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Wooops! – Swoopo erhitzt die Gemüter: Abzocke oder „Entertainment Shopping“ als neuer Verkaufsansatz im Ecommerce?

11. August 2009 von Joel Kaczmarek 58Kommentare

Bereits seit dem Sommer 2005 wird von der Münchner Entertainment Shopping AG ein neues Geschäftsmodell betrieben, das viel Cash abwirft und gleichermaßen erschreckte Bewunderung wie auch irritierte Verwunderung hervorruft: Das Portal www.Swoopo.de ist ein Auktionshybrid, der die Prinzipien von Ebay, Woot (auf Woot erscheint täglich ein Artikel zu Discountpreisen, auf den dann geboten werden kann) und einem einarmigen Banditen vereint.

Swoopo

Swoopo funktioniert so, dass die Nutzer Gebote abgeben, die jeweils 50 Cent kosten und die sie auch in Paketen (“Bid-Packs”) kaufen können. Einen Mengenrabatt gibt es nicht, sondern wie in einer Spielbank kauft man sich so nur eine Art Spielchip zum Preis von einem halben Euro. Vergleichbar einem einarmigen Banditen bietet man nun auf ein Produkt, indem man sein Swoopo-Gebot wie einen Spielchip einsetzt. Dadurch steigt der Preis für das Produkt (quasi der „Jackpot“) um 10 Cent. Gleichzeitig erhöht sich die Angebotsdauer um maximal 20 Sekunden, als würden sich die Räder eines Automaten weiterdrehen. Sobald die Aktion endet, bezahlt der letztbietende den finalen Preis, wenn er denn das Preisangebot annehmen möchte. Es ist ihm auch möglich, die Auktion auszuschlagen. Den Preis für die Gebote muss er dennoch bezahlen.

Allerdings hinkt der Vergleich zum Glücksspielautomaten etwas, weil Glücksspiel bedeutet, dass der Ausgang einer Interaktion vom Zufall abhängt, bei Swoopo entscheiden aber die Nutzer. Auch wird der “Jackpot” nicht ausgezahlt, sondern muss im Gegenteil bezahlt werden. Dennoch gleicht sich die Funktionsweise (Einheiten kaufen, einsetzen und so den Fortgang des Systems bewirken) in gewisser Weise und lässt sich wohl am besten an einem Beispiel erläutern:

Ein Beispiel: Wie ein iPod Touch für 1.080 Euro den Besitzer wechselt

Beispielrechnung

Und, gemerkt? Jeder Nutzer zahlt 50 Cent für ein Gebot, wenn er es einsetzt steigert sich der Preis jedoch nur um 10 Cent. Das heißt der letztendlich angezeigte Preis entspricht nur 20 Prozent dessen, was de facto in die Auktion von allen Usern investiert wurde. Nimmt man an, geboten wird auf einen 8 GB Apple iPod Touch, der in Deutschland zurzeit einen Marktpreis von 219 Euro hat, und dass das Gerät bei Swoopo den Besitzer für 180 Euro wechselt, entspräche dies 1.800 Geboten zu je 10 Cent. Erinnert man sich nun daran, dass die Nutzer für ein Gebot aber nicht 10, sondern 50 Cent bezahlen, beläuft sich der von allen Nutzern bezahlte Preis schon auf 900 Euro. Plus die 180 Euro, die der Letztbietende zu zahlen hat, ergibt sich so eine Summe von 1.080 Euro für ein Gerät, das auf dem Markt 219 Euro kostet.

Vielleicht erklärt sich daraus auch die Tatsache, dass das Geschäftsmodell von Swoopo offenbar die Gemüter erhitzt (einem Swoopo-Artikel bei Coding Horror schließen sich insgesamt zirka 60 DIN A4-Seiten Kommentare an):  Für den einen Bieter, der den iPod letztlich 39 Euro billiger ersteht als im Handel, mag ein guter Deal zustande gekommen sein. Doch de facto wird dieser Preis durch die anderen 1.800 Bieter quersubventioniert, die den Zuschlag nicht bekommen haben.

Allerdings wurde in den letzten drei Monaten kein iPod Touch in einer solchen Höhe verkauft. Durchschnittlich lag der Preis für ein Gerät seit Juli bei 47 Euro, was in gut 50 Prozent der Fälle einen Gewinn für Swoopo bedeutete. Der Swoopo-Direktkaufpreis des Geräts liegt bei 199,95 Euro, also immer noch günstiger als bei Apple selbst. Laut Angaben von Swoopo bleibe man auch auf dem gesamten Portal bei 50 Prozent der abgeschlossenen Auktionen mit dem Endpreis unter dem Einkaufspreis und mache damit in diesen Auktionen Verlust. Bei Margen wie der im Beispiel des iPods gelingt es dennoch, das 65 Personen starke Unternehmen umsatzstark zu machen: Der Umsatz 2008 konnte von knapp elf Millionen Euro im Vorjahr auf 21,7 Millionen Euro beinahe verdoppelt werden.

Swoopo erhitzt die Gemüter – Abzocke oder genialer neuer Verkaufsansatz?

Als “Abzocke” wird das Münchner Portal oft von seinen Kritikern beschimpft, weil die Preisentwicklung der Produkte auf Umverteilungen basiert und so leicht aus den Augen verloren werden kann. Ein Vorwurf, den CEO Gunnar Piening von sich weist: „Es ist mir ein Rätsel, warum es sich hierbei um Abzocke handeln sollte. Wir haben es mit logisch denkenden Menschen zu tun, die die Konsequenzen ihres Handelns kennen. Alles ist sehr transparent gehalten und jeder weiß zu jedem Moment, was er tut. Außerdem haben wir selbst für den Fall, dass man eine Auktion nicht gewinnt, Maßnahmen geschaffen.“ Damit spielt er auf den Direktkauf an, den Swoopo mittlerweile auch anbietet. Jene User, die nicht zu den Letztbietenden gehörten, können das von ihnen eingesetzte Geld nutzen, um das Produkt zu einem Festpreis dennoch zu erstehen. Sie zahlen einen vordefinierten Preis abzüglich der Summe, die sie bei der Auktion in Geboten bereits eingesetzt haben. Ein angenehmer Trost, bei dem auch Swoopo gewinnt.

Und wer ist der Gewinner?

Es hat womöglich derjenige Glück, der als letztes geboten hat und nun einen iPod bekommt, der 39 Euro unter dem Ladenpreis liegt. Wahrscheinlich ja, ist man nicht gerade in ein Bietfieber verfallen. Hat die Person aus dem Beispiel, die den iPod für 180 Euro erstanden hat, 78 Mal mitgeboten, liegt auch sie in Summe bei einem Kostenfaktor in Höhe des Ladenpreises. Bietet man mehr als 438 Mal, liegt man allein mit dem Preis für die Gebote höher als der Ladenpreis und hat den für alle sichtbaren Preis gleichzeitig um gerade mal 43,80 Euro angehoben.

Nur einmaliges Bieten möglichst kurz vor Ablauf der Auktion ist aber nicht unbedingt eine erfolgreiche Strategie, wird doch die Angebotsdauer stets verlängert, was wiederum anderen genug Zeit zum Bieten gibt. Und nun denke man an die Last-Minute-Bieter bei Ebay: Wenn diese schon bei regulären Auktionen die Preise in die Höhe jagen, wie intensiv gestaltet sich dies dann erst, wenn  mit jedem Bieten noch einmal bis zu 20 Sekunden hinzu kommen? Vor allem wenn swoopo auch noch einen „BidButler Service“ anbietet, der das Bieten zu vordefinierten Preisständen automatisiert für einen übernimmt? Im Vergleich zu gewöhnlichen Auktionen ist dies realitätsnäher, verlängert sich doch auch eine echte Auktion, wenn noch eine weitere Person bietet. Nicht vergleichbar ist hingegen der Umstand, dass auch diejenigen mit bezahlen müssen, die nicht den Zuschlag erhalten haben.

Gerüchte und Tratsch prägen das Bild im Web

Nicht bestätigen konnte Gründerszene die Annahmen einiger Blogger, dass Swoopo vermutlich nicht einmal die Kosten eines Lagers für die angebotenen Waren zu tragen hat. Aus einer Klausel in den AGB, dass im Falle einer Nichtverfügbarkeit ein vergleichbares Produkt als Ersatz angeboten wird, schloss etwa Coding Horror darauf, dass Swoopo auf ein Lager verzichten und so Kosten sparen würde. „Es ist bei dieser Masse an Auktionen gar nicht möglich, auf ein Lager zu verzichten. Besagte Klausel erklärt sich so, dass sich der Vertragsabschluss bei einigen Auktionen manchmal durch die Nichtzustimmung der Nutzer so lange hinziehen kann, dass das Produkt bis dahin vergriffen ist. In diesem Falle stellen wir aber einen neuwertigen Ersatz“, erklärt Piening.

