WhatsApp im Browser: Eine Chance für Unternehmen?

Der König von Saudi-Arabien ist tot! Pegida-Chef Bachmann tritt zurück! Die EZB flutet Märkte mit Milliarden! Push-Mitteilungen werden anstrengend, sobald Apps sie im Minutentakt aufs Handy schicken. Egal, wie wichtig sie sind. Deswegen stellen viele die Benachrichtigungen aus, zum Missfallen der Versender. Denn Mitteilungen, die auf dem Sperrbildschirm des Handys landen, werden besonders oft gelesen. Eine App-Art ist allerdings davon verschont: Messenger. Der Grund: Nachrichten von Freunden und Familie wollen die meisten Nutzer sofort lesen.

Anzeige
Messaging-Apps und Unternehmen haben gleichermaßen erkannt, wie hoch deswegen die Reichweite für Inhalte sein kann, die über die Dienste verbreitet werden. Nun arbeiten WhatsApp, Snapchat und Yo mit Hochdruck daran, die Kommunikationsmöglichkeiten für Firmen zu verbessern und damit Geld zu verdienen. So können WhatsApp-Nutzer seit gestern auch über den Browser chatten. Was zum einen Service für private Nutzer ist, wird zum anderem Unternehmen ermöglichen, mit viel weniger Aufwand als vorher WhatsApp für ihre Zwecke zu gebrauchen. Inhalte können am Desktop vorbereitet und über den Web-Client verschickt werden.

Dass das funktionieren kann, hat bereits WhatsApp-Konkurrent Line bewiesen, der auch auf dem Desktop funktioniert. Bei der App haben Medienunternehmen wie das Wall Street Journal und die BBC mehrere Hunderttausend Follower. Bis WhatsApp allerdings im Browser für Firmen skalierbar wird, müssen die Funktionen des Web-Clients erweitert werden. Nach einem Testbericht von Tech Hive können bisher keine Gruppen und Broadcast-Listen erstellt werden, auch Videos können noch nicht versendet werden. Dies solle sich aber noch ändern. WhatsApp wurde so beispielsweise von der BBC bisher nur eingeschränkt verwendet, zum Beispiel, um über die Ebola-Epidemie zu informieren.

Yo funktioniert nicht ohne Push

An anderen Messenger-Fronten bewegt sich ebenfalls viel. Snapchat hatte angekündigt, mit dem neuen Feature Discover bald Unternehmen wie CNN, Vice und Spotify Medien verschicken zu lassen. Nun ist Snapchat außerdem dabei, eine eigene Redaktion aufzubauen. Die App hat bei Medienfirmen mehrere Journalisten abgeworben, wie Digiday berichtet. Werbeanzeigen und -spots in den Beiträgen sollen dann Geld einbringen, die Push-Mitteilungen Klicks garantieren.

Anzeige
Der Nachteil für WhatsApp und Snapchat ist, dass Nutzer ihre Push-Mitteilungen ausstellen oder zumindest vom Sperrbildschirm verbannen könnten. Dann träfe sie dasselbe Schicksal, das andere Apps bereits heimgesucht hat. Or Arbel, der Gründer der viel verspotteten Yo-App, hat dieses Problem früh erkannt. Im Interview mit Gründerszene sagte er: „Das Geschäftsmodell liegt auf der Hand: Wir werden die Plattform für Push-Benachrichtigungen sein. „Yo“ funktioniert nicht ohne Push-Benachrichtigungen“.

Bereits länger ist es möglich, mit dem verschickten Yo einen Link zu verknüpfen. Der US-TV-Sender Showtime hat für seine Serie Homeland das Marketing-Potential dahinter erkannt, ebenso die NBA: Sie informieren Fans mit einem Yo über Neuigkeiten, der Platz auf dem Handy ist ihnen sicher.

Im Kampf um den Sperrbildschirm könnte das einen entscheidenden Vorteil bringen. Doch nach wie vor können weder Yo noch Snapchat mit den Nutzerzahlen von WhatsApp mithalten, das zudem Facebooks finanzielle Stütze im Rücken hat. 700 Millionen User nutzen WhatsApp pro Monat, Snapchat verzeichnet 100 Millionen User und Yo hatte im vergangenen September 1,2 Millionen Nutzer.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Jan Persiel