Jetsons

Ist es die sprichwörtliche deutsche Angst? Die Angst vor dem Neuen? Oder steckt etwas anderes hinter diesen Zahlen: In Deutschland wurden bisher lediglich 1791 Anträge auf die Elektroauto-Prämie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gestellt. 1194 Antragsteller wollten die 4000 Euro Bonus für reine Batteriefahrzeuge und 597 Käufer haben sich für den Kauf eines Plug-in-Hybriden mit Verbrennungsmotor als Ergänzung entschieden und dafür 3000 Euro Förderung beantragt. Die Prämie kann seit dem seit 2. Juli 2016 beantragt werden.

Nein, es ist nicht nur die deutsche Skepsis, die sich bei diesen enttäuschenden Zahlen ausdrückt. Nach wie vor bestehen bei der Elektromobilität drei Probleme, die in den Augen der Autokäufer noch immer nicht gelöst wurden: Reichweite, Infrastruktur und immer noch der Preis – trotz der Prämie.

  • Die Reichweite der Fahrzeuge wird Stück für Stück erhöht. Neuere Modelle erreichen inzwischen Ziele in 300 Kilometer Entfernung mit einer Ladung. Die Kunden haben den Eindruck, dass bereits die nächste oder übernächste Generation von Elektroautos noch erheblich zulegen wird. Warum sollte man sich also jetzt schon für ein Modell entscheiden, dass schneller wieder an die Steckdose muss?  Abwarten, heißt die Devise.
  • Außerdem stellt sich die Frage, wo man sein Elektroauto aufladen soll. Es  gibt immer noch viel zu wenige Ladestationen in Deutschland. Und längst nicht jeder Autofahrer hat eine Garage, in der er über Nacht seinen Wagen mit Strom versorgen kann. Auch in Parkhäusern, Garagen oder auf Betriebsparkplätzen fehlt der Saft. Wie soll also der Aufladevorgang im normalen Tagesablauf funktionieren? Auf diese Frage haben viele deutsche Autofahrer keine Antwort.
  • Auch beim Preis tut sich wenig. Elektrofahrzeuge sind teuer. Da hilft auch die Prämie nicht. 40.000 Euro für einen Elektro-BMW i3 ist eine Menge Geld. Mit besserer Ausstattung wird es schnell noch teurer. Für diesen Preis gibt es den beliebten X3. Der sogenannte Volks-Tesla 3, der jetzt schon bestellt werden kann und ab Ende 2017 in den USA ausgeliefert werden soll, hat einen Einstiegspreis von 35.000 Dollar. Zum Vergleich: Der Einstiegspreis für einen Golf von Volkswagen liegt bei 17.850 Euro, laut Preisliste.

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Insgesamt sind die Zulassungszahlen für Elektroautos in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht rückläufig. Laut Angaben der Welt wurden dagegen in China allein in den ersten sechs Monaten 2016 rund 170.000 E-Autos abgesetzt, wodurch sich die E-Auto-Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelten. In den USA seien die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 um gut ein Viertel gestiegen. Rund 66.000 Autos wurden hier zwischen Januar und Juni 2016 abgesetzt.

In China wird die Elektromobilität allerdings von der autoritären Regierung mit rigiden Vorschriften und Gesetzen in den Markt gedrückt, um die eigenen Hersteller zu unterstützen. Die Kaufprämien in vielen anderen Ländern sind noch höher als in Deutschland. Zum Beispiel in Norwegen, Schweden und Frankreich. Deshalb sehen die relativen Zahlen dort besser aus.

Das beste Argument für die Elektromobilität taucht seltsamerweise nur selten in Diskussionen im Kollegen- und Freundeskreis auf: Mit einem Elektroauto muss ich nie wieder an die Tankstelle. Vielleicht sollten die Hersteller ihre Kommunikationsstrategie noch einmal überdenken. Denn Deutschland ist bereit für Elektroautos. Aber die Elektroautos sind offenbar noch nicht bereit für Deutschland.

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