Xing will mehr sein als nur ein Karriere-Netzwerk. Deshalb verschicken die Hamburger schon seit einiger Zeit Branchen-Newsletter mit besonders lesenswerten Artikeln, außerdem lässt Xing Medienmarken (zum Beispiel Gründerszene) in einer News-Sektion ihre Texte in das Netzwerk einspeisen.

Nun gehen die Hamburger noch einen Schritt weiter: Mit Klartext gibt es seit heute ein eigenes Debattenmagazin. Hier sollen Experten und „bekannte Persönlichkeiten“ über aktuelle Wirtschafts- und Karrierethemen Stellung nehmen. Damit folgt Xing dem Vorbild des Hauptkonkurrenten LinkedIn, der seine Autorenplattform seit kurzem auch in Deutschland betreibt.

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Bei Klartext darf allerdings „nicht jeder schreiben“, wie Chefredakteurin Jennifer Lachman im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung betont. Eine eigene Redaktion mit sieben Mitgliedern soll Themen und Autoren auswählen und die Qualität der Beiträge sicherstellen. Ihr steht neben Lachman, die zuvor für die Financial Times Deutschland und den NDR tätig war, als Herausgeber Roland Tichy vor. Tichy war bis vor einem Jahr Chefredakteur der Wirtschaftswoche und betreibt seither die Meinungsseite Tichys Einblick. Er lässt dort etwa den stramm konservativen Ex-FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg oder FDP-Euro-Rebell Frank Schäffler gegen einen vermeintlich links dominierten Mainstream anschreiben.

Für das neue Magazin dürfte dies eine von zwei zentralen Herausforderungen sein: auch unter Tichys Leitung als ideologiefreie und politisch neutrale Plattform wahrgenommen zu werden. Die zweite Herausforderung ist vermutlich noch größer. Klartext muss es schaffen, einen Mittelweg zu finden zwischen einem Huffington-Post-Prinzip, wo Klicks wichtiger sind als inhaltliche Qualität, jeder alles schreiben und vor allem schamlos Eigen-PR betreiben darf, und Versuchen von Debattenmagazinen wie The European oder Dbate, die es nie aus der Nische geschafft haben.

Zum Start gibt auf dem Portal Diskussionen über den Konjunktureinbruch in China, die Frage, was transparente Gehälter bringen, oder zur Digitalisierung der Finanzindustrie. Bei der China-Debatte geht das Konzept auf: Post-Chef Frank Appel warnt in einem Beitrag vor Panik. Das hat Nachrichtenwert und wird folgerichtig von den Agenturen aufgenommen. Bei der Banken-Debatte sind die Ergebnisse weniger überraschend: Dass ein Fintech-Investor voraussagt, es würde für die Banken eng werden, ist ziemlich erwartbar.

Fürs erste sollen laut Lachman ein Karriere- und ein Wirtschaftsthema pro Woche behandelt werden. Zu jedem Thema sollen sich etwa fünf Autoren äußern. Bezahlt werden die Schreiber übrigens nicht.

Bild: Xing