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Das Elefunds-Team mit Yannick Sonnenberg (3. von rechts)

„Ich wollte niemals unbedingt gründen“

Als das US-Wirtschaftsmagazin diese Woche seine jährliche Liste der wichtigsten „Game-Changer“ unter 30 Jahren vorstellte, da war die Bilanz aus deutscher Sicht eher dürftig: Nur vier deutsche Gründer fanden sich unter den 450 Nachwuchshoffnungen – am prominentesten Wunderlist-Macher Christian Reber, der es in der wichtigen Kategorie „Tech“ schaffte. In der Kategorie „Social“ taucht ein zweiter Berliner Gründer auf: Yannick Sonnenberg, 25 Jahre alt, Mitgründer des Social Business Elefunds (www.elefunds.de). Wie der auf der Liste gelandet ist? Anruf beim Social Entrepreneur.

Glückwunsch, Yannick, für die Forbes-Platzierung. Überrascht?

Jein. Als Forbes mich das erste Mal angefragt hat, da war ich überrascht. Ich dachte erst, das wäre eine Spam-Mail. Als ich dann immer wieder von denen gehört habe, habe ich mir schon gedacht, dass ich recht weit gekommen sein muss. Aber ich habe nicht zwingend damit gerechnet, unter den Top 30 zu landen.

Hast du eine Ahnung, warum du ausgewählt wurdest?

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Das kann ich nur vermuten. Es gibt schließlich momentan viele Startups im Bereich Social Entrepreneurship, die viel Potenzial haben. Wir haben 2013 einige Preise gewonnen, zum Beispiel von SAP und von Ben & Jerry’s. Als ich bei Ben & Jerry’s eine Woche in den USA verbracht habe, habe ich erst gemerkt, wie viel Aufmerksamkeit wir schon bekommen.

Mit Elefunds bietet ihr digitales Fundraising an. Wie funktioniert das genau?

Unsere Software erlaubt es, in jedem digitalen Bezahlprozess die Kaufsumme aufzurunden. Die Kleinbeträge können aggregiert werden und dann als Großspenden an eine gemeinnützige Organisation weitergeleitet werden. Wir revolutionieren damit das Fundraising von der Kosten- und der Usability-Seite. Die Technik wird vor allem in Online-Shops eingesetzt, denkbar ist aber auch eine Integration in Online-Banking oder sogar Fahrkartenautomaten. Damit fangen wir jetzt Stück für Stück an.

Wie kommt man auf so eine Idee?

Ich bin und war schon lange Mitglied etwa bei Greenpeace, Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen. Ich habe auch lange im Face-to-Face-Fundraising gearbeitet. Das hat viel Spaß gemacht, aber ich habe auch festgestellt: Das ist zu wenig. Das reicht nicht, um genug Geld für die wirklich wichtigen Sachen auf der Welt zusammen zu bekommen. Im Netz kann man hundert Mal mehr Leute erreichen. Ich habe dann mit einigen Freunden die Idee entwickelt. Wir sind nach Berlin gegangen, hatten kein Geld und keine Wohnung, also haben wir in der Küche eines Freundes gegründet.

Wie habt ihr euch finanziert?

Am Anfang haben wir alles selbst finanziert. Im Frühjahr 2012 haben wir dann eine kleine sechsstellige Finanzierung von einem Seed-Investor bekommen. Die finanziert uns bis heute. Unsere Software haben wir zu Beginn komplett verschenkt. Mittlerweile gibt es eine Service-Gebühr für die Organisationen. Die Online-Shops bezahlen bis jetzt weiterhin nichts. E-Commerce ist ein hart umkämpftes Geschäft. Die Shop-Betreiber müssen erst einmal einsehen, dass man sich mit der Integration von Elefunds nachhaltig besser positionieren und den Umsatz und die Reichweitengenerierung ankurbeln kann. Es gibt viele Shops, die uns eine Zahlungsbereitschaft signalisieren.

Wie viel zweigt Elefunds an Gebühren ab?

Das ist unterschiedlich. Die meisten Organisationen zahlen auf eigenen Wunsch prozentuale Gebühren. Wichtig ist aber: Niemand muss bei uns in Vorleistung gehen. Wir leiten das Geld zu 100 Prozent weiter – erst einen Monat später muss etwas zurückgezahlt werden. In Deutschland gelten hohe Transparenzanforderungen für Spenden. Es ist wichtig, wie mit Spendengeldern umgegangen wird.

Wie hat sich euer Geschäft zahlenmäßig entwickelt in den zwei Jahren?

Wir haben Weihnachten 2011 mit ein, zwei Shops angefangen. Mittlerweile sind knapp 70 live. Wir haben damals mit einem recht mannstarken Team angefangen, das wir zwischendurch konsolidieren mussten. Jetzt sind wir sechs Leute. Wir wollen aber weiter wachsen, daher suchen wir momentan Leute für Sales und Marketing und führen dementsprechend auch schon erste Gespräche über eine weitere Wachstumsfinanzierung.

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Social Businesses haben keinen besonders prominenten Platz in der deutschen Gründerszene. Warum eigentlich?

Das Konzept ist zum Einen sehr neu. Und es gibt nicht so viele, wenn man nach großen, skalierbaren Modellen sucht. In den USA oder Großbritannien ist der Markt dagegen schon sehr weit, in Deutschland eher am wachsen. Ich frage mich auch, woran man diesen Unterscheid festmachen kann. Ich glaube: Viele Aufgaben übernehmen hierzulande Vereine, Stiftungen oder der Staat. Das ist sehr gut, sorgt aber auch für weniger Fortschritt und dafür, dass es kaum kreative, mit privater Equity finanzierte Unternehmen in diesem Markt gibt, die wirklich nachhaltig etwas verändern. Dabei ist die Idee, Geld zu verdienen und dabei Gutes zu tun, eigentlich ein tolles Mittel – zum Beispiel für die „Generation Wh(Y)?“, die sich ja kreativ, nachhaltig, sozial, aber auch materiell verwirklichen will. Man könnte damit die Grundfesten unserer Ökonomie und unserer Gesellschaft positiv verändern, das ist zumindest mein erklärtes Ziel.

Siehst du dich eher als klassischen Gründer oder als sozialen Wohltäter?

Ich wollte niemals unbedingt was gründen. Aber ich war immer sehr aktiv und habe an jeder Station meines Lebens Projekte ins Leben gerufen. Wahrscheinlich hatte ich als Kind das, was man heute ADHS nennen würde.

Und deine Pläne? Willst du als Gründer weitermachen – oder eher gemeinnützig, für den guten Zweck arbeiten?

Ich arbeite unter anderem nebenbei für eine Strategieberatung und verfolge auch ein, zwei neue Projekte. Es geht dabei immer irgendwie um Social Entrepreneurship. Das ist die rote Linie für mich. Bin ich ein Gründer? Formales Gründen ist ja auch nur eine Ausdrucksform von Aktivität und Kreativität. Ob ich das mit Freunden in der WG-Küche mache oder dafür zum Notar wackeln muss, ist mir dabei eigentlich egal.

Bild: Elefunds