Solche und andere Gerüchte halten sich wacker über das Münchner Portal: Swoopo könnte durch Bots oder Mitarbeiter selbst bei seinen Auktionen mitbieten und so sichern, dass Artikel nicht unter dem Einkaufspreis den Besitzer wechseln. Swoopo würde ungemerkt amerikanische und britische Bieter gegeneinander antreten lassen, um ein Rund-um-die-Uhr-Bieten anzuregen usw. Beim Münchner StartUp wehrt man sich gegen solche und andere Vorwürfe deutlich: „Angebote künstlich in die Höhe zu treiben ist Betrug und kriminelle Machenschaften zählen definitiv nicht zu unseren Geschäftspraktiken“, versichert Piening. Dass man amerikanische und britische Bieter “gegeneinander antreten” lässt ist hingegen korrekt und wird eindeutig ausgewiesen, wenn dies der Fall ist.

Swoopo-Screenshot

Ein geniales Geschäftsmodell? Oder eher genial daneben?

Der Erfolg von Swoopo ist auch den Investoren nicht verborgen geblieben: Insgesamt 14 Millionen US-Dollar Funding sind durch Wellington Partners (vier Millionen US-Dollar) und August Capital (zehn Millionen US-Dollar) in das Unternehmen geflossen. So bezeichnet Wellington es als eine der “innovativsten Handel- und Unterhaltungsideen im Internet”. Auch Piening, der die Microsoft-Tochter Ciao als Managing Director mitprägte und nun Swoopo leitet, sieht im Swoopo-Konzept einen gänzlich neuen Ecommerce-Ansatz, der Shoppen mit Entertainment verbindet.

Glaubt man CrunchBase, hat Swoopo seit April 2009 monatlich über 10.000 Auktionen abgeschlossen und führt 1,2 Millionen registrierte Nutzer. Zunächst in Deutschland auf den Weg gebracht, ist Swoopo mittlerweile auch in Österreich, Spanien, den USA, Kanada und dem Vereinigten Königreich verfügar. In diesem Jahr wird auch Korea folgen. Ähnliche Ableger gibt es auf dem europäischen Kontinent, beispielweise durch die finnische Plattform fiksuhuuto.com, sowie auch in den USA mit BidRodeo (seit 2008) oder Project Fair Bid (noch im Stealth-Mode).

Zugegeben, das Modell von Swoopo ist wirklich smart: Alle Nutzer, die bei einer Auktion mitbieten tragen die Kosten der Produkte und ermöglichen so die günstigen Preise. Quasi eine Umverteilung von Kosten. Und Swoopo kann eigentlich kaum verlieren: Der Cash-Flow rekrutiert sich nicht nur aus den am Ende bezahlten Auktionspreisen, sondern auch aus allen abgegebenen Geboten. Zusätzlich verdient man unter Umständen auch, wenn jemand eine Auktion verliert und sich dann zu einem Sofortkauf mit der Direktkauf-Option entscheidet.

Dies verdeutlicht vielleicht, warum Swoopo erschreckte Bewunderung wie auch irritierte Verwunderung hervorzurufen scheint: Erschreckend ist die Genialität hinter diesem Geschäftsmodell. Kosten werden auf viele Schultern verteilt und für den Einzelnen zwar transparent, aber unübersichtlich aufgeschlüsselt, indem er stets seine Ausgaben genau im Blick haben und Einsatz und De-facto-Preis rückrechnen muss. Verwundern tut hingegen der Umstand, dass sich so viele Nutzer auf dieses System einlassen. Zugegeben: Es besteht die Chance, ein Schnäppchen zu machen. Ebenso kann man aber auch draufzahlen, wenn man nicht genau nachdenkt und die Preisentwicklung mit den auf verschiedenen Ebenen entstehenden Kosten im Auge behält. Denn als „Entertainment Shopping“ beworben, verhilft Swoopo ein Mechanismus der menschlichen Psyche, der im Englischen „Endowment Effect“ (Besitztumseffekt) genannt wird: Sobald man auf ein Produkt mehr als einmal geboten hat, steigt das finanzielle Interesse an diesem Produkt und man ist möglichweise gegen jede Vernunft dazu bereit, mehr zu investieren als das Produkt Wert ist, um nicht gegen einen anderen Nutzer “zu verlieren”…
Für kalkulierende Sparfüchse, die ernsthaft an einem günstigen Kauf interessiert sind, kann Swoopo also unter Umständen Top-Angebote bereithalten. Für Zocker und Glücksjäger kann die Sache allerdings schnell teuer werden. Doch vielleicht besteht für diese die einzige Alternative im Nichtspielen. Schließlich gewinnt die Bank ja (fast) immer.

Über den Autor Joel Kaczmarek:

Joel Kaczmarek ist seit März 2009 Chefredakteur von Gründerszene. Damit verantwortet er die Zusammenarbeit mit den Ressortleitern und den Bereich “News” und “Allgemeines”. Joel hat einen Master in Europäische Medienwissenschaft und hat Design Thinking am HPI studiert. Sein Gründerszene-Debut hat Joel mit der ersten StartUp-Story “Dienstag ist Betterplace-Tag” geliefert. Joel hat die Gründerszene-Datenbank entwickelt, die im November 2009 an den Start ging.

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58 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag
  • kayoone

    Das schlimme an Swoopoo ist nicht mal die Tatsache das man dort nur mit viel Glück günstig an ein Produkt kommen kann, sondern viel mehr das der unerfahrene User dazu verleitet wird zu glauben man würde ein Mega-Schäppchen machen können, bis er am Ende realisiert das er viel Geld ausgegeben aber nichts in der Hand hat, zumal das Ende von Auktionen auch völlig offen ist, daher absolut nicht absehbar.

    So habe ich zb schon von Fällen gelesen wo Leute 200 EUR für Gebote auf eine teure Digitalkamera investiert haben um am Ende doch als Verlierer dazustehen.

    Meiner Meinung nach gehört sowas verboten, oder zumindest muss von Anfang an genau klar werden das es mehr Glücksspiel ist als alles andere.

  • sebman

    Anfang des Jahres bin ich auch mal neugierig geworden. Das Geschäftsmodell leuchtet natürlich sofort ein, allerdings bietet die Kombination aus vordergründig richtig günstigem Preis und der abtickenden Uhr ein verführerisches Gesamtpaket. Ich habe selbst einige Artikel verfolgt, um zu sehen, wie lange diese Artikel auf der Plattform verbleiben. Dabei ist mir aufgefallen, wenn mehrere bidbutler gegeneinander antreten, erhöht sich die Zeit proportional zu den vom bietbutler abgegebenen Geboten ( logisch). Das bedeutet aber, das der Artikel von 10 sekunden Restlaufzeit auf einmal bei 1 Stunde oder höher liegt. Damit ist die Schnäppchenjagd erst einmal vorbei… Frust macht sich breit. Aber Moment! Da gibt es ja noch andere Auktionen. Dann klick ich doch mal auf aktuelle Auktionen, welche natürlich nach Restlaufzeit sortiert sind. Ohh, den ipod hab ich nicht bekommen, aber gegen eine PS3 für 31.- hab ich auch nix… klick!

    Das ist doch der eigentliche Clou… niemand hat lust, nochmal 30 minuten oder mehr auf den Artikel zu warten, bis dieser wieder in die “rote Phase” kommt. Daher wird weiter gestöbert. Gewonnen wird ein Artikel in der Regel erst durch die Bid-Pleite des Bietgegners. Durch dieses System werden aber immer wieder neue User zu den Artikeln in der “roten Phase” geschleust, womit der Bid-Strom nie versagt….

    Nochwas: Es soll mittlerweile so sein, das User aus mehreren Ländern auf exakt den gleichen ( selben) Artikel bieten… muss ich noch vorrechnen, was dies bedeutet? Ich denke nicht.

    Ich weiß nicht, wie es momentan läuft, aber damals wurden Auktionen unterbrochen. z.B. ab 2 Uhr nachts…. warum wohl?

    Alles in allem eine geniale, allerdings nach meinem Geschmack zu unmoralische Idee, den Leuten mittels Ansprache der primitivsten Instinkte die Kohle aus der Tasche zu ziehen.

    Das geilste noch zum Schluss: Versteigern von Bids. Die ultimative Lizenz Geld zu drucken. Denkt mal drüber nach…

  • Fernando Bresslau

    Na ja, die Idee ist genial. Keiner kann vorwerfen, irgendetwas sei dabei falsch. Die Regeln sind klar für alle, da macht mit, wer will.
    Aber ich gebe zu, man spielt sehr stark mit den Emotionen der Kunden und wie wiet man das ethisch betreiben darf, ist eben unklar.
    Ich weiß nicht, vielleicht kriegen wirklich welche einen Kick daraus, das es so spannend gemacht wird. Aber ich biete sogar bei Ebay normalerweise auf Festpreis, ist nicht meine Sache.
    Aber Swoopo werfe ich nix vor.

