idee

Kreative Geschäftsideen und Innovationen sind in der heutigen Zeit mehr denn je gefragt. Gerade für Unternehmen sind sie entscheidende Wettbewerbsfaktoren. Gründe für Innovationen resultieren sowohl aus technologischem Fortschritt, als auch aus dem Verhalten der Wettbewerber, Gesetzesänderungen oder eigenen Forschungsergebnissen. Innovationen entstehen in einem mehr oder weniger sehr umfangreichen Prozess, der von der Ideenfindung bis zur praktischen Nutzung reicht: “Eine Idee ist etwas, was erst in die Welt kommt wenn Du sie hast” (Thomas A. Edison).

Problemanalyse

Die Problemanalyse bildet eine wichtige und unentbehrliche Grundlage für die Ideenfindung.

Kreative Phase / Ideenfindung

Der Hauptaugenmerk in dieser Phase ist, dass man möglichst viele Lösungsansätze erarbeitet. Denn je mehr Ansätze später vorliegen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich hierunter auch die optimale Lösung befindet. Hierfür steht eine Vielzahl von Kreativitätstechniken zur Verfügung. „Kreativität ist eine Art des Denkens, die Ideen hervorbringt, die sowohl relativ neu als auch relativ wertvoll sind“ (Taylor).

Ideenauswahl

Die gefundenen Ideen werden dann anschließend bewertet, um wenig erfolgsversprechende Ideen aus der weiteren Bearbeitung auszuschließen und damit man sich nur noch auf die Top 3 oder Top 5 konzentrieren kann.  Es empfiehlt sich ein Vorgehen in mehreren Stufen: (1) Als erstes sollte eine Grobauswahl gemacht werden. Hierfür kann man Checklisten mit Ja/Nein-Anworten verwenden. (2) Dann folgt eine Feinauswahl anhand einfacher Nutzwertanalysen. (3) Als letztes werden die übrigen weiter analysiert (bspw. anhand von Wirtschaftlichkeitsberechnungen oder Modellrechnungen).

Ideenumsetzung /-realisierung

Da die Umsetzung für Ideen individuell ist, können nur eingeschränkt Empfehlungen gegeben werden. Daher macht es Sinn, unser Hauptaugenmerk zunächst einmal auf die Phase der Ideenfindung zu konzentrieren. Hierfür gibt es eine ganze Reihe von Methoden, wobei man nach drei Hauptkategorien unterscheidet:

1) Systematisch-analytische Methoden

Systematisch-analytische Methoden sind gekennzeichnet durch systematisches Ausrichten der Denkvorgänge, systematische Gliederung des Arbeitsablaufes, Zergliedern in Teilprobleme, Untersuchung von Leistungs- und Wirkungsparametern, Kombination von Aspekten des betrachteten Problems und systematischer Variation von Aspekten des betrachteten Problems.

1.1) Morphologischer Kasten

Der morphologische Kasten wurden vom Schweizer Physiker Fritz Zwicky entwickelt und bietet die Möglichkeit, zu einem gestellten Problem die Totalität der denkbaren Lösungen aufzuzeigen. Ein vorhandenes Grundproblem wird in einzelne Problemelemente, auch Parameter genannt, zerlegt. Im Endergebnis erhält man hier eine enorme Anzahl von Lösungsvarianten, indem jeweils eine Ausprägung aller Parameter miteinander kombiniert wird. Der Anwender benötigt bei dieser Methode ein fundiertes fachliches Wissen.

