Eine Analyse von Maik Klotz, der sich als Autor und Berater seit Jahren mit dem Thema Mobile Payment beschäftigt. Er arbeitet auch für den Mobile-Loyalty-Anbieter Valuephone.

Als der Handelskonzern Otto im Jahr 2011 das Mobile-Payment-Unternehmen Yapital gründete, strotze das Hamburger Unternehmen vor Selbstbewusstsein. Im Alleingang wollte Yapital den Markt der mobilen Bezahldienste besetzen und als Multi-Channel-Payment-Lösung sogar PayPal in die Knie zwingen.

Der Wille war da: Zu Spitzenzeiten arbeiteten Hunderte Mitarbeiter an mehreren Standorten, um zunächst ein auf QR-Code basierendes Bezahlverfahren aufzubauen. Von den Händlern konnte man abgesehen von Sportcheck, Görtz und Gravis auch die Supermarktkette Rewe als Kunden gewinnen. Es lief gut für Yapital. Wäre da die Geschichte mit dem Endkunden nicht gewesen.

Damit ein mobiles Bezahlverfahren funktionieren kann, braucht es vier Dinge: Akzeptanzstellen, Nutzer, ein Problem und eine gute Lösung. Yapital hatte nichts davon. So schön sich die Namen der teilnehmenden Händler anhörten, in Wirklichkeit waren die Akzeptanzstellen dünn gesät. Sportcheck unterhält in Deutschland gerade einmal 19 Geschäfte. Auch Görtz hat mit 160 Filialen ein eher überschaubares Filialnetz.

Viele Geschäfte wussten nichts von Mobile Payment

Beim Flagschiff Rewe ist der Service nie bundesweit ausgerollt worden, so dass man auch hier nicht von den 3.300 Filialen profitieren konnte. Ohnehin schien die Supermarktkette nicht sonderlich viel Wert auf dieses Bezahlverfahren gelegt zu haben, beworben wurde es nicht wirklich. Viele Geschäfte wussten nicht mal, dass sie aufgeschaltet waren.

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Laut Yapital konnten in Deutschland 350.000 Händler die Lösung einsetzen, so die Theorie. Ohne viel bürokratischen Aufwand – mit einer einfache Vertragserweiterung sollte das funktionieren, hieß es noch im Februar diesen Jahres. In der Praxis konnte man keinen nennenswerte Anzahl von Händlern begeistern, womöglich weil der Händler für sich keinen Nutzen in der Lösung erkennen konnte.

Bei der Anzahl der verfügbaren Akzeptanzstellen zählte Yapital gerne jedes einzelne Bezahl-Terminal, was schwierig ist, weil Geschäfte wie Rewe ja über mehr als eine Kasse mit Terminal verfügen, für den Nutzer aber nur eine Akzeptanzstelle darstellen. Auch gingen die akquirierten Händler nicht auf einen Schlag, sondern sukzessive online. Als Nutzer musste man also regelmäßig prüfen, ob es eine neuen Laden gibt, in dem man mit Yapital zahlen konnte.

Der Bezahlprozess war schwierig

Der Nutzer hatte es ohnehin nicht leicht. Anfänglich war Yapital nur als Beta verfügbar. Dass so eine Version kein Vertrauen schafft, hätte auf der Hand liegen müssen, schließlich geht es um Geld. Überhaupt war es nicht einfach, Yapital zu nutzen. Der Bezahlservice war zunächst ein reines Prepaid-System. Der Nutzer musste, sofern er den quälend langen Registrierungsprozess überstanden hatte, das Konto erst einmal aufladen. Kein Guthaben hieß, dass man keine Möglichkeit hat, mit dem Smartphone zu bezahlen.

Der Bezahlprozess war schwierig. Um mit Yapital zu bezahlen, musste der Nutzer einen von der Kasse generierten QR-Code fotografieren. Das konnte je nach Smartphone und Lichtverhältnissen ein holpriges Unterfangen sein. Aufwendig war es allemal: App starten, Kennwort eingeben, prüfen ob Guthaben vorhanden ist, QR-Code fotografieren und hoffen, dass die Internetverbindung stabil genug ist. Die Hürden, sowohl beim Onboarding, als auch bei der Nutzung waren hoch. So hoch, dass Yapital innerhalb von vier Jahren nie über eine fünfstellige Zahl von Registrierungen kam. Das angestrebte Ziel im Jahr 2015 eine Millionen Nutzer zu generieren war unerreichbar. Da half auch nicht der verzweifelte Versuch, mit einem Nachrichten-Portal die anvisierte Zielgruppe zu erreichen.

Welches Problem wollte Yapital lösen?

Für Usability oder einen vereinfachten Registrierungsprozess hätte das Unternehmen eine Antwort finden können. Keine Antwort gab es aber auf die Frage nach dem Warum. Warum sollte ein Nutzer eine solche Lösung überhaupt nutzen? Welches Problem wollte Yapital lösen?

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Mit dem Service konnte man weder besser noch schneller, geschweige denn komfortabler Bezahlen. Yapital versuchte – getrieben von einer Goldgräberstimmung – ein Problem zu lösen, welches nicht existierte. Dabei versuchte man dieses, nicht vorhandene, Problem auf eine technologisch komplexe Weise zu lösen. Mobile Payment als singuläres Produkt zu vermarkten war sicher das größte Problem und der Hauptunterschied zu den kommenden Lösungen wie Apple und Android Pay.

Die neuen Bezahldienste haben gar nicht den Anspruch, ein Produkt zu sein. Mobile Payment ist eine Funktion. Ein Feature des iPhones oder von Android. Der Nutzer kann sie nutzen – oder eben nicht. Das Onboarding ist drastisch vereinfacht worden und der Händler muss nicht überzeugt werden, denn die Infrastruktur ist in weiten Teilen schon da und wird stetig ausgebaut. Apple und Google setzen auf das kontaktlose Zahlen via NFC. Mobile Payment ist eben kein Produkt, das haben die Macher bei Apple und Google erkannt.

Die Luft wird enger

Andere Anbieter mobiler Bezahlverfahren stehen dagegen vor dem gleichen Problem wie Yapital. Dadurch, dass die Smartphonehersteller mobile Bezahlsysteme quasi mit dem Gerät ausliefern werden und auch das Onboarding vereinfacht haben, wird die Luft immer enger. Einzig Mehrwertdienste, wie Loyalty- und Couponing-Programme, können ein Differenzierungsmerkmal darstellen. Anbieter reiner mobilen Bezahlverfahren dürfte das gleiche Schicksal ereilen wie Yapital.

Für die Mitarbeiter bleibt zu hoffen, dass sie schnell eine Alternative finden. Bis Ende Februar werden die Gehälter bezahlt, dann ist Yapital für den Endkunden-Markt endgültig Geschichte. Bis dahin sollen auch alle Yapital-Konten aufgelöst werden. Die E-Geld Lizenz will Otto erstmal nicht abgeben. Wer weiß, vielleicht entwickelt man ja noch neue Dienste.

Bild: Yapital