  • kayoone

    Imho ein Fall für den Verbraucherschutz, auch wenn die Geschäftsidee sicherlich nicht übel ist, so ist sie auch nicht wirklich neu.

  • Sebastian

    Ein wirklich sehr guter Artikel. Ich persönlich denke nicht, dass Swoopo daneben ist. Allerdings sehe ich die Aussagen Pienings auch nicht ganz ehrlich. Der Absatz Endowment Effect ist wirklich sehr interessant.

    Piening kann zurückrudern wie er möchte. Im Grunde ist swoopo psychologisch dem Casino-Effekt nicht ganz unähnlich. Man kann vom Casino halten was man will. Im Grunde betrügt man sich nur selber, wenn man nicht aufpasst. Das Casino betrügt einen hingegen nicht.

  • kayoone

    Beim Glücksspiel weisst du im Grunde auch was du tust, trotzdem ist es nicht einfach in jeder Form erlaubt, in Deutschland ist Internetglücksspiel generell verboten und das nicht ohne Grund, weil eben nicht jeder Verbraucher sofort merkt worum es geht.

  • Max

    Ich weiß gar nicht warum sich hier so groß beschwert wird, jeder ist sich doch seiner Handlung bewusst und hey, die menschlichen Gelüste, Gefühle und Psychologie auszunutzen ist ja nun nichts Neues und können sich auch viele andere Branchen auf die Fahne schreiben. (Ich sage ja nur BWL-Marketing im Grundstudium…)

    Ich denke es ist weder Abzocke noch ein neuer Verkaufsansatz für ecommerce. Ich würde es eher als eine Art Börse betrachten, denn da wird auch viel Geld verjubelt bzw. umverteilt.

  • Gunnar Piening

    Hallo Joel,

    ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich Dein Artikel nach all den Gesprächen, die wir geführt haben, etwas erstaunt. Natürlich bleibt es Dir unbenommen, Deine Meinung zu Swoopo zu haben. Sachlich allerdings kann ich Dir nicht sehr weit folgen.

    Swoopo heißt, dass man unter Einsatz von 50 Cent pro Gebot an Auktionen auf hochwertige Produkte teilnehmen kann. Der Gewinner macht in aller Regel einen sehr guten Deal und bezahlt im Schnitt inkl. der Gebotskosten nicht mehr als 35% des Warenwertes. Alle anderen Teilnehmer können jederzeit und auch noch nach Ende der Auktion ihre gesamten Gebotseinsätze auf den Kaufpreis des Produktes anrechnen und das Produkt bei uns kaufen. Der Kaufpreis entspricht einem günstigen Preis, wie er im Internet üblich ist. Wer das Produkt wirklich haben möchte, kann bei Swoopo also nichts verlieren, hat aber eine Chance, das Produkt günstig zu bekommen. An diesem Konzept gibt es nichts auszusetzen.

    Wir beiden haben in den letzten Tagen lange über Swoopo gesprochen. Ich finde es gut, dass Du Dich an einigen Stellen in Deinem Artikel von den vielen Vorrednern im Internet absetzt. Leider jedoch lässt Du Dich in der Grundtendenz eher von den vielen unsachlichen und irreführenden Artikeln im Internet leiten als von den tatsächlichen Fakten. Das finde ich sehr schade. Swoopo hat mit dem Direktkauf ein neues Feature geschaffen, das für alle Teilnehmer eine risikolose Teilnahme ermöglicht. Bei Swoopo hat man ein Upside (die Chance auf einen sehr günstigen Preis), aber kein Downside (weil man ja unter Anrechnung aller angefallenen Kosten einfach kaufen kann. Dieses Konzept ist sehr innovativ und kundenfreundlich. Leider gehst Du darauf nur in Nebensätzen ein.

    Du behauptest eingangs, Swoopo wäre wie ein einarmiger Bandit, um gleich darauf (und richtig) zurückzurudern und zu sagen, dass Swoopo nichts mit Glücksspiel zu tun hat. Swoopo ist nachweislich kein Glücksspiel, sonst würde es uns (und die vielen, vielen Nachahmer) längst nicht mehr geben. Warum dann die Analogie?

    Dann konstruierst Du in aller Ausführlichkeit ein Rechenbeispiel über die angeblich hohen Margen bei Swoopo. Gleich darauf ruderst Du wieder zurück und sagst, dass Dein aus der Luft gegriffener hoher Endpreis des Beispielproduktes Apple Ipod Touch ja gar nicht erreicht werde. Warum dann erst einen solchen Fall konstruieren?

    Sicher wird es jetzt wieder viele Kommentare zu Deinem Artikel geben. Jeder, der sich wirklich mit Swoopo auseinandersetzen möchte und nicht nur haltlose Unterstellungen in den Raum werfen möchte, kann sich gerne bei mir unter gpswoopo@gmail.com melden.

  • kayoone

    das Direktkauf Feature scheint neu zu sein, gut dann erscheint das ganze schon in einem anderen Licht.
    Denke trotzdem das unerfahrene/leichtgläubige Nutzer von solchen Angeboten beeinflusst werden ohne alle Hintergründe zu kennen.

  • Joel Kaczmarek Autor

    Hi all,

    ich finde die Kommentare zu diesem Artikel sehr gut, weil sachlich und intelligent. Und es freut mich auch, dass Du auch dazu Stellung nimmst, Gunnar.

    In der Tat habe ich viel mit Gunnar über den Swoopo-Ansatz gesprochen und ich habe dadurch interessante Einsichten über Swoopo gewonnen. Und ich glaube auch, dass die Darstellung des Portals entsprechend ausgewogen ist. Wir thematisieren kritische Inhalte wie die Unübersichtlichkeit des Bietvorgangs, stellen dem aber auch die Transparenz der Interaktion gegenüber. Ich glaube, dass die Kritik am Modell so sehr sachlich wird und stets beide Seiten beleuchtet: Kritiker und Macher der Seite.

    Daher finde ich es auch sinnvoll, dass man die Extrembeispiele wie den 180-Euro-iPod mit der Realität kontrastiert. Und dass Du Glücksspiel-Vergleiche nicht magst, Gunnar, kann ich von Herzen verstehen, aber sie haben doch eine gewisse Berechtigung, wie ich finde.

    Mein persönliches Fazit lautet, dass Swoopo ein sehr interessantes Geschäftsmodell ersonnen hat und die kritikwürdigen Inhalte durch die Direktkauf-Option zu großen Teilen entschärft hat. Wer an einem Kauf interessiert ist, kann bei Swoopo Glück haben, muss aber auch die Intelligenz mitbringen, Kosten aufrechnen und kalkulieren zu können.

  • Patrick

    Ich hielt swoopoo auch lange für Abzocke und auf der anderen Seite ein extrem cleveres Geschäftsmodell. Durch die Direktkauf-Option muss man aber wohl nicht mehr von Abzocke reden. Man kann sein Glück probieren und wenn es nicht klappt, kauft man es nach der Auktion trotzdem noch günstig. Das finde ich in Ordnung.
    Die Marge muss sich dann eben aus den Nutzern generieren, die nur ihr Glück auf ein Schnäppchen probieren, das Produkt aber gar nicht unbedingt haben wollen und das finde ich in Ordnung.

  • sebman

    @ Gunnar:

    Ich schrieb schon weiter oben, dass meine persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen Anfang des Jahres gemacht wurden. Dort gab es die Möglichkeit des Direktkaufs unter Anrechnung der abgegebenen Bids noch nicht, oder wurde nicht ausreichend kommuniziert.

    Und ganz ehrlich: Ihr habt richtig (und damit mein ich richtig) Geld verdient.

    Da ihr jetzt das Geschäftsmodell umgestellt habt. Vom Bid-Verkäufer hin zum Artikel-Verkauf, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Kundenfreundlicher, definitiv. Ihr habt ja noch den Vorteil, dass die Leute nicht restlos alle gekauften bids anrechnen lassen werden. Ist vom Prinzip jetzt eher ein Gutscheinmodell mit Gewinn-/Einsparmöglichkeit.

    Bin auf die Effekte gespannt, die sich aus der Umstellung ergeben. Bieten die Leute nicht mehr wild drauf los, sondern geben gezieltere Gebote ab… kommt es dadurch vielleicht doch zu voller Anrechnung eurer Verkauften bids, etc..

    Ich hoffe für euch ihr könnt euer ramponiertes Image damit aufpolieren und es entsprechend kommunizieren.

    Eine Frage: Wie lang bleibt das “Guthaben” bei euch stehen?

