Anthroposophie, dreigliedrige Gesellschaft, Rudolf Steiner, Social-Business, Wirtschaftssystem, Update, Nachhaltigkeit

Viel wurde in den letzten Jahren über die Rolle der Wirtschaft, ihre Funktion, ihre Macht und ihre Verantwortung diskutiert und oft genug dabei die Frage gestellt, ob dieses System, so wie wir es kennen und so wie es immer noch gelehrt wird, überhaupt noch einen Daseinsberechtigung hat. Oder ob es schon längst überholt ist. Heute der dritte Ansatz zum Umdenken: Wirtschaft dient den Menschen – Anthroposophie.

Anthroposophie in der Wirtschaft

Alnatura, Dr. Hauschka, DM, GLS Bank – sie alle haben ihr wirtschaftliches Handeln nach anthroposophischen Grundsätzen ausgerichtet, und sie alle zählen zu den wachstumsstärksten und verantwortungsvollsten Unternehmen in Deutschland und sogar weltweit. Was ist es, was dieses Unternehmer verinnerlicht haben?

Um die Weite des Feldes bemessen zu können, muss man wissen, dass Rudolf Steiner (1861 – 1925) einer der prägendsten und zugleich kontroversesten diskutierten universellen Denker war, und immer noch ist. Ob die biologisch-dynamische Landwirtschaft (zum Beispiel Demeter), die homöopathische Medizin (zum Beispiel Wala, Weleda) oder die Waldorfschulen, sie alle beziehen sch auf ihn. Seine Impulse zur wirtschaftlichen Neugestaltung, um 1920 verfasst, besitzen noch heute eine beeindruckende Aktualität.

Rudolf Steiner kommt von der Geisteswissenschaft und sieht in der Wirtschaft einen gesellschaftlich-wesentlichen aber dennoch zweckgebundenen Bereich, der in erster Linie die Entwicklung der Menschen sichern soll.

Rudolf Steiner und die dreigliedrige Gesellschaft

Grundlage von Rudolf Steiners Überlegungen ist die Idee der dreigliedrigen Gesellschaft. Sie besteht aus den Wirkensbereichen Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben. Verkürzt gesagt gibt uns das Rechtsleben Führung, Sicherheit, einen verlässlichen Handlungsrahmen, das Wirtschaftsleben sichert unsere Existenz und schafft Raum zur Entfaltung, das Geistesleben gibt uns einen Sinn und die Möglichkeit zur persönlichen wie gesellschaftlichen Entwicklung.

Diese drei Bereiche, in Unabhängigkeit voneinander aber in Harmonie miteinander lebend, bilden den Rahmen für eine gesunde Entfaltung der Gesellschaft. Den Gedanken der Dreigliederung überträgt Rudolf Steiner auf alle Aspekte des täglichen Miteinanders, so auch das Wirtschaftsleben. Ein Beispiel: besonders gute Arbeit leisten wir dann, wenn wir uns wohl fühlen, eine gewisse Sicherheit verspüren, wenn die Arbeit Spaß macht und uns einen Sinn gibt, wenn sie uns ernährt und hilft, unsere Träume zu verwirklichen.

Es ist das Zusammenspiel von Rechtssicherheit, Wertschöpfung und geistiger Entfaltung, das uns zu den besten Leistungen beflügelt. Vernachlässigen wir einen der drei Bereiche, zum Beispiel die geistige und kulturelle Entwicklung, dann unterscheidet uns nichts mehr von vor sich hin vegetierenden Primaten. Nur alle drei Glieder zusammen flechten das Band eines erfüllten Lebens.

Alnatura formuliert sein Unternehmensphilosophie so: „Sinnvoll für Mensch und Erde.“

Nachsatz: Rudolf Steiners hat sich sehr konkret zu diversen Aspekten der Wirtschaft geäußert: So hat er sich beispielsweise ausführlich mit der modernen Arbeitsteilung auseinander gesetzt, dem Miteinander innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft, einer gerechten Preisbildung und vielem mehr. Diese einzeln ausführlicher zu beleuchten, würde aber diesen Rahmen sprengen.

Weiterführende Informationen und Bücher zum Thema gibt es hier.

Wer sein Unternehmen bereits nach dieser Philosophie oder in Anlehnung an sie ausgerichtet hat, der schreibe Gründerszene, wie er es in der Praxis umsetzt, welche Chancen und Erfolge oder auch welche Hürden es für ihn gebracht hat, als Kommentar unter dem Artikel.

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Bild: juli.gänseblümchen  / pixelio.de