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Gerade für Unternehmensgründer und Selbstständige, die nicht in der Gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind, stellt sich die Frage, ob ein Wechsel in die Private Krankenversicherung lohnt und was hierbei zu beachten ist. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung zahlt man den Beitrag prozentual vom Einkommen; für Existenzgründer sind – zeitlich befristet – oftmals Beitragsreduzierungen gegenüber dem „Regelbeitrag für Selbständige“ (der dem Höchstbeitrag entspricht) möglich.

Männer zahlen weniger für die Private Krankenversicherung

Bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) sind zunächst das Geschlecht des Kunden – Männer zahlen weniger als Frauen – das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand bei der Antragstellung, die Anzahl der zu versichernden Personen und, ganz besonders wichtig, die gewünschten Leistungen und die gewählten Tarife von Bedeutung.

Ähnlich wie beim Auto kann man in der PKV den Polo wählen, mit dem BMW 3er-Reihe fahren, den Kombi bevorzugen oder die S-Klasse von Mercedes als persönliche Notwendigkeit definieren. In der Privaten Krankenversicherung sind diese Punkte dann beispielsweise das Ein- oder Zweibettzimmer, der privat liquidierende Chefarzt, die Höhe der Brillenerstattung, die Höhe der Kostenübernahme bei der Zahnbehandlung und beim Zahnersatz oder die Mitversicherung von Heilpraktiker und alternativen Heilbehandlungsmethoden.

Wichtig ist aber auch, dass man – wie beim Auto – nicht nur auf die Ledersitze und die Metallic-Lackierung, die einem ganz besonders wichtig sind, schaut, sondern auch auf die gute Qualität bei den Bremsschläuchen, dem Motor und dem Rahmen. Bei der Privaten Krankenversicherung sind dies dann beispielsweise die Heil- und Hilfsmittel, bei denen (gerade bei „billigen“ Tarifen) nur sehr eingeschränkte Leistungen erbracht werden. Verständlicherweise beschäftigt man sich gerade als junger und gesunder Mensch nicht gerne mit den Kosten für einen Rollstuhl oder medizinische Stützstrümpfe, aber eine „Krankenversicherung“ ist eben für die Erstattung der echten Krankheitskosten erforderlich und nicht unbedingt für die Finanzierung der nächsten Modebrille, auf deren Erstattungshöhe so gerne geschaut wird.

Bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) keine „Billig-Tarife“ wählen

Generell kann man sagen, dass gerade in den letzten Jahren der Trend verstärkt zu „Billig-Tarifen“ ging. „Krankenversicherung ab 99 Euro monatlich“ und ähnliche Werbeslogans findet man oftmals im Internet – die Qualität ist aber hier nicht gesichert, denn gerade an den Leistungen auf die gesunde Kunden nicht achten, wird gespart. Im Krankheitsfall – beispielsweise nach einem (Sport-)Unfall oder wenn Diabetes festgestellt worden ist – kann man aber aus einem derartigen „Billig-Tarif“ in den meisten Fällen nicht mehr auf einen guten Tarif umstellen.

Manche Private Krankenversicherungen bieten insbesondere für Existenzgründer Tarife mit günstigen Beiträgen und abgespeckten Leistungen an, aber mit einem Optionsrecht nach beispielsweise drei oder fünf Jahren ohne Gesundheitsprüfung in einen besseren Tarif wechseln zu können. Ein derartiger Optionstarif kann sinnvoll sein – man muss jedoch die jeweiligen Termine auf Wiedervorlage nehmen, sonst sind sie verstrichen, ohne dass man sich wirklich entschieden hat, ob man das Optionsrecht ausüben will.

Ein Bereich, der immer häufiger angeboten wird, ist das sogenannte „Hausarzt- oder Primärarzt-Modell“. Hier werden die Kosten in der Regel zu 100 Prozent übernommen, wenn man zunächst zum „Hausarzt“ geht (Ausnahmen gibt es beispielsweise für Frauen beim Gynäkologen); sucht man gleich den Spezialisten beispielsweise in der Uniklinik auf, so werden nur 70 bis 80 Prozent der Kosten übernommen. Hier muss man wissen, ob man tatsächlich immer erst zum „Hausarzt“ gehen will; beispielsweise, wenn der eigene Hausarzt ein Facharzt für Innere Medizin ist, kann dies bereits problematisch werden.

Bei Tarifen mit „Regelleistung im Krankenhaus“ ist Vorsicht geboten

Die oftmals gerade Existenzgründern angebotenen Tarife mit „Mehrbettzimmer mit Regelleistungen“ sollten diese nicht wählen. Hier besteht das Problem nicht darin, dass der Versicherte in einem Mehrbettzimmer liegen kann und für im Falle eines gebrochenen Beines , der Mandel-OP oder der Blinddarmreizung direkt den Chefarzt oder den Professor benötigt, sondern, dass bei der Aufnahme beim Krankenhaus in aller Regel nur gefragt wird „Sind Sie privat versichert?“. Wenn dann die vorgelegte Vereinbarung unterschrieben wird, wählt der Versicherte so die Behandlung durch privat liquidationsberechtigte Ärzte und alle Ärzte – auch die im Labor – dürfen privat abrechnen. Auch bei einem nur einige Tagen dauernden Krankenhausaufenthalt können dann etliche Euros an Rechnungen zusammenkommen, die in den versicherten Tarifen „mit Regelleistungen“ nicht versichert sind.

