Vibraa

Andreas Stockburger (l.) und Marc Schlegel aus Gailingen betreiben Vibraa im schweizerischen Flums

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Hey, wir sind Andreas (28) und Marc (26), zwei Uniabsolventen, die seit Mai an eigenen Projekten arbeiten, statt sich zu bewerben. Wir betreiben Vibraa.de (www.vibraa.de) – den informativsten und stilvollsten Love-Toy-Shop im deutschsprachigen Raum. Mit Vibraa wollen wir das Thema gerade für Leute zugänglicher machen, die noch nicht so viele Erfahrungen damit haben – denn bis vor zwei Jahren hatten wir selbst keine Ahnung und fanden bestehende Informationsquellen überhaupt nicht ansprechend. Das Projekt entstand komplett in Eigenregie, wir machen alles selbst und haben Vibraa mit nur 271 Euro aufgebaut.

Ihr seid nicht der erste Online-Shop für Sex-Toys. Was macht den Markt so interessant und was macht ihr anders als zum Beispiel Amorelie, die ja ebenfalls auf einen ästhetischen Shop-Look setzen?

Sex-Toys waren bisher nicht sexy. Sie hatten immer dieses Rotlicht-Schmuddel-Image. Wir haben aber durch eine Vielzahl von Gesprächen und Feedbacks gemerkt, dass das Thema interessiert und fasziniert. Es liegt ein enormes Potenzial in diesem Markt, wenn man stilvoll und angenehm auftritt. Wir hören aber nicht bei ansprechendem Design auf: Wir verkaufen nicht nur schönes „Werkzeug“, sondern erklären auch, wie es geht.

Auf guide.vibraa.de informieren wir professionell und umfassend darüber, was es alles gibt, was zu dir passt und vor allem, wie’s funktioniert. Zudem beschränken wir uns auf eine sehr limitierte Auswahl an qualitativ hochwertigen Produkten – damit du garantiert zufrieden bist, egal was du dir aussuchst!

Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

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Wir studierten beide in St. Gallen, lernten uns aber erst vor drei Jahren über einen gemeinsamen Freund kennen. Seither haben wir unzählige Ideen entwickelt, leider aber nie so richtig was auf die Schiene bekommen. Die Idee zu einem stilvollen Online Love Store entstand an Neujahr 2011/2012 in Budapest und dieses Mal setzten wir sie parallel zum Master auch tatsächlich um. Am 3. Dezember 2012 gingen wir live. Daraufhin beschlossen wir, ein Entrepreneurial Year zu machen – ein Jahr “Auszeit”, um eigene Ideen und Projekte umzusetzen und Vibraa weiter voranzutreiben.

Wie haben eure Eltern auf eure Geschäftsidee reagiert?

Die haben anfangs natürlich schon etwas leer geschluckt. „Doppelmasterabschluss an einer Top-Uni und dann Sex-Toys?“ Inzwischen akzeptieren sie die Idee und unterstützen uns, weil sie sehen, dass wir mit viel Herzblut und Liebe an diesem Projekt arbeiten. Zudem ist das Ergebnis ja durchaus überzeugend!

Ihr zieht euer Startup „lean“ auf. Wie sind eure Bootstrapping-Erfahrungen bis jetzt? Wie viel Geld habt ihr bisher wofür ausgegeben?

Frisch von der Uni haben wir kaum Geld und machen daher alles selber: Design, Programmierung, Logistik, Texte, Recht, Buchhaltung, Marketing, Customer Support… Der Shop entstand mit 271 Euro, etwa 400 Euro haben wir bisher in die Werbung gesteckt. Wir sind derart überzeugt von „Lean“, dass wir letzte Woche ein Investment (vorerst) abgelehnt haben. Wir arbeiten sehr kostenbewusst, leben vom Ersparten und achten genau auf den Cashflow. Das ist teilweise hart, aber „Not macht erfinderisch“ – und das sollte man nicht unterschätzen!

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Wir sind immer offen für herausragende Persönlichkeiten, seien es E-Commerce-Hacker, Marketingenies oder Textfetischisten, und möchten in der nächsten Zeit das Team nach unseren Möglichkeiten erweitern. Im Frühjahr wird wahrscheinlich eine Finanzierungsrunde notwendig, aber noch steht uns das Wasser nicht bis zum Hals.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Es sind eher Geisteshaltungen, die wir bewundern. Wir mögen Machertypen, Leute die etwas bewegen und vorantreiben, Dinge anders angehen und umsetzen. Wir sind an Charakteren ohne geradlinigen Lebenslauf interessiert, an jenen, die etwas ausprobiert haben, gescheitert und wieder aufgestanden sind. An Leuten, die von Selbst-Erlebtem erzählen können.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

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Wer hat denn einen heißen Draht zu Herrn Burda oder zur Bauer Media Group? Da bestechen wir auch gerne mit einem Lunch. ;) Ne, ernsthaft: Matti Niebelschütz von MyParfum würden wir gerne mal treffen. Der war 2012 mit seinem Unternehmen schon ganz oben auf der (vermeintlichen) Erfolgswelle und ist dann in die Insolvenz gestürzt. Er hat aber weitergemacht und ist jetzt auf einem (aus unserer Sicht) sehr gesunden, organischen Wachstumskurs mit dem Unternehmen. Er hat bestimmt einiges erlebt und zu erzählen.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Nach wie vor auf beiden Beinen, mit mehr Wissen, Mitarbeitern, Backlinks, Bekanntheit, Umsatz, Ideen und einem größeren Netzwerk. Mehr können wir nicht voraussagen, denn unser Planungshorizont geht kaum über einen Monat hinaus. Eins aber ist sicher: Man wird von uns hören!

Bild: Vibraa