1.2) Attribute-Listing

Attribute Listing ist eine analytisch-systematische Kreativitätstechnik, mit der ausgehend von den Eigenschaften, Funktionen und Wirkungen (Merkmalen) einer bestehenden oder einer gefundenen Lösung für jedes Merkmal weitere Ausprägungen gesucht werden können. Die Methode wird auch „Kaizen“ genannt und steht in engem Zusammenhang mit der des morphologischen Kasten. Im Gegensatz zum morphologischen Kasten stellt das Attribute-Listing geringere Anforderungen an den Anwender, da die Problematik der Parameterabgrenzung entfällt. Man zerlegt zum Beispiel ein Produkt im ersten Schritt in möglichst alle Merkmale („Attributes“). Die Prolematik der Parameterabgrenzung wie beim morphologischen Kasten entfällt. Folglich kann diese Methode auch von Anwendern durchgeführt werden, die nicht als Fachleute einzustufen sind.

1.3) Relevanzbaum-Verfahren

Beim Relevanzbaum-Verfahren handelt es sich um eine retrograde Ableitung von Lösungsmöglichkeiten für gegebene Situationen mittels der Entscheidungstheorie. Jede mögliche Entscheidung wird dabei als Knotenpunkt mit mehreren möglichen Ausgangsrichtungen dargestellt, sodass das Modell sich wie ein Baum verzweigt. Bei dieser Methode der Ideenfindung sollte darauf geachtet werden, dass zuerst die grundlegende Gliederung festgelegt werden muss, damit danach die Feinunterteilung entwickelt werden kann.

1.4) Hypothesen-Matrix

Die Hypothesenmatrix zielt darauf ab, Sachverhalte analytisch zu durchdringen, Verknüpfungen transparent zu machen sowie latente Probleme und neue Ideen aufzudecken. Der typische Anwendungsfall ist die Analyse der vorhandenen Verflechtungen, das Aufzeigen der Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen zwei Bereichen. Um die Relationen zwischen zwei Bereichen zu visualisieren, werden Aussagen und Hypothesen jeweils in die Vorspalte und die Kopfzeile einer Matrix eingetragen. Es werden dann die Argumente der Zeilen und Spalten durchgegangen und auf Abhängigkeiten bzw. Relationen hin geprüft. Werden diese erkannt, macht man in das betreffende Feld ein Kreuz. Wenn man nun Häufungen von Kreuzen in Spalten oder Zeilen erkennt, zeigt das, dass diese Annahmen für beide Problembereiche relevant sind. Diese bildet dann die Grundlage für tiefergehende Untersuchungen.

2) Intuitiv-kreative Methoden

Der zentrale Aspekt dieser Methoden ist meist die Verknüpfung von verschiedenen Vorstellungen. Ähnlichkeiten aus den Bereichen der Wortbedeutung, der Akustik, der Optik oder der Struktur von Produkten werden herausgestellt, neu kombiniert und zu einer höheren Einheit gestaltet. Im Folgenden werden die Techniken kurz vorgestellt:

2.1) Brainstorming

Das Brainstorming ist eine Methode, die zur unstrukturierten Ideensammlung dient  und auf das Hervorbringen möglichst vieler Lösungsvorschläge für eine vorher vorgegebene Problemstellung abzielt. Alex Faickney Osborn entwickelte die Methode des Brainstormings in den 1930er Jahren. Dadurch sollten Problemlösungskonferenzen produktiver und effizienter gestaltet werden, indem man die Ideenerzeugung und die Diskussion der jeweiligen Idee trennte. Die Zusammensetzung der Gruppe hängt weitgehend vom Thema ab. Die fachliche Kompetenz und die psychologischen Fähigkeiten der Gruppenmitglieder sollten sich ergänzen. Die optimale Gruppengröße liegt zwischen vier und zehn Personen, wobei die Ideen anderer Teilnehmer aufgegriffen und weiter verändert werden dürfen. Die Ideen der Teilnehmer werden während des Gesprächs protokolliert bzw. auf Flipcharts und Aufnahmegeräten festgehalten.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Methode liegt im relativ geringen zeitlichen Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung. Zudem werden unkonventionelle und ungewöhnliche Ideen berücksichtigt, die aufgrund ihres Problemslösungspotentials völlig neue Bereiche aufdecken. Die Auswertung der Ergebnisse einer Brainstorming-Sitzung wird als schwierig angesehen, da aus der Gesamtheit der protokollierten Ideen und Problemlösungsvorschläge relevante und viel versprechende herausselektiert werden müssen. Erschwerend wirkt zudem, dass hierarchische Strukturen und frühzeitiges Aufzeigen von allgemein überzeugenden Lösungen die Ideenfindung hemmen. In der Praxis gibt es viele Beispiele wie diese Methode zur Ideenfindung helfen kann:

2.2) Brainwriting

Bei diesem Verfahren bekommt man ein Blatt ausghändigt, auf dem eine Fragestellung formuliert ist und soll innerhalb von fünf Minuten drei neue Ideen bzw. Lösungsmöglichkeiten zur Fragestellung notieren. Nach Ablauf dieser Frist gibt man sein Blatt an seinen Nachbarn weiter – und erhält gleichzeitig das Blatt vom Nachbarn. Nun soll man nochmals drei Ideen bzw. Lösungsvorschläge auf das neu erhaltene Blatt ergänzen. Die Runden sind beendet wenn jeder Teilnehmer jedes Blatt gehabt hat. Im Idealfall können innerhalb von 30 Minuten 108 Lösungsansätze produziert werden. (6 x 3 x 6 bei 6 Teilnehmern).

Die Schriftform soll die je unterschiedlichen Vorstellungen der Anwesenden und die daraus resultierenden Fehlinterpretationen von den Ideen vermeiden. Sie stellt aber auch eine Hilfe für den Einzelnen selbst dar, da sich ihm die Möglichkeit bietet, seine Gedanken nochmals zu überprüfen und zu ordnen. Nachteil dieser Methode ist, dass keine Rückfragen zur Klärung offener Punkte möglich sind und dass nicht jeder Teilnehmer sämtliche Ideen kennt.

2.3) Mind-Mapping

Entwickelt wurde das Mind-Mapping vom Engländer Tony Buzan. Diese Methode dient zum strukturieren, visualisieren und präzisieren von Problemstellungen. Gegenüber herkömmlichen Notizen haben Mind-Maps noch weitere Vorteile: Sie sind zum einen weitaus flexibler, zum Beispiel kann man jederzeit etwas an- oder einfügen. Außerdem regt eine Mind-Map die Kreativität an, denn das Gehirn strebt stets danach, Bilder zu vervollständigen. Durch die gleichzeitige Nutzung der Gehirnhälften werden neue und verborgene Ideen erzeugt, und durch Mind-Maps, den Ergebnissen des Mind-Mappings, zusammengefasst und strukturiert. Komplexe Probleme können so komplett und dennoch übersichtlich dargestellt werden. Das Vorgehen beim Mind-Mapping sieht wie folgt aus:

  • In der Mitte von einem Blatt wird das Thema notiert und eingekreist.
  • Nun werden Schlüsselworte gesammelt die zum Haupthema gehören. Diese Schlüsselwörter unterteilt das Hauptthema in weitere Bereiche. Selbstverständlich kann hier mit Formen, Farben und Bildern gearbeitet werden.

mindmap

Die Vorteile des Mind-Mapping sind:

  • Durch die Verzweigungen kann die Bedeutung eines Gedankens oder einer Idee sehr gut dargestellt werden.
  • Durch das Mind-Mapping werden Lücken offenbart. Aufgrund der grafischen Darstellung ist sehr leicht nachzuvollziehen, welche Gedanken oder Geschäftsideen gut und welche weniger entwickelt sind.
  • Mind-Maps sind stets für Erweiterungen offen.
  • Man konzentriert sich auf das Wesentliche.
  • Zusammengehörige Ideen/Konzepte können durch farbliche Kennzeichung hervorgehoben werden.