    Angenommen ich biete heute auf einen ipod…. bekomme ihn nicht… biete in 3 Monaten wieder auf einen ipod…. bekomme ihn nicht…. usw. Bis ich irgendwann logischerweise den vollen Kaufpreis bezahlt habe. Kann ich dann den ipod ohne Zuzahlung bestellen?

    Just my 2 cents

    sebman@work

  • Anton

    Ohne eine Zertifizierung und Transparenz der dahinter stehenden Technik und deren Abläufe stimme ich sebman absolut zu.

    Diese Diskussion wird daher nie aufhören und swoopoo weiterhin in der Kritik stehen. Der Einfluss eines einzigen negativen Artikels mit dem Tenor “abzocke” setzt eine Spirale in Gang, die User davon abhalten wird ihr Geld in so einen Dienst zu investieren.

    Ich persönlich habe das Geschehen stundenlang beobachtet und in dieser Zeit nicht einen einzigen Artikel gesehen, der ausgelaufen ist!

    Obwohl ich die Idee wirklich nice finde, war das für mich der Grund nicht einen einzigen Euro zum probieren zu investieren.

  • nikolas

    Swoopoo ist als Abzocke gestartet, sonst hätte es die Direktkauf-Funktion ja von Anfang an geben MÜSSEN. Ich glaube auch nicht, dass die Gründer diese Funktion ergänzten, weil sie in ihrem moralischen Anspruch geläutert wurden, sondern weil sie auf die immer größer werdende Kritik und das Risiko vom Verbraucherschutz dicht gemacht zu werden reagierten. In der Tat entschärft diese Funktion die richtige Ethik-Debatte um diese Seite. Entscheidend ist aber doch die Frage, wie viel Prozent der Nutzer von dieser Funktion gebrauch machen. Möchten Sie uns das beantworten Herr Piening? Swoopoo müsste doch wenig Interesse haben an der Zielgruppe, die auf alle Fälle einen Kauf tätigen will. Denn würden alle am Ende das Produkt kaufen, so würde die Marge von Swoopo katastrophal darunter leiden. Die beste Zielgruppe für Swoopoo sind Zocker, oftmals süchtige Spieler, die hier gnadenlos ausgenommen werden. Ich würde wetten, dass der meiste Umsatz mit einer kleinen Anzahl an wiederkehrenden Nutzern gemacht wird und ein Großteil der “registrierten” Nutzer nur ein einziges Mal Bids kaufen und nicht wiederkehren. Ähnlich wie 9live, die ja laut Untersuchung auch nur von einer kleinen Anzahl süchtiger Zocker leben (in Kombination natürlich mit den vielen entäuschten Erstanrufern, die es nie wieder erneut versuchen). Swoopoo müsste die selbe Strategie wie 9live fahren, denn wie gesagt: je mehr Nutzer das Produkt kaufen, desto geringer wird die Marge und daran kannn kein Unternehmen interessiert sein. Eine Direkt-Kauf-Funktion anzubieten, nur um den Kritikern Angriffsfläche zu entziehen und gleichzeitig zu hoffen, dass so wenige Nutzer wie möglich von dieser Gebrauch machen, sollte den Ruf nach Regulierung eigentlich nicht dämpfen.

  • Andre

    Abzocke hin oder her, sehr komisch ist auf jeden Fall, dass alle Länder gleichzeitig auf ein und den selben Artiel bieten.

    Als Beispiel aktuell “Wii Fit” http://www.swoopo.de/auktion/nintendo-wii-fit/205653.html

    Wenn man jetzt oben die verschieden Länderfähnchen durchkilckt sieht man, dass in Deutschland, Österreich, Spanien, Großbritannien, Canada und USA alle auf ein und das selbe Produkt bieten. Kein Wunder, dass die Auktion nicht so schnell ausläuft und immer mehr Bids eingehen… Dabei werden zudem nicht einmal die Währungen korrekt umgerechnet. Der Pfundpreis in UK ist der selbe wie die Europreise und der Canadian Dollar Preis ist derselbe wie der US Dollar Preis…

  • Gustav

    Hervorragend recherchierter Artikel!

    Zudem “Chapeau!” dafür, dass trotz vorheriger Gespräche nicht der Kotau vor Swoopoo erfolgte sondern auch die Kritik in berechtigtem Ausmaß zur Sprache kommt.

    Wie es neulich als Kommentar unter einem anderen Artikel stand: in eienm Meer von Scheiße und Banalität ist gruenderszene.de eine Insel der (kritischen) Information.

  • Gustav

    Achso, und an die Adresse von Gunnar gerichtet:

    Das iPod-Beispiel ist weniger konstruiert als du glauben magst, siehe den Link im Artikel zu Coding Horror.

  • Gunnar Piening

    @ Andre:

    Die meisten Auktionen auf Swoopo laufen in mehreren Ländern, das wird auf Swoopo auch ganz offen kommuniziert. Dadurch können wir die Auktionen 24 Stunden am Tag laufen lassen und deutlich mehr Auktionen gleichzeitig anbieten. Die Gewinnchancen werden dadurch im übrigen nicht beeinflusst, weil wir jeden Tag sehr genau unser gesamtes Warenvolumen an unseren Traffic anpassen. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Auktionen und der Anzahl der Bieter ist seit Jahren konstant, ganz unabhängig von der Anzahl der Länder.

    Es macht aus Bietersicht im übrigen keinen Sinn, wenn die Gebotspreise oder die Gebotsinkremente von den Wechselkursen der Währungen abhängig sind. Vielmehr ist das Verhältnis zwischen Kaufpreis der Ware und den Kosten pro Gebot ausschlaggebend. In den USA beispielsweise sind die Produkte günstiger, daher kosten die Gebote auch weniger als der Wechselkurs zwischen EUR und USD nahelegen würde.

  • Gunnar Piening

    @ Gustav: Es geht nicht darum, ob irgendwann einmal ein Produkt zu einem höheren Preis verkauft wurde. Joel ging es in seinem Aritkel darum, aufzuzeigen, dass Swoopo unethisch hohe Margen macht. Dafür ist es einfach unredlich, sich eine einzelne Auktion herauszusuchen und zu verschweigen, dass das gleiche Produkt auch manchmal für 1,80 EUR verkauft wird.
    Wir haben keinen Einfluss auf das Bietverhalten unserer Nutzer. Manchmal enden die Auktionen nach der Abgabe von vielen Geboten, manchmal auch bereits nach nur wenigen Geboten. Ein ausgewogener Artikel geht auf beide Seiten ein. Joel tut das auch und erwähnt richtig, dass der Ipod Touch 8GB durchschnittlich für 47 EUR verkauft wird. Ich halte aber aber für falsch, erst einmal eine Extrem-Auktion herauszusuchen und daraus dann generelle Ableitungen herbeizuführen.

    Glaube mir, ich kenne unsere Margen sehr genau. Die sind bei weitem nicht da, wo Du und viele andere Leute denken.

  • nikolas

    @Gunnar: Möchtest du zu meiner Zielgruppen-Frage Stellung nehmen?

    Die Zielgruppe Direkt-Kauf-Nutzer ist doch für Euch die uninteressanteste, da unprofitabelste. Wenn alle Nutzer am Ende ihre Bids zum Kauf des Produktes nehmen würden, würden Eure Traum-Margen dahinschmelzen. Also sprecht ihr doch gezielt die Zocker an, die von der Direkt-Kauf-Option keinen Gebrauch machen. Die Nutzer eben, die entweder nicht rechnen können oder einfach gerne für ihr Hobby Zocken Geld ausgeben.

    Wie viel Prozent der Nutzer kaufen denn direkt? Ich wette, dass es unter 20% sind. Das ist doch für Euch kein so lukratives Geschäft und die Integration des Direkt-Kaufes galt doch mehr der Kritik-Abwehr als der nutzerfreundlichen Produktdifferenzierung.

  • Andre

    Bei der Gelegenheit kann man sich im übrigen auch mal das Geschäftsmodell von http://www.hammerdeal.de/ anschauen. Anderes Auktionsprinzip, aber prinzipiell das Gleiche – die Masse der Leute finanziert das Schnäppchen für den Einen. Und hammerdeal macht sehr gutes Geld damit…

  • Tom Bierle

    Damit einem Unternehmen eine wirtschaftliche Berechtigung zugesprochen werden kann braucht es Kunden für welche ein Mehrwert produziert wird. Durch diese wird in einem gesunden Unternehmen dann auch die Rendite erwirtschaftet.

    Wer sind die Kunden von swoopo? Alle Bieter welche eben kein Produkt gewinnen, aber trotzdem Geld zahlen. Alle die Bieter die in den europäischen Ländern, den USA, Kanada usw. zeitgleich gegeneinander um das gleiche Produkt gegeneinander bieten, gemeinsam ein meist vielfaches des Produktpreises einzahlen und im Gegenzug nicht von swoopo erhalten. Für diese wird keinerlei Mehrwert geschaffen.

