Gunnar Froh arbeitete vor Wunder für Airbnb. Im Hintergrund: Das neue Logo des Hamburger Startups.

Vor rund zwei Jahren startete Wundercar in Hamburg und Berlin. Ein verspieltes Logo, lilafarbene Oldtimer, lachende Testimonials mit Sonnenbrille – so sah die Markenstrategie des Hamburger Startups aus. Der Dienst vermittelte über eine App Mitfahrgelegenheiten innerhalb der Stadt mit Privatpersonen. Bezahlt wurde mit Trinkgeld.

Doch den Hamburger Behörden war das zu bunt. Sie hielten dem Startup vor, gegen die Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes zu verstoßen. Der Dienst wurde verboten. Wundercar versuchte, sein Modell zu ändern, das Verbot zu ignorieren – doch nichts half. Das Startup musste sich schließlich aus Deutschland zurückziehen.

Mittlerweile heißt das Startup nur noch Wunder. Das Team arbeitet mit 18 Mitarbeitern weiter von Hamburg aus an der App, die jetzt in neuen Ländern verbreitet wird. Nach Unternehmensangaben wird aktuell alle 30 Sekunden eine Fahrt über die App angefragt. Bis Ende des Jahres will Wunder die Marke von einer Million vermittelter Fahrten seit Gründung knacken. Ein Blick ins Handelsregister offenbart eine lange Liste an Investoren: Blumberg Capital, Piton Capital, Cherry Ventures, die German Startups Group und mehrere Business Angels.

Wir haben Gründer Gunnar Froh, WHU-Absolvent und vormals Airbnb-Mitarbeiter, in seinem Büro in der Hamburger Hafencity getroffen.

Gunnar, wir haben seit Monaten nichts mehr von Euch gehört. Mittlerweile habt Ihr den deutschen Markt aufgegeben und Euch in Wunder umbenannt – was ist passiert?

Im Sommer 2014 haben wir sehr viel Aufmerksamkeit wegen der vielen Diskussionen um Uber bekommen. Auch wir hatten in Deutschland rechtliche Probleme und haben dann entschieden, das Angebot zu stoppen, bis alles geklärt ist. Seither sind wir mit vielen Abgeordneten im Gespräch und haben an Anhörungen im Bundestag teilgenommen. Es wird allerdings noch etwas dauern, bis wir wieder in Deutschland starten können.

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Wie habt Ihr in den vergangenen Monaten weitergemacht?

Naja, wir haben auch Investoren, die wollen, dass wir das Modell weiter ausbauen und nicht nur abwarten (lacht). Deswegen haben wir unser Produkt nach Osteuropa gebracht, zuerst nach Budapest, dann nach Warschau und Prag. Dort funktioniert es sehr gut.

Wie habt Ihr das Wachstum finanziert?

Mit dem Modell in Osteuropa und einer Vision für Emerging Markets haben wir im Frühjahr 2015 unsere Serie-A-Finanzierung abgeschlossen, an der sich beispielweise Blumberg Capital, Sixt und noch weitere Familienunternehmen beteiligt haben. Die Höhe der Finanzierung kommunizieren wir aber nicht. Ende des Jahres wollen wir eine weitere Finanzierungsrunde abschließen.

Was ist Eure Vision für Emerging Markets?

Wir glauben, dass der Trend, den wir mit Wundercar verfolgt haben – also Privatmenschen, die umherfahren, um Leute mitzunehmen –, ausgereizt ist. In Zukunft wird vor allem Carpooling enorm wichtig, also Fahrgemeinschaften für Pendler, die jeden Tag in eine Stadt und wieder raus müssen und auf dem Weg gemeinsam im Auto fahren. Das ist auch noch mal effizienter. Deswegen haben wir unser Modell zusätzlich in den Emerging Marktes ausgerollt, die besonders von einem Carpooling profitieren können.

In welchen Ländern seid Ihr aktiv?

Wir sagen nicht genau, in welchen Ländern wir operieren. Ich kann nur sagen, dass wir in zwölf Emerging Markets aktiv sind. Drei Beispiele sind: Manila, Rio de Janeiro und Nairobi.

In Manila funktioniert unser Modell besonders gut, weil es dort Carpooling ohnehin schon offline gibt. Dort versammeln sich die Menschen auf einem Parkplatz vor dem Bahnhof, eine Person weist sie den verschiedenen Autos zu und so fahren die Autos gefüllt in die Stadt und die Mitfahrer zahlen dem Fahrer etwas Spritgeld.

Unsere App vermarkten wie nun genau an diesen Plätzen, wo die Menschen sowieso schon Carpooling machen.

Wieso ist Carpooling in diesen Städten so beliebt?

Viele Menschen in diesen Ländern haben kein eigenes Auto, finden eine Fahrt im Auto zur Arbeit aber viel komfortabler, weil sie Platz und eine Klimaanlage haben. Der Zug ist voll, sie kommen schon verschwitzt zur Arbeit, weil sie sich durch die Massen drängen müssen – dabei kosten beide Angebote gleich viel.

Nutzt Ihr das selbe System in allen Ländern?

Nein, das sind unterschiedliche Systeme, die wir gebaut haben.

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Und wie verdient ihr Geld in den verschiedenen Ländern?

In Osteuropa wickeln wir die Zahlung ab und behalten eine Provision ein. In den Emerging Markets machen wir das nicht. Dort versuchen wie ähnlich wie BlablaCar erst einmal kostenlos zu starten, damit die Menschen weiterhin mit Bargeld bezahlen können. Aber auch da haben wir schon verschiedene Monetarisierungswege, die wir bald testen wollen. Außerdem gibt es noch einen dritten Weg: Whitelabel-Lösungen für Unternehmen, die eine Mitfahrer-App für ihr Mitarbeiter bauen wollen. Das testen wir gerade mit dem ersten Unternehmen aus Hamburg.

Aktuell steht der Aufbau neuer Märkte im Vordergrund. Das Thema Carpooling in Städten wird gerade erst neu entdeckt.

Wie viele Ressourcen steckt Ihr in welches Thema?

80 Prozent der Teams kümmert sich um die neuen Länder und ich kümmere ich mit einem kleinen Team weiterhin um den deutschen Markt.

Wieso habt Ihr Euch umbenannt?

Wir wollten das Branding professioneller gestalten, vorher hatten wir ja ein sehr verspielter Logo. Wir haben uns dann für „Wunder“ entschieden, weil die Menschen in Budapest, Prag und Warschau immer sagen: „I’m getting a Wunder“. Vorbild für das schlichte Design war der öffentliche Nahverkehr in großen Städten, beispielsweise die New Yorker Metro.

Danke für das Interview, Gunnar.

Unsere Redakteurin Hannah Loeffler ist diese Woche in Hamburg, um dort spannende Gründer und ihre Startups kennenzulernen. Für Anmerkungen und Ideen schreibt ihr eine Mail an hannah@gruenderszene.de.

Bild: Hannah Loeffler / Gruenderszene