In dieser App dreht sich alles um alberne Fragen. Etwa: Wer ist dein Lieblings-Kardashian? Oder – was magst du lieber: Sneakers oder Stiefel?

Mit Wishbone (deutsch: Wünschelrute) ist dem ehemaligen Myspace-Chef Mike Jones ein echter Viral-Hit gelungen. Seit vier Monaten ist die App live und zählt bereits drei Millionen Nutzer. Die meisten von ihnen sind Mädchen im Teenager-Alter. Jones hatte mit dem Tech-Inkubator Science schon zuvor an einigen Apps und Websites gearbeitet. Der Dollar Shave Club und DogVacay gehören zu den erfolgreichen Startups, in die Science investiert hat. Ein vergleichbarer Hit war bisher allerdings nicht dabei.

Das soziale Netzwerk Wishbone funktioniert nach dem Hot-or-Not-Prinzip – mit einem ähnlichen Konzept hatte Mark Zuckerberg anfangs Facebook gestartet. Der Nutzer kann bei einer Frage zwischen zwei Optionen wählen, die mit Bildern illustriert sind. Nach der Entscheidung sieht man das Abstimmungsergebnis aller Nutzer. Die Fragen kommen von den Machern und den Nutzern der App.

Dieses Prinzip hat viele Menschen angefixt: Im September ist Wishbone in die Liste der 20 beliebtesten iOS-Apps im Bereich Social Networking aufgestiegen, aktuell belegt die App im US-Store Platz acht. 200.000 Fragen erstellen die Nutzer jeden Tag, mehr als 40 Millionen Mal swipen die Teenager bei einer Wahl nach rechts oder links. Durch Werbung hat Wishbone angeblich bereits mehr als eine Million US-Dollar eingenommen.

Im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken ist das Wachstum von Wishbone beeindruckend: Facebook hatte nach einigen Monaten erst eine Million Nutzer. Tinder – das mit einem vergleichbaren System arbeitet – brauchte sogar ein Jahr, um zwei Millionen User zu finden.

Ob das US-Startup ähnlich schnell weiter wächst, bleibt abzuwarten. Denn die Zielgruppe der App ist vom Layout und den Fragen auf Teenagermädchen zugeschnitten. Allerdings sind auch andere Kanäle überwiegend jung und weiblich. Beispielsweise der Messenger Snapchat mit etwa 70 Prozent weiblichen Nutzern oder Instagram (68 Prozent). Unterdessen haben die Wishbone-Macher bereits versucht, die Zielgruppe zu vergrößern: Mit Slingshot startete der Inkubator bereits eine Jungs-App, die schon in die Liste der 50 beliebtesten iOS-Apps aufgestiegen ist – aber nicht mit der App von Facebook verwechselt werden sollte.

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Laut Jones finden Teenager Fernsehen und Computer langweilig – sie hätten ausschließlich „Hunger“ auf Smartphone-Apps. Trotz seines Alters sei ihm das am eigenen Verhalten aufgefallen: Er verwende immer nur vier bis fünf Apps auf seinem Smartphone und langweile sich schnell, wenn es keine neuen Nachrichten oder Updates mehr gebe.

Der Wishbone-Macher erklärt den Erfolg seiner App anhand von drei Faktoren. Erstens: Science haben den Usern die Möglichkeit angeboten, ihre eigenen Inhalte zu erstellen. Zweitens: Instagram. Ein paar beliebte Instagramer hätten Wishbone erwähnt und ihre Follower – vor allem Teenagermädchen – dazu bewegt, die App herunterzuladen. Drittens: der Beginn des Schuljahrs. Laut Jones wurde Wishbone in das Morgenritual der User einbezogen. Science habe eine Wachstumswelle bemerkt, als das Schuljahr anfing und Wishbone unter Freundinnen verbreitet wurde.

Bild: Michael Berger