    Der Gewinner der jeweiligen Auktion ist kein wirklicher Kunde. Von ihm kommt in der Regel keine Rendite – (hier kann man sich ja das Beispiel vom Vorstand Gunnar Piening mit dem iPod für 1,80EUR vor Augen führen).
    Der Gewinner wird subventioniert von swoopo und erfüllt damit eine Werbungsfunktion um das Geschäftsmodell zu rechtfertigen.

    Damit ist swoopo ein Unternehmen mit Kunden die zahlen und nichts erhalten und einem (mehr oder minder) zufällig ausgesuchten und subventionierten Gewinnerfigur pro Auktion mit der wieder geworben werden kann.

    Jeder kann sich die Frage selbst beantworten ob swoopo irgendeine wirtschaftliche Daseinsberechtigung hat.

    Als Vorstand eines Unternehmens auf welches man stolz sein kann sollte man das Produkt seiner Familie und Freunden guten Gewissens anbieten können. Lieber Gunnar, wie oft hast Du denn Deiner Freundin empfohlen auf einen iPod auf swoopo mit zu bieten, weil es so eine geniale Plattform ist? :-)

  • Fernando Bresslau

    Hallo Tom,

    sehr gute Darstellung vom Sichtpunkt des Mehrwertes.

    Vielleicht ist tatsächlich das “Entertainment” für manche Mehrwert?

  • Faar

    Swoopo macht Gewinn, wenn die Gesamtheit seiner Benutzer einen relativen Verlust macht:

    (alle bei Swoopo verkauften Bids) + (alle Auktionsendpreise) – (billigster Preis im Internet für alle Produkte) = (>0)

    Womit Swoopo sein Geld verdient, ist mit dem Verkauf von Chancen. Die Chance zu gewinnen, gegen eine kleine Gebühr. Also das womit auch ein Kasino sein Geld verdient. Das muss so bleiben, bis Swoopo genug Artikel umsetzt, um alleine über die Marge zwischen Einkaufspeis und Verkaufspreis ausreichend Gewinn zu machen (wie andere große Online Händler). Was ausreichend Gewinn ist, liegt natürlich im Ermessen der Swoopo Betreiber. Wahrscheinlich haben sie andere Pläne als auf den Gewinn aus dem Chancenverkaufs zu verzichten.

    Da das Verkaufen von Chancen das klassische Merkmal von Glücksspiel ist und die Loskäufe pro Person hunderte von Euros betragen können, ist Swoopo in Deutschland juristisch schon problematisch.
    Denn (Zitat:) Juristen bestimmen anhand von zwei Kriterien, ob ein Spiel ein Glücksspiel oder ein Gewinnspiel ist. Da ist zum einen das Merkmal -erheblicher Einsatz-, zum anderen die -Zufallsbezogenheit-. Beide Voraussetzungen müssen kumulativ vorliegen.”

    Wenn man unterstellt, dass Swoopo kein Geschicklichkeitsspiel ist, werden beide Vorraussetzungen für Glücksspiel, zumindest bei einer große Zahl von Auktionen, erfüllt.

    Abgesehen vom Gesetz ist gegen Glücksspiel eigentlich nichts einzuwenden, so lange es fair und unter den deklarierten Bedingungen abläuft. Ob das bei Swoopo der Fall ist, oder ob sie betrügen, kann man nicht sagen. Das TÜV Siegel trifft darüber keine Aussage. Ich schätze am Anfang haben sie in Auktionen eingegriffen, inzwischen ist das nicht mehr nötig. Ausserdem sind Auktionen bei denen besonders niedrige Preise zu Stande kommen, und Swoopo Verlust macht, gute Werbeausgaben.

    Nur, eigentlich ist Swoopo doch vollkommen unwichtig. Die Idee den Undisziplinierten mit Hilfe eines Losspiels ihr Geld wegzunehmen (das ist es ja am Ende) ist wirklich alt. Das Ausmaß, 20-30 Millionen, vielleicht in 2 Jahren weltweit 100 Millionen Umsatz, ist überschaubar. Worüber soll man sich aufregen? Über die Disziplinlosigkeit der Mitspieler? Über die Gewinne der Betreiber? Über Gunnars Kaltschnäuzigkeit zu sagen Swoopo hätte aus Spielersicht keine “Downside” und trotzdem machen sie Renditen über dem Versandhandelsschnitt? Über Unmoral?

    Ich weiss nicht, aber eine Grundsatzdiskussion zur Moral sollte bei bedeutenderen und daher unbequemeren Themen statt finden. Allerdings, ein Vorschlag zur Güte, um jegliche Zweifel zu zerstreuen, könnte Swoopo ihre Gewinne über 10% Umsatzrendite (bei diesem Geschäftsmodell sind mehr als 10% ein Fall für die Sitte) an die Spieler zurückgeben, die nichts gewonnen und vom Direktkauf kein Gebrauch gemacht haben. Das werden sie wohl nicht einführen. Ich würde ihn daher nur Gier im allgemein akzeptierten Rahmen vorwerfen.

  • sebman

    Also meine Frage interessiert mich noch:
    Gilt der Direktkauf Vorteil auf das Produkt mit der Seriennummer, auf die ich geboten habe, oder auf den Artikel? Sprich: Kann ich dann nach 3 Monaten vergeblicher Gebote meinen Artikel zum Nulltarif bestellen?
    Natürlich unter der Vorraussetzung vorher genügend bids auf den Artikel verballert zu haben.

  • Alex

    Meiner Meinung ist das Geschäftsmodell exakt dasselbe einer Call-In-Rätsel-TV-Show.

    @Gunnar:
    “Glaube mir, ich kenne unsere Margen sehr genau. Die sind bei weitem nicht da, wo Du und viele andere Leute denken.”

    Das Rechenbeispiel mit dem iPod ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Man schaue sich doch mal die “2-cent-Auktionen” an. Hab das gerade mal für den Fernseher UE-40B6000 (248,72 Euro) überschlagen: Swoopo-Umsatz ~6500 Euro, Amazon-Preis 1150 Euro.

    Das Knallerangebot (300 Bids-Gutschein)… ohne Worte. Ich kaufe Lose um mir die selben Lose zu ersteigern?

  • Steffen

    Ich finde auch, dass Swoopo einem Glücksspiel sehr ähnlich ist, da die Mitspieler dazu animiert werden, immer ein weiteres Gebot nachzulegen, wenn sie überboten wurden. Da jeder Spieler theoretisch soviel Geld in Swoopo-Gebote einsetzen könnte, bis der tatsächliche Verkaufspreis knapp erreicht ist (auch bei nur 5 € unter Standard-VKP profitiert man ja noch), besteht ein großer Anreiz, immer weiter zu bieten. Auch die Möglichkeit, im Falle des Verlierens ein Produkt zum Standard-VKP abzgl. der Gebotskosten erwerben zu können, verstärkt diesen Anreiz.

    Jeder Spieler für sich denkt sich: “Jetzt habe ich schon XX Euro in Gebote investiert, da macht es nichts, wenn ich nochmal 50 Cent nachlege. Denn wenn ich gewinne, habe ich ein tolles Geschäft gemacht.”

    Würde ein Spieler bei einer Auktion nämlich aussteigen, wären alle seine bisherigen Gebote Sunk Costs. Die Spieler versuchen daher, die versunkenen Kosten durch weiteres Mitspielen wieder auszugleichen. Dieses Phänomen spiegelt irrationales Handeln wider und ist in der Glücksspielforschung sehr bekannt.

  • nikolas

    Ähnliches Prinzip wie die Dollar-Auction des Economist Martin Shubik http://en.wikipedia.org/wiki/Dollar_auction

  • Nico

    Sehr schöner Artikel!

    Zu Swoopo: Ich kenne einige Leute, die durch diese Plattform viel Geld verloren haben, aber natürlich nix gewonnen haben.
    Ob das nun moralisch ok ist, sollen die Geschäftsführer entscheiden. Ich finde allerdings, dass auf der Seite zu wenig klar wird, dass es sich um reines Glücksspiel handelt. (Dem evtl. sogar etwas “nachgeholfen” wird, wer weiß das schon)

  • Gunnar Piening

    @ Tom Bierle (und viele andere):

    Vielleicht solltet Ihr das Swoopo Modell mal aus einer anderen Perspektive betrachten:
    Jedes Gebot stellt eine Anzahlung auf den Kauf dar. Durch den Auktionsprozess kann es sein, dass die Auktion endet und Du Gewinner bist, bevor Du den vollen Preis bezahlt hast. Es kann auch sein, dass Du nicht der Gewinner bist und irgendwann aus der Auktion aussteigst, den verbleibenden Differenzbetrag zum Kaufpreis zahlst und damit das Produkt ganz normal eingekauft hast.

