Tijen Onaran ist leidenschaftliche Netzwerkerin

Erfolgreiche und interessante Frauen einander vorstellen, das hat Tijen Onaran schon immer Spaß gemacht. Die 30-Jährige leitete vier Jahre lang das Wahlkreisbüro der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Sie war so begeistert von deren Netzwerk-Strategien, dass Onaran beschloss, ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Zunächst versammelte sie mehrere Frauen aus ihrem Umfeld bei einem Stammtisch in einem Berliner Lokal. Das klappte sofort und immer mehr wollten zu den regelmäßigen Treffen kommen. Bei ihrem nächsten Arbeitgeber, dem Händlerbund, baute Onaran schließlich ein Netzwerk für Frauen im E-Commerce (WIE) auf.

Rund 800 Frauen sind dem Netzwerk mittlerweile beigetreten, bekannte Firmen wie Microsoft oder Google unterstützen die gebürtige Karlsruherin bei ihrem Vorhaben. Vor kurzem entschied sich Onaran dazu, ihr Netzwerk umzubenennen: Women in Digital, abgekürzt mit WIDI, heißt es jetzt. Unterstützt wird sie von der Gründerin Constanze Wolff und der Kommunikationsberaterin Anna Geuchmann. Schirmherrin ist die TV-Moderatorin Annett Möller.

Im Interview spricht Tijen Onaran über das, was Women in Digital anders machen soll als andere Netzwerke – und wie sie das Projekt finanziert.

Tijen, aus Women in E-Commerce wird jetzt Women in Digital. Wieso?

Women in E-Commerce habe ich in meiner Funktion als Leiterin der Kommunikationsabteilung beim Händlerbund ins Leben gerufen. Das Netzwerk hatte aus diesem Grund einen E-Commerce-Fokus. E-Commerce allein bildet aber nur einen Teil der Digitalbranche ab. Daher lag es nahe, eine Plattform zu schaffen, die alle Vertreterinnen der Branche zusammenbringt.

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Was genau bringt das Netzwerk den teilnehmenden Frauen?

Die Digitalbranche ist eine Zukunftsbranche – hier gemeinsam mit Entscheiderinnen aus Politik, Unternehmen, Verbänden und Organisationen eine Plattform zu gestalten, ist sowohl persönlich als auch beruflich spannend und hilfreich. Wenn beispielsweise eine Grafikerin in einem Startup den Zugang zu einer Entscheiderin eines börsennotierten Konzerns sucht, kann sie den in unserem Netzwerk finden. Durch die unterschiedlichen Frauen, die wir bei Women in Digital ansprechen und einbinden, finden sich ganz verschiedene Positionen, Erfahrungen, Lebens-, und Businessmodelle wieder. Oder benötigt eine Frau vielleicht Zahlen, Daten und Fakten zu beispielsweise Female Leadership in der Digitalbranche? Wir wollen auch Studien erheben und können so helfen, solche Themen zu platzieren.

Es gibt schon viele Netzwerke für Frauen – auch in der Digitalbranche. Beispiele sind Venture Ladies aus Berlin, Geekettes oder Digital Media Women. Wie unterscheidet sich Women in Digital von diesen Netzwerken?

Ich glaube, dass es wichtig ist, ganz unterschiedliche Netzwerke zu haben, die auch die unterschiedlichen Bedürfnisse abbilden. Für manche ist der Austausch unter Gründerinnen wichtig, weil sie gerade in der Startphase ihres Unternehmens sind. Für andere wiederum ist es spannend, sich mit Frauen aus der PR-Branche auszutauschen, um sich Inspiration für die nächste PR-Kampagne zu holen.

Mit Women in Digital setzen wir bei der Vielfalt der Digitalbranche an und bilden diese auch ab. Wir schreiben nicht vor und kommunizieren auch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern platzieren die Frauen mit ihren Geschichten auf unseren eigenen Events, aber auch auf Veranstaltungen von anderen. Das Interessante sind doch die Erfolgs- und Stolpergeschichten – nur so erreichen wir Sichtbarkeit. Wir wollen auf keinen Fall eine Selbsthilfegruppe im Kopfschmerzmodus sein.

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Du wirst künftig 50 Prozent deiner Arbeitszeit in Women in Digital stecken. Woher kommt deine Leidenschaft für dieses Thema?

Ich komme ursprünglich aus der Politik. Da sind Vernetzung, Koalitionen bilden und schaffen täglicher Begleiter. Und schon damals habe ich entweder für oder mit starken Frauen wie beispielsweise Silvana Koch-Mehrin eng zusammengearbeitet. Das hat mich sehr geprägt. Auch während meiner Zeit im Bundespräsidialamt habe ich bei Gesprächen im kleinen Kreis bis hin zu großen Veranstaltungen viel mitbekommen und konnte so meine Empathie für unterschiedliche Lebenswege entwickeln. Ich lasse mich von interessanten Persönlichkeiten gerne inspirieren und habe die Erfahrung gemacht, dass es anderen genauso geht.

Kannst du mit dem Netzwerk Geld verdienen?

Women in Digital wird ein gemeinnütziger Verein. Wir finanzieren uns hauptsächlich durch Sponsoren und Fördermitgliedschaften. In unserer ersten Veranstaltung werden wir zum Beispiel von Google, Edding Laque, Bonprix, Zalando, Königsdruck, Mister Spex und anderen unterstützt. Ich selbst bin unter anderem als PR-Beraterin aktiv, Women in Digital ist dagegen mein ehrenamtliches Engagement.

Was ist deine Vision für Women in Digital?

Die meinungsbildende Plattform für Frauen aus der Digitalbranche zu werden.

Danke für das Interview, Tijen.

Bild: Peter Rigaud