Es gib noch eine Vielzahl von weiteren intuitiven Methoden die wir hier in diesem Beitrag aber nicht ausführlich beschreiben möchten – hierzu zählen: das Edison Prinzip, die Metaplan-Methode, die KJ-Methode, Bionik, Synektik, CATWOE oder die Tilmag-Methode.  Daneben haben sich Techniken entwickelt, welche die intuitiven und die systematisch-analytischen Elemente vereinen – Kombimethoden.

3) Kombimethoden

3.1) Walt-Disney-Methode

Diese Methode kann von einer Einzelperson wie auch von einer Gruppe angewendet werden. Sie ist besonders hilfreich, wenn es darum geht, Gedanken und Visionen zu konkretisieren. Entwickelt wurde diese vom Amerikaner Robert Dilts durch Modellieren von Walter Elias Disney. (Modellieren bedeutet hier den Prozess des Ab- und Nachbildens menschlicher Höchstleistungen.) Es handelt sich hierbei um eine Kreativitätstechnik auf der Basis eines Rollenspiels, bei dem eine oder mehrere Personen ein Problem bzw. einen Sachverhalt aus drei Blickwinkeln betrachten: 1) Träumer, 2) Realist, 3) Kritiker.

Die Vorgehensweise ist recht einfach: Man schafft drei unterschiedliche Orte – also für die Rolle des Träumers, des Realisten und des Kritikers. Nun wird das bekannte Problem sichtbar aufgeschrieben und man “schlüpft” in die unterschiedlichen Blickwinkel. Dann bewegt man sich auf eine der anderen Positionen, nimmt diese Rolle ein und argumentiert aus dieser Perspektive. Man verändert die Positionen im Wechsel solange, bis ein ausreichend guter Zustand einer Idee entwickelt wurde. Die zuletzt eingenommene Position ist wieder die neutrale.

3.2) Zukunftswerkstatt

Diese Methode wurde von Robert Jungk, Rüdiger Lutz und Norbert Müllert erfunden. Diese Kombi-Methode soll die Phantasie anregen, um mit neuen Ideen gesellschaftliche Problem lösen zu können. Sie eignet sich vor allem für Teilnehmer, die sehr wenig Erfahrung mit Prozessen der kreativen Entscheidungsfindung haben. Hier zählen meines Erachtens Kinder und Jugendliche. Wichtig bei dieser Methode ist ein guter Moderator.

Diese Reihe soll die wichtigsten Methoden zur Ideenfindung darstellen.  Ein “Patentrezept”  zur Ideenfindung können wir nicht geben, da keine der beschriebenen Methoden alle Problemstellungen unter einen Hut bringt. Vielmehr soll hiermit aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten zur Ideenfindung,- generierung vorhanden sind und wie man sich einen Überblick verschaffen kann. Im nächsten Beitrag gehen wir auf die Ideenauswahl und Ideenbewertung detaillierter ein.

Über den Autor:

tobias-henle

Tobias Henle ist Mitgründer von Ideen-Manager.de und bereits während des Studiums gründete er mit Kommilitonen ein Dienstleistungsunternehmen und offerierte Consulting im Bereich eCommerce. Namhafte mittelständische Konzerne gehörten schon damals zu seinem Kundenstamm. Nachdem er sein Studium der Betriebswirtschaftslehre und seine Diplomarbeit über Schlüsselfaktoren erfolgreichen eCommerces abgeschlossen hatte, begann Tobias Henle seine Laufbahn bei einem deutschen Großkonzern.

Während der folgenden sechs Jahre lag sein Schwerpunkt im Financial und Operational Controlling. Tobias verließ Anfang 2007 das Unternehmen als Senior Financial Controller und wandte sich anschließend dem Bereich Venture Management und Strategische Unternehmensplanung eines weiteren Großkonzerns zu. In dieser Tätigkeit ist er auf Venture-Capital-Veranstaltungen und generell aktiv in allen Beteiligunsphasen, von der Übernahme bzw. Neugründung von Unternehmen über die laufende Betreuung in sämtlichen kaufmännischen und strategischen Belangen, bis zur Deinvestition der Beteiligungen.