    Gibt es hier einen Mehrwert? In jedem Fall, denn es gibt die Möglichkeit, das Produkt günstiger zu bekommen. Würde ich persönlich das Freunden oder Verwandten empfehlen? In jedem Fall, denn es gibt ja nichts zu verlieren, sondern nur etwas zu gewinnen. In dem Fall des Ipods liegt der Verkaufspreis von Swoopo bei 199,95 EUR anstelle der 219 EUR bei Apple direkt. Vielleicht wird es durch die Auktion aber auch günstiger, keinesfalls aber teurer. Ich würde mir eher die Frage stellen, warum man den Ipod bei Apple kaufen sollte und nicht bei Swoopo.

  • Elmar

    @Gunnar: gibt es einen Grund, warum swoopo noch nicht in Frankreich vertreten ist?

    Danke für Deine Info

    Beste Grüße
    Elmar

  • sebman

    @ Gunnar Piening:

    Also nein?

  • Gunnar Piening

    @ sebman:

    Verstehe Deine Frage nicht ganz. Man bietet nie auf ein Produkt mit einer bestimmten Seriennummer. Man bestellt aber auch bei Amazon keine bestimmte Seriennummer.
    Der Direktkauf gilt während der Auktion und bis eine Stunde nach Ablauf der Auktion. Fast 100% unserer Käufer kaufen das Produkt während der Auktion oder bis 5 Minuten nach Ende der Auktion.

  • sebman

    Vielen Dank für die Antwort.

  • Sascha

    Das Swoopos Geschäftsmodell ist besser als Glückspiel.
    Man verkauft nicht nur die Lose sondern auch den eigentlichen Gewinn.

    Wie lange es dauert bis auch Gerichte, der Meinung sind, dass es Glückspiel (mit den entsprechenden Regeln) ist muss man schauen.
    Und hängt wahrscheinlich auch vom Verhalten der Nutzer ab. Wenn die Nutzer die Produkte in großer Zahl nach dem Aktionsprozess kaufen und die Swoops als Anzahlung sehen, dann wird wohl kein Gericht einen Einwand haben.
    Betrachten die Nutzer das Ganze aber als Gewinnspiel und es finden kaum Käufe statt, dann zählt das Anzahlungsmodell nicht.

    Allerdings find ich die Idee und Umsetzung genial. Es gibt ja immer viele die sagen, “einfach Idee, da wäre ich auch drauf gekommen”. Ich in dem Fall nicht.

  • nikolas

    @Gunnar: Du brauchst Kritikern nicht zum x-ten Mal die Vorzüge des Direkt-Kaufes vorzuführen. Bitte nimm doch mal Stellung dazu, in wie weit sich der Direkt-Kauf denn für Swoopoo lohnt.

    “Die Zielgruppe Direkt-Kauf-Nutzer ist doch für Euch die uninteressanteste, da unprofitabelste. Wenn alle Nutzer am Ende ihre Bids zum Kauf des Produktes nehmen würden, würden Eure Traum-Margen dahinschmelzen. Also sprecht ihr doch gezielt die Zocker an, die von der Direkt-Kauf-Option keinen Gebrauch machen. Die Nutzer eben, die entweder nicht rechnen können oder einfach gerne für ihr Hobby Zocken Geld ausgeben.

    Wie viel Prozent der Nutzer kaufen denn direkt? Ich wette, dass es unter 20% sind. Das ist doch für Euch kein so lukratives Geschäft und die Integration des Direkt-Kaufes galt doch mehr der Kritik-Abwehr als der nutzerfreundlichen Produktdifferenzierung.”

  • Nico

    In jedem Fall, denn es gibt ja nichts zu verlieren, sondern nur etwas zu gewinnen.

    Ich biete auf ein Produkt, der Preis wird zu hoch – ich ziehe mich zurück und hab zB. 50€ gelassen.
    Wo genau gewinne ich jetzt was? Verstehe ich nicht ganz. :/

  • Gunnar Piening

    @ nikolas:

    Ich möchte nicht mit einem anonymen Internetnutzer in einem öffentlichen Forum über Interna eines Unternehmens plaudern. Deine Unterstellungen über unsere Motive und unsere Nutzeransprache sind aber falsch. Wir machen im Internet ausschließlich Werbung im Shopping-Umfeld.

  • Ruven

    Eine sehr interessante Diskussion (ist leider nicht häufig der Fall, die sich hier entwickelt hat.

    Die Tatsache, dass Herr Piening sich derart oft zu Wort meldet, zeigt eindeutig den Informationsbedarf. Die Unternehmenskommunikation von Swoopo ist katastrophal, wenn auch mit hoher Wahrscheinlichkeit so gewollt.

    Ich muss Ihnen, Herr Piening, doch wehement widersprechen, denn Ihr Angebot ist alles andere als transparent. Natürlich macht dies auch Sinn, wenn man das Geschäftsmodell genauer betrachtet. Ebenfalls gebe ich einen meiner Vorredner Recht, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Geschäftpraxis bei der aktuell schwierigen Rechtslage ohne signifikante Änderung (wie z.B. die Sofortkaufen Möglichkeit) kurz oder lang unter dem Glücksspielgesetz fallen würde und damit verboten wäre. Ich denke dem werden Sie nicht widersprechen können, da ich mich mit der Rechtslage sehr gut auskenne.

    Somit muss ich Swoopo zumindest eines anrechenen, auch wenn ich die Geschäftspraxis allgemein alles andere als gut heißen würde, geschweige denn für wirklich seriös erachte, so ist das Cross-Selling Modell mit der neuen Sofortkaufen Möglichkeit zugegeben ein genialer Schachzug. Es legitimiert, zumindest vorerst, das Geschäftsmodell.

    Ich bin gespannt, ob das auch in Zukunft ausreichen wird, wenn sich der Druck, bezüglich des hohen Sucht- und Glüksspielfaktors deutlich erhöht. Ich denke mit steigender Aufmerksamkeit, vor allem in der breiten Öffentlichkeit, könnte sich das schnell ändern. Beispiele dafür gibt es zu Genüge.

    In diesem Sinne bin ich bisher noch nicht von der Nachhaltigkeit dieses Geschäftsmodells überzeugt, denn auf die Dauer kann man nicht nur auf “Gelegenheitsspieler” setzen und ich wage es zu bezweifeln, dass die Zahl der aktiven, wiederkehrenden User auf Grund des doch sehr hohen Frustfaktors wirklich hoch ist.

    Es wird sich zeigen, ob die Rechnung Direktkauf anstatt “Zocken” wirklich aufgeht. Für den reinen Sofortkauf als Alternative gibt es genügend und zum Großteil weitaus bessere Angebote.

    Zum Schluss muss ich dennoch zugestehen, dass Sie, Herr Piening, wirklich den richtigen Riecher gehabt haben und unabhängig alle moralischen Bedenken mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit zur Stelle waren.

  • Johann Arpmann

    So, habe mir vorhin mal die Liste der Beteiligten an der Entertainment Shopping AG über meinen Notar interessehalber ziehen lassen.
    Ganz interessant:
    Gunnar Piening gehören nach letztem Stand nur gerade mal 10% von dem Laden, die er über seine Beteiligungsgesellschaft Oste Investment GmbH hält. Der Rest liegt in der Hand von Wellington Partners mit 22%, außerdem halten noch ein paar Limiteds (Belaris Ltd. und Teleg Ltd. aus Wakefield, West Yorkshire) Anteile an dem Laden, ca. 49%, und der ein oder andere Business Angel einen kleinen Anteil. Was sich hinter den Limiteds verbirgt weiß niemand, hört sich aber irgendwie nicht sehr seriös an, zumal man auch nichts zu diesen Firmen Bealris und Teleg mehr im Netz finden kann. Nun, das soll aber kein schlechtes Zeichen sein, sind vielleicht reine Beteiligungskonstrukte.

    @ Gunnar:
    Was mich mal interessieren würde:
    Was macht ihr eigentlich gegen die ganzen clonscript Anbieter, die jetzt wie Pilze aus dem Boden sprießen? Eigentlich hat man doch da viel bessere Erfolgschancen als bei Swoopo mit seinen mehr als 2 Millionen Mitgliedern, oder?
    Mittlerweile kann man ja schon bei einigen Anbietern Zigarettenstangen ersteigern, und der Startup Buschfunk aus Berlin funkt ja schon lange Signale raus, dass selbst die Samwer Brüder mit http://www.dealstreet.de ein 100% von Swoopo abgeschautes Auktionsportal starten wollen. Die Seite wirkt bisher aber sehr amateurhaft …

  • severin

    Hallo,

    wir betreiben mit http://www.crazyhammer.de selber eines der Auktionshäuser, die diesem Prinzip folgen. Völlig klar ist, dass man für sich selbst die richtige Strategie verfolgen sollte, um bei nicht zu großem Kosteneinsatz eine Auktion erfolgreich zu gewinnen. Und tatsächlich lassen sich noch sehr gute Schnäppchen machen, selbst wenn man den Wert der eingesetzten Gebote berücksichtigt:

    http://crazyhammerde.wordpress.com/2009/08/11/echte-schnaeppchen-auf-crazyhammer/

    Ein Lenovo IdeaPad S10e für 2,65 Euro (inklusiver der Gebotskosten!) ist sicher kein schlechter Deal…

    BG, severin

  • Klaas

    Joel, echt sehr informativer Bericht über ein sehr interessantes Businessmodell, dafür vielen Dank!

