Die Wellmio-Gründer Alexander Freitag, Andreas Hrabal, Enno Kuntze

Im Sommer 2014 war noch alles gut: Die Schulfreunde Alexander Freitag und Enno Kuntze aus dem beschaulichen Städtchen Steinheim bei Paderborn bastelten voller Optimismus an ihrem ersten Startup namens Wellmio, ein Marktplatz für von ihnen geprüfte Wellness-Anbieter. Mitgründer Kuntze war nach seinen Besuchen in Wellness-Studios, beispielsweise bei der Massage, häufig frustriert gewesen: „Ich habe bei sehr vielen Salons schlechte Erfahrungen gemacht“, erzählt er im Nachhinein. So seien er und sein Kumpel Freitag auf die Idee für einen Marktplatz gekommen, der ausschließlich qualifizierte Wellness-Anbieter anzeigt und so den Kunden die Vorauswahl erspart.

Ihr Freund Andreas Hrabal stieg als Entwickler ein, jeder bekam ein Drittel der Anteile. Gemeinsam arbeiten sie in einem kleinen Büro in Düsseldorf. Mit Hilfe von Freunden klapperten sie dort und in Köln etliche Salons ab, führten lange Gespräche, ließen sich die Zertifikate zeigen und überprüften die Geräte. Zunächst besuchten sie nur Massage-Studios, schnell kamen andere Anbieter beispielsweise für Haarentfernungen oder Gesichtsbehandlungen hinzu.

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Mitte Oktober ging Wellmio mit duzenden Salons auf der Seite online, rund 15 Prozent Provision kassierte das Startup bei jeder Vermittlung. Doch dann folgte schnell die Ernüchterung: Kurz nach dem Start wurde der große Wettbewerber Salonmeister an das britische Unternehmen Wahanda verkauft und hatte somit genug Geld für das schnelle Wachstum. Bald folgte der zweite Tiefpunkt: Der holländische Player Treatwell, der bislang nicht in Deutschland aktiv war, kündigte die Expansion in den Raum Köln und Düsseldorf an. „Das war ein ganz schöner Schlag und hat unsere Situation natürlich enorm erschwert“, erzählt Mitgründer Freitag. „Aber dann haben wir uns gesagt ‚Was soll’s? Wir ziehen das jetzt weiter durch.“

Unbeirrt machen die drei weiter, zogen bis Januar über hundert Partner auf ihre Seite – und kontaktierten von sich aus den Konkurrenten Treatwell. Eigentlich war zunächst eine Kooperation geplant, schnell kam es zu Gesprächen für eine mögliche Übernahme. Gleichzeitig fragte sogar Rocket Internet an und bat die Gründer zweimal um ein Gespräch. Doch schnell wurde klar: Der niederländische Konkurrent ist der geeignete Käufer. „Treatwell hat einen sehr ähnlichen Ansatz wie wir“, kommentiert Kuntze die Entscheidung. Im Februar unterschrieben sie den Vertrag.

In fünf Monaten zum Exit also? „Wir sind sehr zufrieden mit dem Deal, aber das war jetzt natürlich kein Millionen-Exit“, gesteht Freitag ein. Genauere Zahlen zu dem Deal will er nicht nennen. „Sagen wir es so: Wir haben jetzt auf alle Fälle genug Geld, um unser neues Startup aufzuziehen“. Die Wellmio-Gründer haben nämlich bereits ein neues Startup gegründet: Massagio vermittelt Physiotherapeuten an Privatkunden und Büros. Noch ist das Unternehmen, das zum Start vom Axel Springer Accelerator Plug and Play unterstützt wird, in der geschlossenen Beta-Phase.

Auch wenn die drei mit ihrem Mini-Exit nicht zu Millionären geworden sind, so haben sie trotzdem viel gelernt bei ihrer ersten Gründung: „Man darf nie aufgeben und sich nie zu klein machen!“, meint Kuntze. Auch dann nicht, wenn große Player wie Rocket Internet mit ähnlichen Konzepten an den Markt kommen oder bestehende Wettbewerber in den eigenen Markt expandieren wollen? „Wenn es mehr Konkurrenz gibt, werden die Investoren aufmerksam. Sie prüfen dann zwar auch genauer die Unterschiede, aber das Interesse ist bei viel Bewegung im Markt auf jeden Fall größer.“

Bild: Robin Holzbach für Wellmio: Disclaimer: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.

Übersicht: Die wichtigsten Exits der vergangenen Monate
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Jan Schusts Affiliate Deals übernahm im Februar 2015 den größeren Wettbewerber 100partnerprogramme.de, der bereits im Jahr 2002 von Karsten Windfelder ins Leben gerufen wurde. Künftig vereint die Super Affiliate Network GmbH mit 100partnerprogramme.de, Affiliate-deals.de und Affiliate-People.com drei bekannte Informationsportale unter einem Dach. 100partnerprogramme-Gründer Windfelder soll beratend für alle betriebenen Portale aktiv sein. Im Bild: Affiliate-Deals-Gründer Jan Schust; Quelle: Jan Schust