Das VirtualQ-Team: Niels Liebisch, Ulf und Jens Kühnapfel

Seit 40 Minuten wartet Ulf Kühnapfel bereits mit dem Telefonhörer am Ohr auf eine Reaktion seines Internetanbieters. Dann knackt es – und er wird aus der Leitung geschmissen. Genervt ruft er wieder an, noch einmal wartet er 20 Minuten, bis er endlich mit einem Mitarbeiter verbunden wird. Szenen wie diese kennt jeder. Und so soll sich auch die Geschichte zugetragen haben, die zur Gründung von VirtualQ führte.

Das Startup bietet eine Software, die sich für Anrufer in die Warteschleifen von Callcentern einreiht. Ob Internetanbieter, Versicherung oder Stromanbieter – bei eigentlich jedem Unternehmen, das einen telefonischen Kundenservice hat, will das Berliner Startup VirtualQ zum Einsatz kommen.

Dazu loggt sich der Anrufer über die Homepage oder über die App des jeweiligen Unternehmens ein und hinterlässt seine Telefonnummer. Wird der Platz in der Telefonschlange frei, bekommt der User eine SMS oder eine Push-Nachricht und kann wieder anrufen – diesmal ohne zu warten. Auch die bereits von vielen Kundenservices angebotene Rückruf-Funktion bietet VirtualQ an.

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Das Konzept hört sich nach einem Endkunden-Produkt an, ist aber eine B2B-Lösung. Denn die drei Gründer Ulf Kühnapfel, sein Bruder Jens und CTO Niels Liebisch bieten ihr Produkt den Herstellern von Callcenter-Software und Callcenter-Betreibern an. Über eine Programmierschnittstelle wird die VirtualQ-Software beim Callcenter eingebunden. Geld verdienen will VirtualQ unter anderem über eine Installationsgebühr und eine jährliche Lizenzgebühr. Für die Anrufer ist der Service kostenlos.

VirtualQ scheint auf dem richtigen Weg zu sein: Erst gewann das Ende 2014 gegründete Startup den IKT-Innovativpreis, nun konnten die Berliner die Seed-Runde abschließen. Geld gab es vom Risikokapitalgeber High-Tech-Gründerfonds (HTGF). Einige Business Angels hätten sich bereits zuvor beteiligt, so Jens Kühnapfel gegenüber Gründerszene. Die Höhe der Finanzierungsrunde ist nicht bekannt, allerdings investiert der HTGF initial meist 500.000 Euro.

Derzeit können Endkunden das Angebot noch nicht nutzen. Sobald die VirtualQ-Software bei genügend Callcentern im Einsatz sei, gehe der Service live, so Kühnapfel. Nach eigenen Angaben konnte das Startup bisher Deals mit sechs Kunden abschließen. Zum Launch sei auch eine übergreifende App geplant, mit der alle VirtualQ-nutzenden Callcenter direkt erreicht werden können. In ein bis zwei Monaten soll es soweit sein, so das Unternehmen.

Ganz neu ist das „virtuelle Anstehen“ nicht. Im englischsprachigen Markt gibt es Anbieter, die beispielsweise das physische Anstehen technisch lösen möchten. So bietet etwa Qless aus Los Angeles an, sich per App in die Schlange an der Supermarktkasse einzureihen – bereits wenn das Geschäft betreten wird.

Bild: VirtualQ