Die Windeln.de-Gründer Alexander Brand und Konstantin Urban (von links)

Die Windeln.de-Gründer Alexander Brand und Konstantin Urban (von links)

„Wir sind selbst nicht zufrieden mit 2016.“ Das gesteht der Babyartikelversender Windeln.de in seinem heute vorgelegten Geschäftsbericht ein. Zufrieden sein können die Münchner auch nicht, das vergangene Jahr war geprägt von Negativschlagzeilen über Massenentlassungen und dem überaus wichtigen, strauchelnden China-Geschäft. Gleich mehrfach mussten das Team um Gründer und CEO Alexander Brand die Erwartungen nach unten korrigieren.

Und korrigiert wurde bei Windeln.de im vergangenen Jahr einiges. Der Geschäftsbereich Shopping Clubs wurde aufgegeben und die Marke Nakiki als „ready-to-ship Online Shop“ neu gelauncht. Der Kundenservice wurde ausgelagert. Mit Formila plus, Max & Lilly, Dimboworld und Avani wurde eine Vielzahl von Konzern-Eigenmarken im Nahrungs- und Gebrauchsgüterbereich gestartet, die höhere Margen versprechen als der Vertrieb von Fremdprodukten. In China eröffnete das Unternehmen die neue Plattform Tmall Global Shop. Und es wurde eine neue Planungssoftware eingeführt.

Ob das etwas gebracht hat? Der Blick auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stimmt erst einmal skeptisch: Der Umbau hat Windeln.de ordentlich Geld gekostet. Die europäische Expansion, die Regulierungsänderung in China und die neue Betriebs-Software führten zu einem Saldo von minus 26,7 Millionen Euro (für die fortgeführten Aktivitäten), im Jahr zuvor war das Minus mit 9,3 Millionen Euro noch deutlich niedriger ausgefallen.

An der Börse abgestürzt

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Der Börsenkurs von Windeln.de

Die Anleger an der Börse zeigen derzeit nicht viel Hoffnung. Das Windeln.de-Papier wurde im Mai 2015 für von 18,50 Euro emittiert – viel zu viel, wie sich spätestens beim Blick auf den gegenwärtigen Stand zeigt. Bei einem Kurs von um die drei Euro ist es für das Unternehmen auf absehbare Zeit keine Option, am Kapitalmarkt Geld für ein schnelleres Wachstum aufzunehmen.

Aber es gibt auch Positives zu vermelden. Immerhin schloss Windeln.de das Geschäftsjahr 2016 aber mit einem Umsatz von 194,8 Millionen Euro ab, was einem Wachstum von 21 Prozent entspricht – im Vorjahr waren es 161,0 Millionen Euro. Das vierte Quartal 2016 war mit 57,1 Millionen Euro das umsatzstärkste Quartal seit der Unternehmensgründung. Der Grund dafür sei vor allem das gute Weihnachtsgeschäft gewesen.

Der Umsatz mit den chinesischen Kunden belief sich allein im vierten Quartal 2016 auf 27,5 Millionen Euro. Die Aktivitäten in dem Land machen also fast die Hälfte aller Umsätze aus. Insgesamt entfielen im Jahr 2016 rund 71 Prozent der Umsätze auf das Segment German Shop, das auch das China-Geschäft beinhaltet, weil es von Deutschland aus bedient wird.

Es gibt auch Wachstum

Derweil hat sich Umsatzbeitrag des Segments International Shops, das die Aktivitäten im europäischen Ausland – die Plattformen Feedo, Bebitus, Pannolini.it und Windeln.ch – beinhaltet, mehr als verdoppelt: 29 Prozent der Umsätze auf Gruppenebene entfallen auf die europäischen Länder, zuvor waren es 13 Prozent.

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Auch bei den Kundenzahlen geht es den Angaben zufolge bergauf. Ende Dezember zählte der Versender von Produkten für Babys und Kleinkinder 1,07 Millionen aktive User – also solche Kunden, die mindestens zwei Mal im Monat bestellt haben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von rund 24 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr 2017 erwartet Windeln.de dennoch ein niedrig zweistelliges Umsatzwachstum. Der Fokus liege dabei auf der Erreichung der Gewinnschwelle, die das Münchner Unternehmen bis 2019 schaffen will. Ob die angestoßenen Schritte für die Kostensenkung und das eher wenig ambitionierte Umsatzziel dafür reichen?

Bild: Windeln.de; Chart: ONVISTA