    Leider wird hier jetzt auch schon gespamt in diesem Thread:
    Habe mir die Seite von crazyhammer gerade mal angeschaut, sieht unterirdisch aus.
    Die Counter der Auktionen bei crazyhammer bleiben beim Aufruf der Seite erst einmal 10-20 Sekunden stehen, bevor sie eine Sekunde weiterruckeln, um erneut 5 Sekunden stehen zu bleiben.
    crazyhammer ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte und wie man dem Geschäftsmodell kaum mehr Vertrauen aus Nutzersicht schenken kann, wie ja auch oben schon von einigen Nutzern angesprochen.
    Habe gerade mal nach http://www.crazyhammer.de gegoogelt, da kam nur ganz viel Schlechtes bei raus:
    http://www.deutsche-startups.de/2009/07/17/crazyhammer-geht-auf-schnaeppchenjagd/#comments
    http://board.raidrush.ws/showthread.php?t=614347

  • severin

    @klaas: die Geschwindigkeit ist in der Tat noch unser größtes Problem – doch schon sehr bald installieren wir neue Server, um auch das in den Griff zu bekommen. Ansonsten lässt sich über Design sicher streiten…

  • Aston Lindbergh

    Natürlich wird hier mit Emotionen gespielt, ich würde es als Mischung aus Shopping und Entertainment bezeichnen. Aber daran kann ich nichts verwerfliches erkennen. Das Angebot richtet sich (soweit ich weiß) an erwachsene Menschen und erwachsenen Menschen sollte man durchaus zutrauen, dass sie nicht gleich Haus und Hof für einen iPod’verzocken’. Wenn doch, dann sind sie selbst schuld und nicht der Anbieter, sofern dieser sein Angebot absolut transparent gestaltet – was hier offenbar der Fall ist.

    Für diejenigen die ersthaft am Artikel interessiert sind gibt es kein Risiko, da die Einsätze beim Kauf später angerechnet werden. Voraussetzungen ist allerdings ein fairer Preis, das habe ich nun nicht geprüft.

    Ein Verlustrisiko gibt es lediglich für die Zocker, die den Artikel entweder superbillig per Auktion bekommen möchten oder eben gar nicht. Wenn ich aber zocke, kenne ich mein Risko.

    Ich drehe es und wende es aber ich verstehe Eure Kritik nicht und btw. einen Jamba-Nacktscanner im Spar-Abo finde ich bei weitem kritikwürdiger und eher einen Fall für den Verbraucherschutz!

    JM2C

  • Mirko

    Hallo Zusammen,

    erstmal finde ich es gut, dass sich hier so eine interessante Diskussion entwickelt hat. Was den Vorwurf des Glücksspiels betrifft, würde ich widersprechen. Per momentaner rechtlicher Definition unterfällt das Swoopo-System nicht unter den Begriff Glücksspiel. Durch die Art und Weise zu bieten bzw. seine Gebote überlegt zu setzen besteht eine gute Möglichkeit etwaige Gegenstände günstiger zu erwerben als es beispielsweise bei einem Ladenkauf der Fall wäre.
    Und das ist doch im Prinzip der Punkt, um den es geht. Wenn ich als Swoopo-Nutzer also versuche mir etwas zu ersteigern, interssiert mich am Ende das Produkt und die Ersparnis die ich erhalten habe. Das man nicht bei jeder Auktion gewinnen kann ist ja auch hinlänglich bekannt.
    Inwiefern da Moral bzgl. des Ausnutzens eines psychologischen Effektes eine Rolle spielt ist nicht ganz klar. Es wird einfach eine Möglichkeit zum Erwerben von interessanten Produkten geboten. Diese Möglichkeit kann man nun wahrnehmen oder auch nicht. Entschließt man sich mitzumachen, so sollte man sich vorher klar machen, wie die Auktionen bei Swoopo funktionieren. Gerade im Internet, wo Registrierungen für diverse Portale nötig sind. Dort kann und sollte man sich ausgiebig informieren. Natürlich hilft das nur weiter wenn von Seiten des Anbieters seriös und wahrheitsgemäß Informationen bereitgestellt werden. Dies, möchte ich meinen, ist vorliegend der Fall. Mithin benutzen Swoopo mehrere Millionen Menschen, so dass all diejenigen ja nicht falsch liegen können oder sich blenden lassen. Und somit stellt sich, finde ich auch die Frage nach der Moral nicht mehr, da ja jeder frei entscheiden kann, ob er nun mitmacht oder nicht. Insofern habe ich an Swoopo nichts rechtswidriges oder unmoralisches auszusetzen.

    Mfg Mirko

  • Nico

    Mithin benutzen Swoopo mehrere Millionen Menschen

    Das ist kein Argument… Durchstöbere mal die gängigen Meinungsseiten, dort liest man extrem viel Kritik.
    Vor allem Internet-”Neulinge” sind mit solchen Diensten oft schlicht und einfach überfordert.

    Sicherlich kann man immer sagen “Der Kunde/User ist für das verantwortlich was er tut”… Kundenfreundlich ist das aber sicherlich nicht. Im Gegenteil, am meisten profitiert Swoopo doch von den “Neulingen”.
    Das finde ICH sehr sehr schade, aber natürlich würde mich das als Chef von dem Laden auch nicht sonderlich jucken.
    Zudem wurde es ja jetzt leicht geändert, sodass mein Geld nicht ganz umsonst geboten war.

    Meine Meinung:
    Viel Erfolg mit dem Laden, auf lange Sicht etablieren sich aber “freundliche” Shops.

  • Elmar

    und warum noch nicht in Frankreich aktiv?

  • Faar

    @Mirko: Die Gebote bei Swoopo können ungefähr so überlegt gesetzt werden wie Zahlen beim Roulette. Das ist Scheinbeeinflussung und Scheingeschicklichkeit, da du keine Ahnung hast, wie viele Leute die Auktion beobachten und planen einzusteigen.

    Unmoralisch finden die Leute nicht unbedingt, dass man ein paar Euro verlieren kann, sondern die Tatsache, dass Swoopo teilweise 10.000 Euro mit einer Auktion verdient hat. Natürlich kann das andere Artikel subventionieren, aber in welchem Maße? Macht Swoopo bei 20 Millionen Umsatz 10 Millionen Gewinn? Dann ist der Kurs für die Chancen bei Swoopo in den Augen vieler unmoralisch schlecht. (Beim Lotto gehen 50% der Einnahmen aus den Loskäufen an den Staat. Der rechtfertigt es allerdings mit der uneigennützigen Verwendung des Geldes).

    Das Argument jeder ist selbst verantwortlich für das was er tut ist immer gut, aber das heisst auch, es gibt kaum einen Grund Drogenhändler zu verfolgen. Die Leute kaufen die Drogen freiwillig, die Händler befriedigen nur eine Nachfrage. Drogenhandel ist kriminell, weil der Staat es kriminalisiert hat. Nachfrage legitimisiert unter den gängigen Moralvorstellungen nicht das Angebot.

    Interessant wäre, was passiert, falls diese Art von Auktion (noch vor dem Direktkauf) in Zukunft dem Glücksspiel zugerechnet wird. Wäre Swoopo dann als eine Art Kriegsprofiteur zu Reparationen verpflichtet?

  • Ulf

    Das die beliebtesten Auktionen die der Gebotsgutscheine sind, sagt schon Einiges. So treibt swoopo den Teufelskreis immer wieder an. Dies und weitere Fakten in dem Report “One day on swoopo – eine 24-Stunden Analyse” hier: http://shar.es/1uG57

  • Senorita

    Wenn man ein wenig Zeit und Geduld investiert,kann man mit etwas Glück bei Onlineversteigerungen die Artikel zu Schnäppchenpreisen ergattern.Die Variante “ich kauf mal schnell 30Bids und setz die auf ein “BlackBerry” funktioniert nicht,damit verliert man nur Geld.Wer aber einen Versuch wagen will,sollte erst mal beobachten und dann vielleicht an einem kleineren Artikel üben.

    http://www.opoyo.com/online_auktionen.html

    Wenn Ihr euch hier kostenlos mit dem obenstehenden Aktionscode anmeldet,wird euch sogar eine möglichkeit geboten, bei der Anmeldung mit einem Aktionscode ein Bonus von 10€ zu erhalten.

