WeWork gibt es bislang in 17 Städten weltweit – hier ein Konferenzraum im South-Lake-Union-Gebäude in Seattle

Die Factory bekommt Konkurrenz: Der US-amerikanische Coworking-Gigant WeWork kommt nach Berlin. Über eine geplante Expansion des mit zehn Milliarden Dollar bewerteten Startups in die deutsche Hauptstadt gab es seit Monaten Gerüchte. Nun hat das Unternehmen erklärt, dass im Frühjahr gleich drei Büros in Berlin entstehen sollen: in der Torstraße, am Potsdamer Platz und in der Nähe des Zoologischen Gartens.

Während des Besuchs einer deutschen Delegation, zu der auch die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) zählte, in der New Yorker Unternehmenszentrale bestätigte Lela Goren, Vice Chairwoman von WeWork, die Eröffnung der drei neuen Locations. WeWork ist bislang in 17 Städten in den USA, Israel, Großbritannien und den Niederlanden präsent. In diesen Ländern betreibt das Unternehmen insgesamt 56 Coworking-Spaces.

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In Berlin soll es in den drei Spaces 2.500 Arbeitsplätze geben. „WeWork mit seiner Infrastruktur als zusätzlichen Anker der internationalen Startup-Szene für Berlin gewonnen zu haben, ist eine tolle Bestätigung“, ließ sich die Berliner Senatorin Yzer zitieren. „Damit wird Berlin international noch sichtbarer.“

Das Prinzip des 2010 gegründeten Startups: Es mietet an Boom-Standorten wie New York, San Francisco oder Los Angeles Büroflächen im großen Stil, stattet diese mit hippem Interieur aus und vermietet die entstandenen Startup-Büroflächen für deutlich höhere Mieten an Gründer, Freelancer oder Jungunternehmen weiter. Darüber hinaus bietet WeWork seinen Kunden komplette HR-Lösungen inklusive Krankenversicherung, ein eigenes Social Network für Mitglieder und auch eine Bier-Flatrate.

Die Preise dafür starten bei 45 Dollar im Monat für den Zugang zum Coworking-Space, wer einen festen Schreibtisch buchen will, zahlt in der Basisvariante das zehnfache. Nach eigenen Angaben hat WeWork inzwischen 40.000 Mitglieder. Ob dieses Geschäftsmodell eine zehn Milliarden Dollar schwere Bewertung rechtfertigt, darüber herrscht in der VC-Szene keine Einigkeit. In den vergangenen Monaten erlebte das Startup in jedem Fall einen wahren Run von Investoren, die unbedingt bei der nächsten Finanzierungsrunde dabei sein wollten. Von 1,5 Milliarden Dollar Anfang 2014 stieg die Bewertung in der Folge rasant an: erst auf fünf Milliarden Ende des Jahre, dann auf zehn Milliarden Dollar im Juni.

Etwa eine Milliarde Dollar steckten Investoren wie Benchmark, Goldman Sachs oder Fidelity bislang in WeWork. Für die nächsten Monate hat das Unternehmen einen kräftigen Expansionsschwung für mehr Locations und neue Standorte angekündigt. Ein Börsengang steht gerüchteweise ebenfalls auf der Agenda.

Seit dem Sommer sieht sich WeWork aber auch zunehmend Kritik ausgesetzt: Nachdem Angestellte einer von WeWork beauftragten Putzfirma versucht hatten, einen Betriebsrat zu bilden, verlor die Firma ihren Auftrag und mehr als 100 Putzkräfte ihren Job. Nach Protesten, auch von Mitgliedern, versprach WeWork, mehr Arbeiten von Inhouse-Beschäftigten ausführen zu lassen und nur noch mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die gewerkschaftliche Mindeststandards erfüllen.

Bild: WeWork