober war dadurch meine eigene Haushalts-Situation derart in Schieflage, dass wir eine Kündigung der Wohnung hinnehmen mussten und einen Not-Umzug vorbereiteten. Ich bin gegenüber einer Ehefrau und drei wunderbaren Jungs verpflichtet. Ich muss also Geld verdienen – wie jeder Andere auch. Dazu habe ich begonnen über eine Möglichkeit „nach VibeWrite“ nachzudenken. Im Dezember beschränkte sich mein Zeitlicher Aufwand auf das Registrieren einer Domain sowie dem Post auf Facebook. Im Januar habe ich etwa 10 Stunden dafür in privater Zeit aufgewendet.

Seedmatch: Wie viele Seedmatch-Investoren sind von der Insolvenz betroffen und wie geht es für diese jetzt weiter?

Alle Seedmatch-Investoren sind betroffen. Weil die Verträge als qualifiziert nachrangiges Darlehn gestaltet sind, wird es für die Seedmatch-Investoren auf einen Total-Ausfall hinauslaufen. Diese schwere Schuld werde ich mit mir tragen müssen. Ich habe es nicht geschafft dies zu verhindern…

Seedmatch: Gibt es noch Möglichkeiten Vibewrite nach der Insolvenz weiterzuführen oder stellt ihr den Geschäftsbetrieb ein?

Der Geschäftsbetrieb wurde mit 01.02.2015 eingestellt. Für die Firma VibeWrite UG gibt es derzeit keine Perspektive einer Fortführung. Jedoch ist es jederzeit möglich, dass ein Investor oder Unternehmen aus der Masse die Technologie herauskauft und eigenständig verwertet. Gleiches gilt für Patent und Marke.

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