Eine sinnvolle Möglichkeit, den Beitrag zu senken, besteht darin, Tarife mit Selbstbeteiligung zu wählen. Selbst wenn die Selbstbeteiligung von beispielsweise 1.000 oder 2.000 Euro pro Jahr vollständig in Anspruch genommen werden muss. Dies ist sehr oft trotzdem wesentlich günstiger als ein Tarif ohne Selbstbeteiligung oder eine nur sehr geringe Selbstbeteiligung von beispielsweise nur 250 Euro pro Jahr.

Bei den Krankentagegeldversicherungen, die die Privaten Krankenversicherungen anbieten, ist in aller Regel nur die „vollständige Arbeitsunfähigkeit“ versichert. Für Selbständige kann dann das Problem bestehen, dass sie mit gebrochenem Bein oder Arm weiter arbeiten wollen (oder müssen) und kein Krankentagegeld bekommen, hier sind die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung teilweise günstiger.

Da die Private Krankenversicherung den Beitrag je Person erhebt, finden sich in der PKV zahlreiche Männer, die zusammen mit einem Kind versichert sind. Dies liegt aber nicht an der großen Zahl alleinerziehender Männer, sondern an dem Umstand, dass gerade jüngere Frauen in den meisten Fällen berufstätig sind und somit ohnehin eine eigene Krankenversicherung benötigen. Sollte man allerdings etliche Kinder haben, so ist die Private Krankenversicherung in aller Regel erheblich teurer als die Gesetzliche Krankenversicherung.

Will man vor diesem Hintergrund nicht in die PKV wechseln, so gibt es auch die Möglichkeit, Zusatzversicherungen zu wählen. Beispielsweise das Ein- oder Zweibettzimmer und die freie Arztwahl, der Bereich Brille, Auslandsreisen, Heilpraktiker und Zahnersatz sind als Zusatzversicherung versicherbar. Gerade in dem Bereich der Zusatzversicherungen gibt es seit einiger Zeit Tarife, die keine „Alterungsrückstellung“ beinhalten, also mit zunehmendem Alter immer teurer werden – dies sollte man sich überlegen, denn man wird leider schneller älter als man denkt und dann steigt der Beitrag ganz erheblich.

Private Krankenversicherung (PKV) – Checkliste:

Selbstbeteiligung:

  • Wie hoch darf meine jährliche Selbstbeteiligung maximal sein?

Ambulant:

  • Möchte ich eine Erstattung von privatärztlichen Leistungen über den Regelhöchstsatz (2,3-fach der Gebührenordnung für Ärzte – GOÄ) hinaus mitversichern?
  • Möchte ich eine Erstattung von privatärztlichen, ambulanten Leistungen über den Höchstsatz (3,5-fach der GOÄ) mitversichern?
  • Sollen Leistungseinschränkungen bei der direkten Konsultierung von Fachärzten (Primärarztverfahren) ausgeschlossen werden?
  • Will ich die Erstattung von psychotherapeutischen Behandlungen mitversichern? Wenn ja, in welchem Umfang?
  • Soll die Erstattung von Vorsorgeuntersuchungen – auch über die von der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannten Programme – mitversichert sein?
  • Wünsche ich – und wenn ja, in welcher Höhe – eine Mitversicherung von physiotherapeutischen Behandlungen und Heilmitteln?
  • Sollen ambulante Heilpraktikerleistungen mitversichert sein?
  • Welche Erstattung bei Sehhilfen wünsche ich?
  • Welche Erstattungen sind in den Tarifen generell für Hilfsmittel vorgesehen?

Stationär:

  • Wünsche ich eine Erstattung von privatärztlichen, stationären Behandlungen über den Regelhöchstsatz (2,3-fach der GOÄ) hinaus?
  • Wünsche ich eine Erstattung von privatärztlichen, stationären Behandlungen über den Höchstsatz (3,5-fach der GOÄ) hinaus?
  • Möchte ich ein Krankenhaustagegeld versichern?

Zahn:

  • Welcher Erstattungssatz soll mindestens für den Bereich Zahnbehandlung vorgesehen sein?
  • Welchen Erstattungssatz wünsche ich für den Bereich Zahnersatz und Kieferorthopädie?
  • Bin ich mit einer Einschränkung der Leistungen für Zahnersatz auf bestimmte Festbeträge pro Jahr (gerade in den ersten Jahren oftmals sehr gering!) einverstanden?
  • Wünsche ich eine Erstattung über den Regelhöchstsatz (2,3-fach der GOZ) bei zahnärztlichen Leistungen?
  • Wünsche ich eine Erstattung über den Höchstsatz der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) hinaus?

Kuren:

  • Möchte ich Kurleistungen mitversichern?

Pflegeversicherung:

  • Möchte ich über die gesetzlich vorgeschriebene Pflegepflichtversicherung hinaus weitere Leistungen versichern?

Krankentagegeldversicherung:

  • Möchte ich meinen Verdienstausfall versichern? Wenn ja,
    • in welcher Höhe?
    • Ab welchem Tag (z.B. 15. Tag, 43. Tag, 180. Tag)?

Sonstiges:

  • Habe ich Krankheiten, beispielsweise Unfallfolgen, Allergien, die ich direkt bei einer Anfrage (und nicht erst bei einer Antragstellung) angeben sollte, damit ich ggfs. erforderliche Zusatzfragebögen direkt erhalte?
  • Einge gute Übersicht für Private Krankenversicherungen findet sich auch bei TarifCheck24

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Bildmaterial: imelenchon
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