Heute wird ein lang gehütetes Geheimnis gelüftet: Was macht Spreadshirt eigentlich zu einem Web-2.0-Unternehmen? Die Antwort ist ganz einfach (Trrrromellwirrrrbellll): Wir haben als erste ganz laut ‘hier!’ geschrien, als sich abzeichnete, dass auch der deutsche Markt reif für das Label ist. Deswegen sind wir Web2.0. Und nur deswegen. Hmmm. Was ist das eigentlich?

Es gibt viele Definitionen, zum Beispiel bei O’Reilly oder Wikipedia. Letztlich ist es aber nur ein Modewort, ein Marketingschlagwort, welches zusammenfasst, dass sich etwas in den Köpfen der Menschen verändert hat: Nach dem Platzen der Blase hatte das Internet einen schlechten Ruf. Das Web, Internet, WWW, Netz galt als Geldvernichtungsmaschine, unseriös, und es stand für enttäuschte Erwartungen. Multimedia, E-Commerce, New Economy, StartUp, etc. – alles war in Verruf geraten.

Obwohl sich nach dem Platzen der Blase grundlegend ja eigentlich wenig geändert hatte, es stetig voran ging, interessante Anwendungen entstanden, die Nutzerzahlen und Verweildauer stetig stiegen, etc.

Doch das Netz hatte sich seinen Ruf verdorben, zu unrecht. Um es wieder zu rehabilitieren, musste ein neuer Begriff her. Etwas kurzes, einprägsames. Etwas, was für eine ganze Menge steht. Etwas, womit sich jeder identifizieren kann. Ausreichend diffus also. Das ist mit dem Begriff Web2.0 denke ich ganz hervorragend gelungen.

Dies vorausgeschickt möchte ich eine sinnvolle Definition versuchen, was ein Web2.0 Unternehmen ist: Ein Web2.0 Unternehmen ist ein im wesentlich internetbasiertes Unternehmen, welches in oder nach dieser Rehabilitationsphase entstanden ist. Jedes neu entstehende Internetunternhemen wird so lange Web2.0 sein, bis ein neues, starkes Paradigma eine neue Ära einleitet und wieder eigene Begriffe mit sich bringt. Also nix user generated content etc. – das gab es doch schon lange und immer. Früher hiess es eben private Homepage und ein Weblog ist letztlich nichts anderes als eine Unteranwendung. Früher hiess es Community oder Forum oder Chat – heute Social Net.

Ihr ahnt es schon. Unter dieser – doch hoffentlich plausiblen? – Definition ist Spreadshirt nicht Web2.0. und eigentlich war das immer schon klar.

Warum werden wir dann als Web2.0 wahrgenommen?

Als Unternehmen lebt man zu einem gewissen Grad von Aufmerksamkeit. Diese kann man auf diverse Art und Weise erlangen. z.B. in dem man ein attraktives Produkt anbietet, welches sich rumspricht. Oder indem man für Suchergebnisse zahlt, für Banner, für Affiliates, für Fernsehwerbung, oder eben PR. Ein gut geführtes Unternehmen wird seine Priorität auf ein attraktives Produkt legen und versuchen, möglichst viele der anderen Kanäle ‘mitzunehmen’. Ähm, ok, ich werde gleich implizieren, dass Spreadshirt ein gut geführtes Unternehmen ist, man verzeihe mir das und nehme gleich war: Wir kochen mit (heißem) Wasser und haben uns schon so den einen oder anderen Fauxpas geleistet… wie auch immer, wer wird uns verübeln, dass wir die Chance ergriffen, uns selber schnell als Web2.0 zu labeln und ein wenig kostenlose Publicity mitzunehmen, als sich die Gelegenheit auf dem Präsentierteller darbot? Ich hoffe, man sieht es uns nach.