  • Dirk

    @Mirko Du schriebst: “Per momentaner rechtlicher Definition unterfällt das Swoopo-System nicht unter den Begriff Glücksspiel.”
    Google nach “Eine kleine Lektion über die Gier und das Glücksspielrecht”, siehe auch
    http://tbhilfe.forumieren.de/swoopo-erfahrungsaustausch-fruher-telebid-f1/swoopo-lotterie-glucksspiel-spielsucht-t33.htm#159

    @Joel Du schriebst “Zugegeben, das Modell von Swoopo ist wirklich smart: Alle Nutzer, die bei einer Auktion mitbieten tragen die Kosten der Produkte und ermöglichen so die günstigen Preise. Quasi eine Umverteilung von Kosten. ”
    Siehe dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Schneeballsystem: “Gewinne für Teilnehmer entstehen beinahe ausschließlich dadurch, dass neue Teilnehmer in den Systemen mitwirken und Geld investieren. In den meisten Ländern sind diese Systeme mittlerweile verboten.”

    Auch das gute Argument “Verlieren können den Artikel am Ende zum Normalpreis kaufen unter Anrechnung des eingesetzten Geldes” zählt nicht so richtig, da häufig Mondpreise angegeben werden, zB kann man eine 1100 Euro Uhr für 190 Euro ganz legal woanders kaufen…

  • Maik

    Hallo

    ja, ich bin auch mal drauf reingefallen.
    Letztes Jahr habe ich mal für 50 Euro Gebote gekauft
    (ich bereue es sehr)
    Ergebnis:
    Nix, wirklich nix ausser Frust.
    1. wurde damals Nachts eine Pause eingelegt
    2. wurden die Preise, die als günstig deklariert wurden,
    1zu 1 der UVPs der Herstellerpreise übernommen, also nicht marktgerecht.
    3. Nach längerem Beobachten verschiedenster Gebote, findet man sehr schnell heraus, dass prinzipiell alles ab über einen Wert von mind. 50 bis zu 100 € nur durch Bietagenten gewonnen wurden.
    Gegenstände unter diesem Wert konnten zwar durch einzelne Klicks gewonnen werden, aber meist stellten diese Geräte oder Dinge nur uninteressanten Müll dar.

    Also, ich behaupte, dass das System so eingerichtet wurde,
    dass prinzipiell ab 50 – 100 € Warenwert, diese Bietagenten eingesetzt werden, um den Endpreis künstlich zu puschen.
    Rechenbeispiel:
    z.b. bei einer Auktion um ein TV im vom Wert 1000 €:
    der aktuelle Bietpreis steht bei z.b. 276 €, also wurden entsprechend schon 2760 Gebote a 10 cent gesetzt = Kosten aber 50 cent * 2760 Gebote = 1380 €. Bleibt die Auktion bei z.b. 543 € stehen, ergibt das eine Summe von 2715 €.
    Das Gerät wird sicher nicht für 1000 € eingekauft, sondern max. für 500 € (Einkaufsrabatt und Menge und Abzug der Differenz zum eigentlichen Marktpreis usw.)
    Also ergibt sich ein Überschuss von 2215 €, entsprechend dem 4 fachen des Einkaufspreises, also eine Marge von 400 % !!!
    Respekt !!!

    Wer das ganze mal über einen gewissen Zeitraum beobachtet, wird herausfinden, dass es sich genau so verhält, und das ist meines Erachtens nach 100 % Betrug !!!
    schön verschleiert und versteckt
    Desweiteren bin ich mir sicher, dass hier Bots eingesetzt werden,
    um als Bietagent aufzutreten und die Preise zu puschen.
    Es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass ein registrierter User gleichzeitig über einen längeren Zeitraum auf mehrere Produkte mit Bietagent arbeitet, also letztlich eine hohe Summe Geld verpulvert, mit der 99,9 % igen Sicherheit, nichts zu ersteigern.
    Hat sich mal jemand die Log-Daten der Auktionen angeschaut?
    Wenn jemand registriert ist, bezahlt hat, muss er postalisch real existieren, da Payment-Verfahren dieses meist so vorraussetzen.
    Über Userdaten, IP-Nummer, Geldtransfer, Auktion(en) , Uhrzeit u. Datum müsste alles nachvollziehbar sein, mit wievielen Geboten von allen teilnehmenden Bietern geboten und letztlich bezahlt wurde.
    Auch kann man dann erkennen, welche User Bietbuttler eingesetzt haben und für welche Summen an Geboten.
    Als denkender Mensch erschein es mir sehr unlogisch, auf ein Artikel zu bieten, wo ersichtlich ist, dass dort gerade mehrere Bieter mit Bietbuttler den Preis nach oben schrauben. Wartet man ne Std. ab, ist genau das selbe Bild zu sehen, immer nur Bietbuttler, bis irgendwann mal, aus unerklärlicher Weise, die Auktion plötzlich zuende ist.

    Denkt mal darüber nach, wobei ich sicher noch das eine oder andere vergass, was mein Verdacht des vorsätzlichen Betrugs zusätzlich erhärten würde, bestätigen täte.

    Das tollste ist ja, dass dieser Verein vom größten Spam-Werbe-TV-Sender (RTL) Europas unterstützt wird.

  • Nepp

    Zitat Gunnar Piening aus dem Artikel: „Es ist mir ein Rätsel, warum es sich hierbei um Abzocke handeln sollte. [...] Alles ist sehr transparent gehalten und jeder weiß zu jedem Moment, was er tut.”
    Diese Aussage ist meiner Meinung nach eine Frechheit und Ohrfeige für jeden denkenden Menschen. Niemand, ausser evtl. die Betreiber können “transparent” nachvollziehen, ob Gebote, oder “Gewinne” manipuliert werden, oder nicht.
    Aus Sicht des Betreibers wäre es SEHR lukrativ selbst Gebote zu platzieren oder fiktive Mitbieter die Spiele gewinnen zu lassen. Dadurch kann sich ganz einfach und ohne daß es ein Aussenstehender “transparent” nachvollziehen kann, der Gewinn maximieren.
    Ein Beispiel:
    Ein Spiel läuft nicht richtig und es droht ein Verlust, weil ein Mitspieler (und nicht die “Bank”) gewinnt. Warum nicht automatisiert einen eigenen Mitspieler mitbieten lassen? Da man ja selbst Betreiber der Platform und somit einzig Einblick in die Kundendatenbank hat, würde es nicht auffallen, wenn der Mitspieler (welcher man selber ist), gewinnt. Von “Aussen” sieht es so aus als ob ein normales Mitglied gewonnen hat! Dieses mögliche! Vorgehen hat diverse Vorteile: Der Gewinn muss gar nicht eingekauft und ausgeliefert werden, der Portalbetreiber streich lediglich die real eingesetzten Gebote ein und hat in diesem Spiel somit 100% Gewinn.
    Nun, das wäre zwar kriminell, aber wer und wie will das Nachvollziehen? Es ist schlicht nicht möglich! Alleine aus diesen Möglichkeiten heraus, würde ich niemanden empfehlen bei diesem “Hütchenspiel” mitzumachen. Apopro: Wer kennt die Tricks der Hütchenspieler? Funktioniert ziemlich ähnlich: Alle “Mitspieler” gehören zum Hütchenspieler und Spielen dem/den Opfern vor daß man gewinnen und verlieren kann. In Wahrheit gewinnt man nur, wenn der Hütchenspieler das beabsichtigt (indem er das Kügelchen unbemerkt unter das richtige/falsche Hütchen legt).
    Vielleicht sollte man in Zukunft Swoopo (und andere) nicht mehr mit Glücksspiel, sondern eher mit dem Hütchenspiel vergleichen…

  • Nepp

    Nachtrag:
    Ein wirklich toller Artikel wie Swoopo, entschuldigt: Hütchenspielen funktioniert: http://www.derbagger.org/artikel/huetchenspielworkshop

    Benötigtes “Zubehör”:
    “d) Ein Trupp von Assistenten. Sie kennen selbstverständlich weder einander noch den Hütchenspieler und sind alle nur zufällig da. Das Personal teilt sich in 1) Lockvögel, 2) Ausguck, 3) Gorillas, 4) Kassier.”

  • sj

    diese Plattform scheint auf gier und geiz abzuzielen…

    gier auf das produkt und geiz überhaupt etwas dafür zahlen zu wollen..

    gibts auch im fernsehen.. da heissen die Sachen gameshows..

    Nennen Sie eine Automarke mit L . t . s für EUR 12.000 Gewinn in cash
    (müsste Lotus heissen, richtig) ?

    wurde aber nach einem Anruf und 12,00 EUR weniger auf MEINEM Konto
    eines besseren belehrt..

    my bad…

    gib´Cesar was Cesar gehört.. aber gib´Gott was Gott gehört (alle Menschen)…
    Zitat Jesus…

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