Auskunfteien wissen mehr als einem lieb ist – das kann unangenehm werden

Der Scoring-Markt boomt. Das Geschäft mit den Angaben darüber, wie kreditwürdig ein Verbraucher ist, lockt zunehmend Startups an. Gerade erst hat zum Beispiel das neue Berliner Startup Bonify ein Millionen-Investment vom berühmten VC Index Ventures eingestrichen. Die Idee des Fintechs: Erst bekommt der Nutzer eine Auskunft über seine Bonität, dann vermittelt Bonify passende Angebote – beispielsweise Finanzprodukte wie Kredite. Ab dem Frühjahr soll das Angebot starten.

Auch die Kreditplattform Smava hat mit Score Kompass ein ähnliches Angebot – Gründerszene berichtete. Auf der Plattform kann sich jeder Nutzer seine Kreditwürdigkeit tagesaktuell ansehen.

Das Hamburger Scoring-Startup Kreditech setzt für die Bonitätsprüfung auf eigene Algorithmen und eigene Daten aus sozialen Netzwerken. Das passiert mit Einverständnis der Nutzer, Datenschützer graut dennoch bei diesem Modell. Unterdessen sind Bonify und Smava noch immer auf traditionelle Auskunfteien angewiesen. Smava arbeitet mit der Bertelsmann-Tochter Arvato zusammen, Bonify kooperiert mit Creditreform. Und auch die stehen in der Kritik: Sie sollen Datenschutz nicht ernst nehmen und Verbraucher häufig falsch einschätzen. Die Folge können abgelehnte Kredite sein, hohe Versicherungsprämien oder kein neuer Mietvertrag.

Wie funktioniert das Geschäft mit den Kredit-Ratings und was wollen die Startups anders machen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie verdienen Auskunfteien ihr Geld?

Auskunfteien sind Unternehmen, die mit Daten handeln. Sie sammeln alle möglichen personenbezogenen Informationen, errechnen daraus einen sogenannten Score und verkaufen diesen weiter. Ihre Daten erhalten die Auskunfteien von Banken, Versicherungen, Mobilfunk- und Stromanbietern. Wer zum Beispiel einen Handyvertrag abschließt, willigt ein, dass ein Teil seiner Daten an die Partner-Auskunftei übermittelt wird. Auch Online-Versandhäuser informieren sich über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden bei Wirtschaftsauskunfteien. Zalando zum Beispiel arbeitet mit dem Hamburger Dienst Bürgel zusammen, hinter dem der Versandriese Otto und die Allianz stehen.

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Die Schufa ist laut Geschäftsbericht 2014 die größte Auskunftei mit 9.000 Unternehmenskunden. Daneben gibt es noch vier weitere große in Deutschland: ArvatoBürgel, Creditreform Boniversum und Deltavista.

Welche Daten liegen bei den Auskunfteien?

Die Anbieter haben sehr unterschiedliche Datenbestände: Arvato zum Beispiel speichert keine Vertragsdaten, sondern lediglich Negativeinträge wie unbeglichene Rechnungen. Die Schufa dagegen weiß, welche Verträge eine Person abgeschlossen hat. Übrigens können auch ohne das Einverständnis Betroffener Daten an Auskunfteien übermittelt werden. Unternehmen dürfen etwa über einen Zahlungsausstand informieren, wenn auf die zweite Mahnung nicht reagiert wurde.

Warum stehen die Auskunfteien in der Kritik?

Die Arbeit von Auskunfteien ist relevant für Firmen, die Verträge oder Kredite anbieten. Sie brauchen zur Risikobewertung Hintergrundwissen über ihre zukünftigen Kunden. Das ist legal. Doch Wirtschaftsauskunfteien stehen in der Kritik. Datenschützer sorgen sich, dass Schuldner und Vertragspartner ausgespäht und ungleich behandelt werden könnten. Ein Kritikpunkt: Die Unternehmen müssen nicht offen legen, welche Faktoren in die Berechnung einfließen und zu welchen Gewichtungen. Die Zeitschrift Finanztest beanstandete jüngst, dass die Anbieter nicht genügend deutlich machten, wie falsche Daten korrigiert werden könnten. Keine der untersuchten Auskunfteien hätte klargestellt, unter welchen Bedingungen eine nicht bezahlte Rechnung an sie gemeldet und gespeichert werden dürfe.

Was wollen die Startups besser machen?

Der Score Kompass von Smava will für Transparenz sorgen: Die Auskunft über die Kreditwürdigkeit ist tagesaktuell, und sie listet auf, welche Faktoren mit welcher Gewichtung eingeflossen sind. Smava kann sich laut eigener Aussage vorstellen, bald auch mit weiteren Auskunfteien zusammenzuarbeiten. Schließlich fragen Banken vor einer Kreditvergabe in der Regel auch mehrere Auskunfteien an. Findet ein Verbraucher in seiner Scoring-Berechnung falsche Angaben, verspricht Smava, den Verbrauchern diese Angaben bei der Auskunftei Arvato zu korrigieren.

Bonify hingegen plant, die Daten der Auskunfteien mit Informationen der Verbraucher zu kombinieren. Mit einem Gehaltsnachweis lässt sich beispielsweise das Scoring verbessern. Und die Verbraucher können einsehen, ob die Daten der Auskunfteien veraltet sind. Wurde ein Kredit doch zurückgezahlt, könnten sie dies mithilfe des Startups bei der Auskunftei melden, erklärt Mitgründer Gamal Moukabary gegenüber Gründerszene.

Bild: Getty / Dann Tardif/Fuse