Wie war das eigentlich mit dem Präsentierteller? Also, in den USA war der Begriff Web2.0 schon wesentlich länger unterwegs. Ich denke, Ende 04 oder Anfang 05. Da wir mit Spreadshirt in den US präsent waren, war uns dies entsprechend bekannt. Und es war klar, dass die Zeit in D. dafür auch bald reif sein würde. Schließlich sammelten wir Anfang ’06 fleißig unsere ersten User für das VZ und ärgerten uns, dass uns niemand in seine Videoplattform investieren ließ, obwohl wir das Thema doch so gerne mit besetzt hätten.

Wie auch immer, irgendwann einmal im März oder April 2006 war ich bei der Zeitschrift ‘Karriere‘ zu Gast. Es war ein PR Gespräch ohne besonderen Grund, welches mir unsere damalige PR Agentur (Faktor3) besorgt hatte. Leicht übernächstigt habe ich Peter mindestens eine Stunde Lang begeistert über mit Web2.0, ähm, zugetextet. Peter brachte es in die Karriere Redaktionskonferenz. Nicht sehr viel lange später war es eine Titelstory, in welcher ich als die Ikone des Web2.0 (oder so ähnlich) bezeichnet wurde. Juhuu. Meines Wissens war das auch die erste Titelstory einer größeren deutschen Zeitschrift zum Thema web2.0. Ziemlich gut getimed, denn kurze Zeit später war der SinnerSchrader Kongress und das Thema erhielt immer mehr Aufmerksamkeit. Platt ausgedrückt schreiben Journalisten zwar vielleicht nicht voneinander ab, aber eben voneinander um (wer will es ihnen verübeln? Bei entsprechendem Kostendruck muss man eben effizient recherchieren…). Und einmal im Sog, gibt es kein Entrinnen…

Heute ist die erste Pressewelle durch, den Artikel hier lesen sowieso nur Insider, und ich kann es getrost zugeben: Spreadshirt ist kein Web-2.0-Unternehmen. Sorry, ich hoffe, niemand ist allzu sehr enttäuscht und daß der Service euch trotzdem gefällt und ihr stolz auf euren Spreadshop und eure Produkte seid. Einer der Xing Gründer hatte recht, als er im Rahmen eines HHL Forschungsprojektes verlautbarte: ‘Wie, die [Spreadshirt] sollen web2.0 sein? Dass ist doch eine T-Shirt Bude’. Ja, wir sind eine T-Shirt Bude! Und stolz darauf. Halt, ein Schritt zurück, nicht eine T-Shirt Bude sondern DIE T-Shirt Bude, soviel Selbstvertrauen muss sein :)

Und in der Taxonomie des Webs? Ich würde uns einfach mal als Web1.5 bezeichnen. Oder besser noch, da selbst geprägt: Post-Bubble. Englisch gelesen. Ein Unternehmen der Post-Bubble-Ära. Ein Post-Bubble-Pioneer. Unsere Kameraden: GameDuell, Xing, Parship, Be2, zanox, vielleicht auch sedo, hotel.de, etc. usw. – alle, nach 2000 entstanden aber vor 2005. Aus den Trümmern der Blase stiegen sie empor…

Um die Taxonomie perfekt zu machen, dürfen auch folgende Unternehmen nicht fehlen. Mehr oder weniger im Stillen sind sie extrem erfolgreich. pets.com. mytoys.de. ciao.com. mobile.de. affili.net. tipp24.de. ecircle.de. firstgate.de. Die Scoutgruppe. uvm. Das sind die Bubble Survivors. Sie können stolz sein, denn nur die stärksten überleben.

Und jetzt dann eben web2.0. StudiVZ, Myvideo, Qype, Vollgesund, autoki, Plazes, Sevenload, ormigo, DaWanda, webnews, amiando. Schaut mal auf die Liste bei live hackr. Das Web2.0 hat auch eine Blase2.0. Bubble2.0. Dazu demnächst mehr, aber schon mal merken: Obacht geben!

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