Verkehrsgewerbeaufsicht stoppt Wundercar-Betrieb

Dem Ridesharing-Dienst Wundercar ist ab sofort der Betrieb in Hamburg untersagt. Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation gab am Mittag bekannt, dass der Dienst gegen die Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes verstoße. Bei Wundercar können private Autofahrer als Gelegenheits-Chauffeure Mitfahrer mitnehmen, die die Fahrer dafür mit einem Trinkgeld entlohnen. Vorbild ist das US-Startup Lyft, auch Uber bietet mit UberPop einen ähnlichen Dienst an.

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Die Hamburger Gewerbeaufsicht ist trotz des Trinkgeldprinzips überzeugt, dass Wundercar-Chauffeure eine „entgeltliche Personenbeförderung“ durchführen, weshalb sie einen Personenbeförderungsschein benötigten. Die Behörde hat deshalb verfügt, dass Wundercar die Vermittlung von Fahrtwünschen stoppen muss. Bei Zuwiderhandlung droht ein Zwangsgeld.

Das Hamburger Startup will sich davon allerdings nicht irritieren lassen – und den Betrieb fortsetzen. Die Mitteilung der Wirtschaftsbehörde entspreche „nicht dem, was mit uns vereinbart worden ist“, sagte Gunnar Froh, Gründer und Geschäftsführer von Wundercar, gegenüber Gründerszene. So habe die Stadt dem Startup gegenüber klargestellt, dass nur „geschäftsmäßige oder entgeltliche Fahrten, bei denen die Gesamtkosten die Betriebskosten der Fahrt übersteigen“, genehmigungspflichtig seien. Daher schlägt die Wundercar-App nach Aussage des Startups nun immer einen Trinkgeldbetrag vor, welcher der Höhe der auf dieser Fahrt angefallenen Betriebskosten entspricht.

In einer Mitteilung zitiert Wundercar den Referatsleiter der Verkehrsgewerbeaufsicht, Thomas Glitza: „Sofern das Entgelt der Fahrt die Betriebskosten nicht übersteigt, ist für eine Beförderung auf WunderCar keine Genehmigung notwendig.“ Seine Behörde war für eine Reaktion am Freitagnachmittag nicht zu erreichen, um den offensichtlichen Widerspruch zwischen dem Zitat und der Mitteilung der Gewerbeaufsicht aufzuklären.

Die Aufsichtsbehörden stehen schon seit einiger Zeit nicht nur in Hamburg unter dem Druck der Taxiverbände, die damit die neue Konkurrenz um Wundercar und UberPop stoppen wollen. Für nächste Woche ist sogar ein Protesttag in Berlin geplant. Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands, erklärte Ende Mai gegenüber Gründerszene: „Wir demonstrieren gegen UberPop und andere Firmen wie Wundercar, die offensichtlich das Gesetz verletzen und auch noch dazu stehen.“

Wundercar war erst im März in Hamburg und Berlin gestartet, vor wenigen Tagen war als dritter Standort die irische Hauptstadt Dublin dazugekommen.

Bild: Wundercar